

Der US-Dollar startet ins Jahr 2026 mit einem scheinbar paradoxen Trend: Während sich die politische Krise zwischen Washington und Europa verschärft sowie namhafte institutionelle Investoren wie PIMCO und der dänische Pensionsfonds AkademikerPension ihre US-Exposure reduzieren, wertet die amerikanische Währung gegenüber dem Euro auf.
Der Euro fiel gegenüber dem USD innerhalb weniger Wochen von rund 1,18 Dollar auf 1,16 Dollar– eine Aufwertung des Greenback um etwa 1,7 Prozent. Ein Trend, der dem ersten Impuls widerspricht, der normalerweise von einer Schwächung der betroffenen Währung ausgehen würde.
Aber: Die relative Stärke des Dollars reflektiert nicht unbedingt wachsendes Vertrauen in die USA, sondern strukturelle Mechanismen: Liquiditätspräferenz, Leverage-Abbau und die Rolle des Dollars als globale Abrechnungswährung. Die zentrale Frage für 2026 lautet deshalb, wie lange die funktionale Dominanz des Greenback anhält – und wann der Dollar durch systematische Schwächen unter die Räder kommt.
Der Trend beim Währungspaar EUR-USD zeichnet seit Ende Dezember ein eindeutiges Bild: Nach dem Hoch bei etwa 1,180 USD Ende 2025 rutschte der Kurs bis Mitte Januar auf ein Tief von rund 1,160 USD je Euro ab – der Greenback hat spürbar aufgewertet.
Aktuell lässt sich zwar wieder eine Gegenbewegung erkennen. Wie substanziell dieser neue Trend ist, bleibt abzuwarten. Insgesamt scheint der Greenback zum Jahresstart eher robust zu performen. Dass dieser Trend und die politische Rhetorik scheinbar auseinanderdriften, erklärt sich über den besonderen Status des Dollars.
Er ist nicht einfach nur die Währung der USA, sondern gilt als eine der liquidesten Devisen am Markt. Die globalen Derivatemärkte und Cross-Border-Finanzierung werden primär über USD-Kanäle abgewickelt. Diese Einbindung in den Kapitalmarkt zieht nach sich, dass – wenn institutionelle Investoren Positionen glattstellen oder ihre Leverage abbauen müssen – eine Dollarnachfrage entsteht. Und diese ist unabhängig von der politischen Lage in den USA. Was bedeutet die Aufwertung des Greenback für Risikoassets?
Eine zentrale Auswirkung der Dollaraufwertung ist die Straffung globaler Finanzierungsbedingungen. Hintergrund: Die globale Verschuldung denominiert in USD. Damit verändert sich die Schuldenlast, wenn der Greenback steigt – ohne einen positiven Einfluss auf operative Erträge, die in Landeswährungen notieren.
Der Cashflow in Yen oder Euro verliert relativ an Wert, die Zins- und Tilgungsverpflichtungen (in Dollar) folgen diesem Trend aber nicht. Damit entsteht der Zwang, mehr Liquidität vorzuhalten – was Investitionen verschiebt und die Risikoassets belastet.
Parallel zu den Auswirkungen auf den Cashflow bewirkt eine Aufwertung des US-Dollars, dass die Bewertungen an den Aktienmärkten sinken. Hintergrund: Unternehmen erzielen ihre Umsätze und Gewinne überwiegend in lokalen Währungen, während die Bewertung an den globalen Kapitalmärkten häufig auf Basis des Dollars erfolgt.
Wertet der Greenback auf, sinkt der in USD umgerechnete Gewinn – was selbst dann passiert, wenn sich das operative Geschäft nicht verschlechtert. Davon können europäische Aktien, Schwellenländerwerte und exportorientierte Unternehmen betroffen sein.
Aber auch die US-Konzerne mit einem hohen Anteil von Auslandsgeschäften geraten unter Druck, da Währungseffekte die Ergebnisberichte und Gewinnprognosen belasten. Letztlich wirkt sich der stärker werdende Dollar damit als stille Straffung aus.
Fundamentale Auswirkungen hat der steigende Dollar gerade auf den Rohstoffmarkt und das Risikoasset Gold. Da die meisten Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden, verteuern sie sich für Käufer außerhalb des Dollarraums durch die Greenback-Aufwertung.
Damit entsteht ein dämpfender Effekt auf die Nachfrage, insbesondere in konjunktursensiblen Segmenten – wie bei den Industriemetallen oder im Energiesektor. Ein anhaltend hoher Dollarkurs wird besonders für rohstoffabhängige Volkswirtschaften und Unternehmen zum Problem, da sich der Druck zusätzlich verschärft, wenn Exporterlöse in den lokalen Währungen abwerten – während Kosten oder Schulden in USD anfallen.

