

Wer am 2. Juli die Trade-Republic-App öffnete, um eine Order für einen Sparplan zu bestätigen, stieß auf zwei neue Buttons und eine Änderung der Preisdarstellung: Statt eines einzelnen Preises wurden nun zwei Preisangaben – „Bestpreis“ und „Direktpreis“ – angezeigt. Weder ein Hinweis noch eine Erläuterung begleiteten die Umstellung. Wer nicht ohnehin die Finanznachrichten verfolgt hatte, bemerkte davon zunächst nur eine veränderte Preisdarstellung.
Einen Tag trat europaweit das Payment for Order Flow, oder kurz PFOF, Verbot in Kraft. Broker durften bis dahin Geld von Marketmakern dafür kassieren, dass sie Kundenorders gezielt an sie weiterleiteten. Die überarbeitete MiFIR-Verordnung beendet das seit dem 1. Juli 2026 in der gesamten EU. Deutschland hatte sich über eine nationale Übergangsregelung noch etwas Zeit gekauft, diese Ausnahme lief mit dem Stichtag aus.
Ein Broker leitet die Order nicht an eine große Börse wie Xetra weiter, sondern an einen Market Maker. Das ist ein Finanzhaus, das selbst Aktien und ETFs auf eigene Rechnung kauft und verkauft. Der Market Maker zahlt dem Broker dafür eine Rückvergütung. Der Kunde sieht am Ende nur die „0“ oder „1“ Euro Ordergebühr.
Ob die Praxis für Kunden tatsächlich neutral war, ist die eigentliche Streitfrage hinter dem Verbot. Eine Studie der spanischen Aufsichtsbehörde CNMV und Auswertungen der BaFin verweisen auf Kursabweichungen zwischen PFOF-Handelsplätzen und der jeweiligen Referenzbörse von mehreren Basispunkten. Bei einer einzelnen Order wirkt das gering. Aufsummiert über Millionen Trades ergäbe sich daraus laut dieser Einordnung ein Betrag im siebenstelligen Bereich, der auf keiner Kundenabrechnung ausgewiesen ist.

Trade Republic sparen
Trade Republic reagiert auf den Wegfall der PFOF-Einnahmen mit einer eigenen Handelsinfrastruktur. Herzstück ist ein Algorithmus, der bei jeder Order automatisch die Kurse an bis zu 30 Handelsplätzen vergleicht, darunter Xetra, Euronext, die NYSE und die Nasdaq. Er wählt den günstigsten verfügbaren Kurs und berechnet dafür weiterhin die bekannte Abwicklungspauschale von 1 Euro pro Trade, zuzüglich Spreads und Fremdkosten.
Wer sich nicht auf den Algorithmus verlassen will, kann die Handelsplatz-Wahl seit dem Update vom 01 Juli selbst treffen. Die Direktpreis-Order kostet 2 Euro und erlaubt die freie Auswahl unter den 30 Handelsplätzen, verfügbar für Market-, Limit- und Stop-Orders. Für ETF-Sparpläne ändert sich nichts, sie bleiben kostenlos, ebenso der Standardhandel über Bestpreis bei 1 Euro.
Damit hat der Broker zum ersten Mal ein gestaffeltes Gebührenmodell. Jahrelang war die Einheitlichkeit ein zentrales Verkaufsargument gewesen. Im Branchenvergleich bleiben 1 oder 2 Euro pro Trade dennoch günstig. Flatex beispielsweise verlangt für eine Xetra-Order bei 1.000 Euro Ordervolumen aktuell rund 8 Euro Gebühren.
Ein Detail der Ankündigung verdient besondere Aufmerksamkeit: Orders werden künftig gegen Trade Republic ausgeführt. Der Broker tritt bei diesen Orders selbst als Gegenpartei auf, hält die Position kurz im eigenen Buch und gibt sie dann weiter. Möglich wird das durch die MTF-Lizenz, die das Unternehmen im Januar 2026 von der BaFin erhalten hat.
Damit übernimmt Trade Republic erstmals selbst die Rolle der Gegenpartei. Daraus ergibt sich grundsätzlich die Frage, wie mögliche Interessenkonflikte vermieden werden. Das Unternehmen verweist hierfür auf den Bestpreis-Algorithmus sowie auf die Best-Execution-Pflichten, die für die Orderausführung ohnehin gelten. Mitgründer Christian Hecker sagte gegenüber dem Handelsblatt, der Algorithmus trage dadurch positiv zum Ergebnis des Unternehmens bei.
Zur Kompensation gibt es mehr Einblick als bisher. Das aggregierte Orderbuch zeigt Kauf- und Verkaufskurse aller angebundenen europäischen Referenzbörsen live in der App, kostenlos, für jeden Kunden einsehbar. Wer nachvollziehen will, ob die eigene Order zum besten Kurs lief, kann das Orderbuch direkt mit den Kursen einzelner Börsen vergleichen. Nach jeder Ausführung liefert Trade Republic zusätzlich ein Dokument, das die Preisfindung nachvollziehbar machen soll.
Parallel geht das Web-Terminal live, ein browserbasiertes Handelstool, kostenfrei, mit professionellem Charting, anpassbaren Workspaces, Aktien- und Derivate-Screenern, Portfolio-Analysen und Live-Marktdaten. Bislang war Trade Republic reine App-Sache. Jetzt kommt ein Werkzeug dazu, das sich an Kunden richtet, die mehr wollen als den monatlichen ETF-Sparplan. Es handelt sich dabei um Funktionen, die bei klassischen Online-Brokern seit Jahren zum Standard gehören, bei Neobrokern aber selten ohne Zusatzkosten verfügbar waren.

