

An den Aktienmärkten haben die Anleger zuletzt den Atem angehalten. Die Zollpolitik der Trump-Administration sorgt seit Wochen für Turbulenzen und schürt die Angst vor einer globalen Rezession. Die weitreichenden Zölle vom 2. April 2025 waren das „Sahnehäubchen“, welches die Märkte weltweit auf Talfahrt geschickt hat – auch den S&P 500 als einen der wichtigen US-Aktienindizes.
Ausgelöst wird die aktuelle Krise des S&P 500 durch eine Kombination aus den bereits erwähnten handelspolitischen Risiken, Inflationssorgen und Rezessionsängsten. Seit der Ankündigung vom 2. April brach der Index um über 10 Prozent ein. Zeitweise hat nicht mehr viel für einen Bärenmarkt gefehlt (mehr als 20 Prozent unter dem letzten 52-Wochen-Hoch).

📉 Der S&P 500 leidet aktuell unter starken Schwankungen/ Shutterstock/ OHishiapply
Wie stark die Unsicherheit Anleger unter Druck gesetzt hat, unterstreicht der VIX-Index (Volatilitätsindex), der es phasenweise sogar über 60 Punkte schaffte und damit schon in Richtung Paniklevel tendierte. Wie geht es mit dem S&P 500 weiter? Aktuell fällt es selbst Analysten schwer, sich klar zu positionieren. Viele Unternehmen haben eine starke Abwertung der Marktkapitalisierung erlebt. Neben Autoherstellern leidet auch die Luftfahrt, da durch die drohende Rezession auch mit einem spürbaren Rückgang im Bereich der Luftfracht gerechnet werden muss. Eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums trifft nicht nur die Industrie, sondern auch die Logistik.
Einerseits stellt sich die Frage, wer im Hinterzimmer mit wem redet und inwiefern die Befürworter der Zölle in der US-Administration sich von Argumenten überzeugen lassen. Allerdings stehen die Zeichen – wenn nur auf die öffentlichen Verlautbarungen gehört wird – nicht auf Deeskalation. China droht damit, den Streit bis zum Ende auszutragen. Für den S&P 500 kann es noch einmal zu einer Neuausrichtung des Kurstrends kommen, wenn Wirtschaftsdaten für den April veröffentlicht werden – in welche die Zoll-Turbulenzen zum ersten Mal eingepreist sind.
Die Zölle sind derzeit das vorherrschende Thema an den Märkten. Aus wirtschaftlicher Sicht wird für die Unternehmen mittelfristig wichtig, wie lange die massiven Handelsbeschränkungen andauern. Hohe Zölle bezahlen am Ende US-Verbraucher. Damit erhöht sich massiv das Inflationsrisiko – was den Handlungsspielraum der Fed deutlich beschneidet.
Höhere Preise (die angesichts der Breite an Zöllen von Ökonomen als fast sicher angenommen werden) dämpfen die Verbraucherlaune. Letztlich heizt sich damit das Rezessionsrisiko an, das von einigen Analysten inzwischen auf 60 Prozent angehoben wurde. Für Anleger bedeutet diese Gemengelage, dass die Zeichen auf Rotation im Portfolio stehen.
Defensive Rotation der Werte: Durch die Zollankündigung sind vor allem Werte unter Druck geraten, die eine sehr starke Importquote in die USA aufweisen. Viele Bekleidungs- und Modemarken lassen in Asien – unter anderem Vietnam – fertigen. Aber auch Tech-Unternehmen mit einer stark in Asien diversifizierten Lieferkette mussten massive Wertverluste verkraften. Was in Rezessionsphasen eher auf der Seite bei den Gewinnern zu finden ist, sind Konsumgüter (täglicher Bedarf) oder die Versorger und das Gesundheitswesen. Eine Rotation in diesen Bereich macht das Portfolio gegenüber den Krisenszenarien resilienter.
Value-Ansatz mit Qualitätsfilter: Der Value-Ansatz kombiniert den Fokus auf unterbewertete Aktien mit strengen Kriterien zur Identifizierung fundamental starker Unternehmen. Neben den klassischen Kennzahlen sollte der Fokus auf eine Schuldenquote von unter 30 Prozent, stabile Gewinnmargen über dem Branchendurchschnitt, langjährige Kontinuität bei den Dividenden und eine hohe Kapitalrendite gerichtet sein. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass über eine umfassende Diversifikation eine Vermeidung von Sektorübergewichtungen erreicht wird.
Cash-Management zur Bereitstellung von Liquidität: Mit dem Zoll-Hammer hat die Trump-Administration die Gewinne der letzten Jahre an den Märkten sprichwörtlich abrasiert. Krisen sind aus Anlegersicht aber auch die Chance, neue Positionen aufzubauen. Liquide Mittel in einer Größenordnung zwischen 15 und 20 Prozent bieten die Möglichkeit, gezielt Aktien nachzukaufen. Einige Analysten sehen Indizes wie den S&P 500 noch nicht am Boden angekommen. Es könnte sich also durchaus noch die Gelegenheit ergeben, von antizyklischen Entscheidungen langfristig zu profitieren.
Gold gilt nach wie vor als sicherer Hafen – und hat diesen Status in den zurückliegenden Tagen unter Beweis gestellt. Der Kurs pro Feinunze hat in den letzten Wochen neue Höchststände erreicht. Ist der Einstieg damit überhaupt noch ein realistisches Szenario? Für Anleger können sich interessante Eintrittspunkte in Phasen nachgebender Kurse ergeben.
Damit erhöht sich das Angebot und der Preis für das Edelmetall sinkt. Anleger können diese Gelegenheit nutzen und sich damit bei institutionellen Investoren einreihen, welche diese Chance ebenfalls für sich ausnutzen. Kann nicht auch der Bitcoin diese Rolle (als digitales Gold) übernehmen? Kryptowährungen bleiben ein spekulatives Asset, das von verschiedenen externen Faktoren beeinflusst wird. Wie die Aktienmärkte und der S&P 500 hat auch der Bitcoin in den letzten Wochen sehr stark an Performance verloren.

✅ Viele Anleger greifen aktuell wieder auf Gold zurück/ Shutterstock/Sergii Sobolevskyi
Der S&P 500 hat – wie Indizes rund um den Globus – in den letzten Tagen massive Verluste verkraften müssen. Besonders Unternehmen mit einer stark diversifizierten Lieferkette in Asien und Autowerte stehen unter Druck. Teilweise haben Einzelaktien aus diesen Segmenten zweistellige Tagesverluste erlebt. Aus Anlegersicht gibt es auf die Entwicklung verschiedene Handlungsansätze. Die Rotation im Portfolio in Richtung defensiver Werte ist einer der wichtigsten Punkte. Auf der anderen Seite sollte sich der Fokus aber nicht zu stark verengen. Jede Krise bietet die Chance, verfügbare Liquidität zu nutzen, um günstige Value-Positionen aufzubauen.


Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.