Der Dollar startet stark in das Jahr 2026 (Foto: Shutterstock/ abdullah.jvd)
Die Ankündigungen von PIMCO, die Exposure in US-Staatsanleihen zu diversifizieren, hat für Schlagzeilen gesorgt. Als Begründung für diesen Schritt werden fiskalische Risiken und die Governance-Unsicherheit genannt. Zusammen mit dem Rückzug des dänischen Pensionsfonds signalisieren die Entscheidungen ein schwindendes Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der US-Politik.
Wie dieser Rückzug nicht verstanden werden darf, ist ein genereller Ausstieg aus dem Greenback. Institutionelle Investoren halten weiterhin Geldmarktfonds oder Cash-Positionen in USD – unter anderem aufgrund der Liquidität. Hier muss klar zwischen dem US-Staat als Schuldner und dem Dollar als zentrale Leitwährung unterschieden werden.
Der Dollar im letzten Jahr zwar deutlich gegenüber dem Euro abgewertet, operiert gegenwärtig aber vergleichsweise stabil in einem tendenziell seitwärts driftenden Korridor, der unter anderem durch Risk-Off-Bewegungen sowie dem Dollar-gestützten Liquiditätsbedarf und dem Abbau von Carry Trades geprägt wird.
Eine starke Abwertung des Greenback ist unter anderem aufgrund der Denominierung vieler internationaler Verbindlichkeiten in Dollar sowie fehlender Alternativen nicht zu erwarten. Allerdings können sich mittelfristig Faktoren ergeben, die den Greenback unter Druck setzen – wie eine anhaltende Eskalation in Washington.
Zwar ist hier anfänglich durch das Risk-Off-Szenario mit einem Abzug von Kapital aus Risikoassets zu rechnen – was tendenziell den Dollar durch eine höhere Nachfrage stützt. Wird die Eskalation zu einem strukturellen Problem, indem zum Beispiel der Druck auf die Fed zunimmt und sich parallel Verfassungskonflikte auftun, würde der Dollar selbst zu einem Risiko in den Augen von Investoren. In der Folge wächst der Druck auf den Greenback. In diesem Szenario wäre damit zu rechnen, dass sich Anleger aus dem Dollar eher zurückziehen und in Gold oder andere Währungen umschichten.

Der Dollar steht 2026 vor einigen Herausforderungen (Foto: Shutterstock/ PeopleImages)
Für Anleger bedeutet die aktuelle Dollar-Dynamik und die anhaltende politische Eskalation, dass es keine einfache „Buy-or-Sell“-Antwort gibt. Vielmehr muss in strategische Leitplanken gedacht werden, in denen sich kurzfristige Marktmechaniken und das mittelfristige Regimewechsel-Risiko überschneiden.
In der Vergangenheit hat es immer wieder danach ausgesehen, dass der US-Dollar und der Euro bald auf Augenhöhe liegen. Inzwischen ist die Distanz hinsichtlich der USD-EUR-Parität wieder spürbar größer geworden. Nach einem Jahr des spürbaren Abwärtstrends konnte der Greenback zum Jahreswechsel wieder Boden gutmachen.
Angesichts der globalen Herausforderungen werden Anleger und Investoren die amerikanische Währung 2026 intensiv beobachten müssen. Für Trading-Entscheidungen werden Marktsignale besonders wichtig – auch wenn Schlagzeilen und die politische Rhetorik vielleicht in den Vordergrund treten.
Es kommt auf Flexibilität und Handelsinstrumente an, mit denen sich unterschiedliche, schnell wechselnde Sentiments ausnutzen lassen. Pepperstone bietet als CFD-Broker Anlegern ein umfassendes Handelsangebot in Kombination mit einem komfortabel bedienbaren Tradingdesk. Dank diverser Tools und Indikatoren gewinnen Anleger beim Broker einen fundierten Einblick – um die Entwicklungen am Devisenmarkt konsequent auszunutzen – egal, welche Richtung der USD-Kurs gerade präferiert.
Angesichts einer aktuell latenten Spannung zwischen Europa und den USA liegt der Gedanke nahe, dass der Greenback weiter an Boden und Vertrauen verliert. Der Blick auf den USD-Chart impliziert allerdings einen etwas anderen Trend: Die US-Währung hat wieder aufgewertet. Damit entsteht ein gewisser Druck auf Risikoassets, die für Anleger teurer werden.
Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, bleibt abzuwarten. Ein massiver Kollaps des Dollar wird aktuell nicht erwartet. Aber: Es verdichten sich die Hinweise, dass Investoren angesichts der Politik aus Washington unruhig werden. Solange der Greenback eine Liquiditätsreserve bildet und verschiedene Assets dominiert, kann er sich am Markt behaupten.
Kurzfristig fehlen überzeugende Alternativen. Der Euro kämpft mit seiner politischen Fragmentierung, der Yen mit demografischen Problemen und einer jahrzehntelangen Deflation (auch, wenn sich zuletzt stabilisierende Trends bemerkbar machen) und der Yuan leidet unter den Kapitalverkehrskontrollen (und der damit einhergehenden mangelnden Markttransparenz). Gold wird zwar als sicherer Hafen gesehen, bietet aber keine Verzinsung. Und Kryptowährungen bleiben zu volatil – weshalb der Dollar seine Dominanz vorerst behält.
Der Grönlandstreit zwischen den USA und Dänemark hat auf den ersten Blick das Potenzial, den Dollar zu belasten. Devisenmärkte reagieren auf geopolitische Krisen eher selektiv, wobei drei zentrale Faktoren entscheidend sind: Handelsströme, Kapitalströme und die Zentralbankpolitik. Die Frage wird sein, wie stark Verwerfungen zwischen Washington und Europa ausfallen. Ein Handelskrieg würde auch den Dollar belasten.
Innenpolitische Krisen in den USA belasten den Greenback nicht automatisch nachhaltig, da der Devisenmarkt systemische Krisen und politisches Gepolter durchaus trennen kann. Brisant werden innenpolitische Entwicklungen, mit denen die Funktionsfähigkeit des US-Finanzsystems, die Glaubwürdigkeit der Fed und die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen berührt werden. Dann würde der Greenback am Markt unter Druck geraten.

Zum Anbieter
*



Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.