

Die geopolitische Lage Europas hat sich seit 2022 deutlich verschärft. Besonders der Krieg in der Ukraine sticht für Europa als Herausforderung heraus. Aber auch die Spannungen im Nahen Osten sowie eine instabile Beziehung zwischen den USA und China führen dazu, dass europäische Staaten ihre Verteidigungsausgaben stark erhöhen und die Budgets noch weiter anheben.
Im Rahmen des „ReArm Europe“-Plans will beispielsweise die EU bis zu 800 Milliarden Euro mobilisieren. Damit sollen die Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren signifikant steigen. Zusätzlich wollen die einzelnen EU-Mitglieder ihre Ausgaben in den Verteidigungssektor intensivieren. Deutschland hat dafür sogar das Grundgesetz geändert.

▶️ Steigende Rüstungsausgaben bescheren Anlegern höhere Renditen/ Shutterstock/ ZenitX
Einerseits wächst das Misstrauen gegenüber den USA, insbesondere durch Diskussionen rund um den sogenannten „Kill-Switch“ in amerikanischen Rüstungsgütern wie dem Kampfflugzeug F-35. Andererseits sind Europas eigene Rüstungskapazitäten begrenzt, deren Ausbau auf ein tragfähiges Niveau (zur Deckung des eigenen Bedarfs) Zeit braucht. Langfristig muss das Ziel darin bestehen, Produktions- und Entwicklungskapazitäten auszubauen – um die hohe Nachfrage zu decken.
Für Unternehmen aus dem Verteidigungssektor bedeutet die Unsicherheit einen starken Anstieg der Nachfrage – und damit die Aussicht auf steigende Umsätze und Gewinne. Zusätzlich entstehen neue Marktsegmente. Im Ukraine-Kriegs ist eines sehr deutlich geworden: Auseinandersetzungen der Zukunft entscheiden sich nicht nur darüber, wie viele Panzer auf dem Schlachtfeld stehen, sondern welche Seite Drohnen besser einsetzen kann. Welche Aktien oder ETFs können von dieser Entwicklung profitieren?
Die Rheinmetall AG (ISIN: DE0007030009) aus Deutschland ist einer der wichtigen europäischen Rüstungskonzerne. Spezialisiert auf Panzer – wie den neuen Kampfpanzer Panther (KF 51) oder den Schützenpanzer Lynx – Munition und Verteidigungselektronik, profitiert das Unternehmen von den erhöhten Verteidigungsbudgets in Europa. Besonders der Ukraine-Konflikt hat für das Unternehmen große Auftragsvolumina generiert. Rheinmetall plant neben dem weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten auch verstärkt die Forschung und Entwicklung im Bereich autonomer Waffensysteme sowie digitaler Militärtechnologie – um sich so zusätzliches Wachstumspotenzial und neue Märkte zu eröffnen.

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Leonardo (ISIN: IT0003856405, ehemals Finmeccanica) gehört in Italien zu den führenden Anbietern in den Bereichen Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie Sicherheitstechnik. Bekannt ist das 1948 gegründete Unternehmen für seine Schul- und Mehrzweckkampfflugzeuge, Helikopter (wie den AgustaWestland AW139) und elektronische Verteidigungssysteme. Vor dem Hintergrund der Spannungen rund um das Mittelmeer gewinnt auch Leonardo an strategischer Bedeutung. Neben den eigenen Entwicklungsprojekten hat das Unternehmen am Kampfflugzeug Eurofighter Typhoon mitgearbeitet und ist für die Lockheed Martin F-35 Entwicklungspartner.

