

Am 20. März 2025 stehen bedeutende geldpolitische Entscheidungen in der Schweiz und Großbritannien an, die für Anleger von großem Interesse sind. Sowohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) als auch die Bank of England (BoE) werden ihre aktuellen Zinsentscheidungen bekannt geben. Diese Entscheidungen erfolgen vor dem Hintergrund globaler wirtschaftlicher Entwicklungen und können erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben.

➡️ Die aktuellen Zinsentscheide können drastische Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben/ Shutterstock/ Prostock-studio
Die Schweizer Wirtschaft steht traditionell für ein hohes Maß an Stabilität. Dennoch hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) in der Vergangenheit ihre Geldpolitik gelockert und über zurückliegende Zinsentscheidungen den Leitzins verringert. Für die anstehende Entscheidung gehen Ökonomen davon aus, dass die SNB zu einer weiteren Leitzinssenkung um 25 Basispunkte greift. Damit würde der Leitzins für die Schweiz auf 0,25 Prozent sinken.
Was bedeutet diese Entscheidung? Für die Schweiz rückt mit dem neuen Zinsschritt das Thema Negativzins wieder verstärkt in den Fokus. Auf welchen Kernfaktoren beruht die Entscheidung der SNB?
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) bewegt sich in der Schweiz nach unten. Allein für den Januar verzeichneten die Statistiker des Bundesamtes für Statistik (BFS) wieder einen Rückgang um 0,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug die Teuerungsrate gerade einmal 0,4 Prozent – was deutlich unter dem von der SNB angestrebten Zielkorridor liegt.
Im Vergleich zum Euro hat der Schweizer Franken in den letzten Jahren deutlich aufgewertet. Diese Entwicklung führt zwar dazu, dass Schweizer im Ausland mit Franken eine höhere Kaufkraft generieren. Allerdings belastet ein sehr starker Franken am Ende die exportorientierten Sektoren der Wirtschaft. An dieser Tatsache ändert auch die leichte Abkühlung des Franken-Euro-Kurses in den letzten Monaten nichts.
In die Entscheidung könnte auch einfließen, dass die im Dezember 2024 veranlasste Zinssenkung einen Beitrag zur Zunahme der Bauinvestitionen geführt hat. Senkt die SNB den Leitzins noch einmal, können sich zusätzliche Impulse ergeben, da die Kosten für Investitionen sinken.
Durch die Verbilligung der Kosten am Immobilienmarkt besteht nicht nur die Chance auf zusätzliche Wachstumsimpulse. Für Immobilienaktien könnte es mittelfristig weiter nach oben gehen. Gleiches gilt für die Baubranche, die letztlich von einer verstärkten Bautätigkeit profitieren kann. Es besteht die durchaus realistische Chance, von Gewerbeimmobilien-Portfolios zu profitieren.
Für Aktienorientierte Portfolios kann sich die Zinssenkung ebenfalls auszahlen – da exportorientierte Schweizer Blue Chips wie Nestlé oder Roche von einer Verbesserung des Wechselkursumfelds profitieren. Allgemein reagieren die Aktienmärkte positiv auf das Drehen an der Zinsschraube nach unten. Da die Zinsen auf Spareinlagen/verzinste Kapitalanlagen sinken, schichten Anleger Guthaben eher in Richtung der Aktienmärkte um. Beide Aspekte erzeugen in Kombination Impulse für den Aktienmarkt.
Die SNB muss in ihre Entscheidungen aber auch die aktuellen Entwicklungen einfließen lassen. Gerade auf handelspolitischer Ebene sorgen die USA aktuell für sehr viel Unruhe und Unsicherheit mit einer vollkommen unberechenbaren Zollpolitik, die an der Schweizer Wirtschaft mit ihrem starken Exportfokus nicht vorbeigehen kann.

➡️ Die USA sorgt aktuell auch für Unruhe in der Schweizer Wirtschaft/ Shutterstock/ TexBr
Die britische Wirtschaft steht vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen – die am Ende auch die anstehende Zinsentscheidungen der Bank of England beeinflussen werden. Erst im Februar 2025 senkte die Bank den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent. Für die Sitzung am 20. März wird unter Ökonomen von keinem weiteren Zinsschritt ausgegangen.
Damit verfolgt die Bank of England einen sehr vorsichtigen und zurückhaltenden Ansatz. Es gibt verschiedene Indikatoren, die in den letzten Wochen durchaus für eine gewisse Verstimmung gesorgt haben. Die Wirtschaft ist im Januar 2025 leicht geschrumpft. Zahlen weisen ein Minus von 0,1 Prozent aus.
Zur Belastung sind in diesem Zusammenhang sowohl der Bau- als auch der Industriesektor geworden. Einfluss auf die Zurückhaltung hat auch die Entwicklung der Inflation. In Großbritannien bewegt sich die Gesamtinflation zwar in Richtung auf das Ziel von zwei Prozent. Die Kerninflation sendet allerdings ein gegenteiliges Signal aus und bewegt sich auch weiterhin auf einem höheren Niveau von über drei Prozent.
Die Auswirkungen des Festhaltens an den aktuellen Zinsen lässt der Bank of England Spielraum für spätere Anpassungen. Die Zentralbanken brauchen Pfeile im Köcher, um mittelfristig auf die globale wirtschaftspolitische Entwicklung zu reagieren. In den USA tauchen vermehrt Anzeichen dafür auf, dass die Administration eine Rezession in Kauf nimmt – was die exportbasierten Sektoren der britischen Wirtschaft unter Druck setzt. Zusammen mit den Zöllen auf verschiedene Produkte entsteht ein hohes Risiko.
In dieser Phase Zinsen zu senken, kann die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen – in dem sich britische Waren im Export durch eine Abwertung des Pfund vergünstigen. Zudem liefern spätere Zinssenkungen Impulse sowohl für den Aktienmarkt als auch den Immobiliensektor. Kurzfristig kann sich rund um den Zinstermin am 20. März eine gewisse Volatilität an den Märkten entwickeln.
Die Zinsentscheidungen der Schweiz und Großbritanniens sind exemplarisch für die Herausforderungen der Zentralbanken. Da durch die Märkte die aktuellen Entscheidungen bereits eingepreist sind, ist an dieser Stelle nicht von nennenswerten Überraschungen auszugehen. Auf der anderen Seite wird es für Anleger spannend bleiben, wie die Zentralbanken ihre Entscheidung kommentieren und welcher Ausblick sich hieraus ergibt. Besonders die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der kommenden Monate in den USA werden die Handlungen der Zentralbanken massiv beeinflussen.

💡 Die Schweizer SNB steht vor Herausforderungen/ Shutterstock/ Judith Linine
Die Schweizer Zentralbank wird die Leitzinsen am 20. März wahrscheinlich noch einmal senken, während die Kollegen in Großbritannien eher zurückhaltend agieren. Diese unterschiedliche Politik erklärt sich aus den verschiedenen Herausforderungen. Während die Schweiz mit einer sehr niedrigen Inflationsrate zu tun hat, sind die Rahmenbedingungen in Großbritannien anders. Aus Anlegersicht ist nicht nur interessant, wie die Zentralbanken aktuell reagieren, sondern welche Herausforderungen sie für die Zukunft sehen.


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