

Die Veröffentlichung der Quartalszahlen ist für Aktionäre ein viermal jährlich aufmerksam verfolgtes Ereignis. Die Zahlen bestätigen oder widerlegen die eigenen Strategien und die Meinungen der Analysten.
Nach der Publikation zuzugreifen bedeutet jedoch, auf den unmittelbar ausgelösten Trend aufzuspringen. Erfolgreicher sind Trader und Anleger, die bereits vor der Bekanntmachung der Zahlen zu einer realistischen Bewertung kommen. Bei den großen Tech-Konzernen, insbesondere solchen mit starkem Engagement im KI-Bereich, ist dies aktuell nicht einfach.
Einige Tech-Konzerne haben das Zahlenwerk für das letzte Quartal des Vorjahres bereits öffentlich gemacht, bei anderen steht die Veröffentlichung kurz bevor. Anfang Februar 2025 konnten die Zahlen der Tech-Riesen Microsoft, Apple, Tesla und Alphabet nicht überzeugen – nur Meta lag im Plus. Dementsprechend gerieten die Aktien sichtlich unter Druck. Das lenkt umso mehr Aufmerksamkeit auf die noch ausstehenden Zahlen bei anderen Technologie-Anbietern. Neben führenden US-Konzernen ist auch die Deutsche Telekom von Interesse.
Palo Alto hat seine Quartalszahlen am 19. Februar veröffentlicht – die Umsätze legten im vierten Quartal 2024 um 20 Prozent zu, auch bei den Netto-Gewinnen gibt es ein Plus von rund 300 Mio. US Dollar, das entspricht einer Zunahme von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zu den Treibern der Geschäftsentwicklung gehören die Lösungen für die Cybersicherheit.
Insgesamt also eine sehr gute Entwicklung, dennoch gab der Kurs der Aktie nach – vom 52-Wochen-Hoch bei 201 US Dollar auf wenig mehr als 193 US Dollar am 20. Februar. Auslöser ist die Anpassung der Umsatz- und Ertragsprognosen des Unternehmens – die Geschäftsführung hat diese von ursprünglich prognostizierten 8,2 Mrd. US Dollar auf einen Wert von 7,95, höchstens 8 Mrd. US Dollar gesenkt – unter Berufung auf eine spürbare Investitionsmüdigkeit der Kunden bei den cloudbasierten Sicherheitskonzepten.
Die Deutsche Telekom konnte, nicht zuletzt dank der guten Entwicklung der Umsätze in den USA mit T-Mobile, bereits im dritten Quartal 2024 die Erwartungen der Anleger übertreffen. Die Analysten großer Investmentbanken geben der Aktie unmittelbar vor der Bekanntgabe der Zahlen für 04/2024 am 26. Februar eine Kaufempfehlung.
Am 27. Februar werden auch die Quartalszahlen von Dell erwartet – vermutlich mit ebenso gemischten Gefühlen, wie sie das Zahlenwerk vom November 2024 hervorgerufen hat. Denn das Unternehmen ist stark positioniert mit Lösungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, das Kerngeschäft, nämlich die PCs, entwickelt sich jedoch nicht entsprechend den Erwartungen. Bereits im November 2024 hatten Analysten dem Konzern „messy results“ bescheinigt.
Die drei bereits besprochenen Unternehmen legen insgesamt positive Entwicklungen vor – wenn auch teilweise mit korrigierter Erwartung für das laufende Jahr. Bislang hatten vor allem Firmen profitiert, die die steigende Nachfrage nach KI-Lösungen bedienen konnten. Sie sehen sich in ihren Prognosen nun unter Druck, seit im Januar der chinesische Wettbewerber DeepSeek vollkommen überraschend an den Start ging.
Dieser Druck lastet auch auf NVIDIA. Der Chip-Hersteller wird seine Quartalszahlen ebenfalls am Monatsende, nämlich am 26. Februar, bekanntgeben. Als „Leitstern“ der Branche gilt NVIDIA als maßgeblich, auch für die kommenden Monate. Aktuell scheiden sich an der Bewertung der Aktie vor Bekanntwerden der Zahlen die Geister.

▶️ Der Tech-Gigant NVIDIA steht im Spotlight / Shutterstock/ Tattoboo
Die Prognosen für das vierte Quartal 2024 seitens NVIDIA lagen bei Umsätzen von rund 35 Mrd. US Dollar, Analysten gingen von rund 32,5 Mrd. US Dollar aus. Die UBS schätzt jedoch, dass diese Erwartungen bei weitem übertroffen wurden – Analysten der Bank sehen einen gewaltigen Sprung bei den Umsätzen für das Quartal auf etwa 42,5 Mrd. US Dollar. Sollte sich das bewahrheiten, dürfte die Aktie, die aktuell in einem Aufwärtstrend liegt, weiter zulegen – für Anleger wäre ein Kauf schon vor den Quartalszahlen damit eine gute Investition. Analysten halten das Erreichen des 52-Wochen-Hochs bei 147 US Dollar bei einem solchen Szenario für nicht unwahrscheinlich.
Ray Dalio, Mitgründer von Bridgewater Associates, ist ein Großinvestor, dessen Strategien Anleger in aller Welt verfolgen. Noch im Sommer 2024 hatte Dalio vermehrt in NVIDIA investiert. Nun stößt der Investor einen Teil seiner Aktienbestände ab – nicht nur für diese, sondern auch für andere Tech-Aktien.
Dalio trennte sich von mehr als einem Viertel seiner NVIDIA-Aktien, auch bei Microsoft und Meta wurden die Bestände um 23 Prozent reduziert, bei Alphabet veräußerte der Investor 17 Prozent. Das scheint zunächst viel – doch alle vier Unternehmen belegen nach wie vor eine der Top 10 Positionen in Dalios Portfolio. Analysten bewerten die Verkäufe daher weniger als das Resultat einer pessimistischen Einschätzung, sondern eher als Gewinnmitnahmen vor den Quartalszahlen – bei manchen Tech-Aktien berechtigt. Ob Dalio bei NVIDIA richtig liegt, muss sich noch zeigen.
Nicht alle Tech-Konzerne konnten mit ihren Quartalszahlen und Prognosen rundum überzeugen – auch wenn Fachleute durchaus noch wohlwollende Bewertungen abgeben. Ob Anleger bei Aktien zugreifen sollten, deren Zahlenwerk unmittelbar vor der Veröffentlichung steht, ist nicht leicht zu beantworten. Liegt UBS mit der Einschätzung bei NVIDIA richtig, wäre die Aktie aktuell noch günstig.
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