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Der britische Konzern BAE Systems (ISIN: GB0002634946) gehört zu den größten Unternehmen im globalen Verteidigungssektor. In seiner heutigen Form entstand das Unternehmen Ende der 1990er Jahre. Die Geschichte einzelner Gesellschaften reicht aber bis in den 2. Weltkrieg zurück. Hawker Siddeley Aviation baute beispielsweise die berühmte Hawker Hurricane. Neben Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter produziert BAE auch Marine- und Landfahrzeuge. Durch die stark diversifizierte Palette an Rüstungsgütern spielt BAE innerhalb der NATO eine wichtige Rolle als Ausrüster. Das zunehmende Misstrauen in die Abhängigkeit von US-Technologie könnte dazu führen, dass die Rolle von BAE gerade in Bereichen wie der Cybersicherheit und den autonomen Verteidigungssystemen weiter zunimmt.

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Das französische Unternehmen Thales (ISIN: FR0000121329) ist spezialisiert auf Verteidigungselektronik, Luftfahrt und digitale Sicherheitslösungen. Unter anderem im Bereich Radar- und Kommunikationssysteme spielt Thales eine wichtige Rolle. Aber auch in den Segmenten UAV und Luftbetankungssystemen hat sich das Unternehmen eine starke Position erarbeitet – unter anderem durch die Teilnahme an mehreren erfolgreichen Ausschreibungen in Großbritannien. Zudem stellt Thales Luftverteidigungssysteme her, zu denen Kurzstrecken-Abwehrsystem Starstreak gehört. Die Diskussion um eine stärkere technologische europäische Unabhängigkeit könnte Thales zu einem zentralen Partner machen, insbesondere im Bereich hochmoderner und autonomer Systeme.

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Der iShares-ETF (ISIN: DE000A0H08J9) setzt auf Aktien verschiedener führender Industrieunternehmen aus Europa. Zur Portfolioauswahl gehören auch einige Rüstungskonzerne wie Rheinmetall und BAE Systems. Dieser breite Ansatz versetzt Investoren in die Lage, an der steigenden Nachfrage nach Verteidigungsprodukten zu partizipieren. Gleichzeitig sorgt die Beimischung der Rüstungsaktien dafür, dass sich ein Dämpfungseffekt entwickelt, da sich Investitionen in die Verteidigung unabhängig von der Konjunktur entwickeln. Die TER des ETFs liegt bei 0,46 Prozent p. a. und es sind mehr als 100 Positionen im Portfolio enthalten.
Der iShares Global Aerospace & Defence ETF (ISIN: IE000U9ODG19) fokussiert sich als Exchange Traded Fund gezielt auf Unternehmen aus dem Segment der Luftfahrt- und Verteidigungsbranche. Teil des Aktienbasket sind unter anderem Airbus SE, Safran S.A. und Rolls-Royce Holdings. Dieser spezialisierte Ansatz ermöglicht es Anlegern, gezielt auf die Entwicklungen im Luftverteidigungssektor zu setzen und so an dem Wachstumspotenzial dieses Marktes zu partizipieren. Allerdings muss Anlegern hier auch klar sein, dass durch den starken Fokus ein gewisses Klumpenrisiko entsteht, das durch Investments in die Breite ausgeglichen werden sollte. Die TER des iShares Global Aerospace & Defence ETF liegt bei 0,35 Prozent p. a. Das Aktienportfolio umfasst knapp 60 Positionen.
Der Überfall auf die Ukraine durch Russland bedeutete für Europa eine Zäsur und hat gezeigt, dass die Territorialverteidigung als Doktrin auch im 21. Jahrhundert noch eine Bedeutung hat. Die zunehmend tiefer werdenden Gräben zwischen Europa und den USA verschärfen diese Entwicklung weiter. Deutschland und die EU müssen hinsichtlich der Verteidigung wieder stärker auf eigenen Füßen stehen. Für die Rüstungsindustrie werden damit aller Voraussicht die so schon vollen Auftragsbücher noch voller. Konzerne wie Rheinmetall, Hensoldt oder Airbus und BAE Systems werden vor dem Hintergrund dieser Entwicklung auch mittel- bis langfristig wahrscheinlich steigende Gewinne erzielen – was für Anleger neben steigenden Kursen auch Dividenden bedeutet.

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