Trade republic app
Trade Republic ist nicht der erste Anbieter, der auf das PFOF-Verbot reagieren muss, aber der mit der größten Kundenbasis. Scalable Capital hatte seine eigene Handelsinfrastruktur, die European Investor Exchange an der Börse Hannover, bereits seit Dezember 2024 im Betrieb und die PFOF-Umstellung im März desselben Jahres abgeschlossen. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte gegenüber extraETF, genau diese technologische Integration sei die Grundlage für dauerhaft günstige Preise, für Anleger ändere sich durch das Verbot deshalb wenig.
justTRADE hat bislang keine kommunizierte Strategie für die Zeit nach dem PFOF-Verbot vorgelegt, das Geschäftsmodell des Anbieters basierte bislang fast vollständig auf PFOF-Rückvergütungen aus dem Handel mit Aktien, ETFs und Derivaten. Wer dort ein Depot führt, kann den Ausführungsplatz der letzten Orders prüfen, die Kommunikation des Brokers verfolgen und im Zweifel ein Zweitdepot bei einem Anbieter mit klarer Nachfolgestrategie eröffnen. Ein Blick in die eigenen Ausführungsdokumente aus den vergangenen Wochen kann dabei einen ersten Eindruck davon geben, wie ein Broker mit der neuen Rechtslage umgeht.
Wenn Routing und Preisaggregation über die Ausführungsqualität entscheiden, werden Kennzahlen wichtig, die bislang kaum ein Kunde kannte: Slippage, also die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungskurs, die Fill-Rate, mit der Orders vollständig ausgeführt werden, und die Zeit zwischen Orderaufgabe und Ausführung. Broker, die diese Werte nicht sauber messen und dokumentieren, laufen Gefahr, im Vergleich schlechter abzuschneiden, ohne dass Kunden den Grund dafür sehen.
N26 führt ab dem 2. September 2026 wieder eine Ordergebühr von 90 Cent für Aktien und ETFs ein, je nach Kontomodell mit monatlichen Freikontingenten. Kostenloser Wertpapierhandel als Kundenbindungsinstrument wird damit seltener, nicht nur bei Trade Republic.
Am Tag der Ankündigung verlor die Aktie von Lang & Schwarz zeitweise bis zu 13 Prozent, FlatexDegiro rund 4 Prozent. Wer bislang von der alten PFOF-Struktur profitiert hat, spürte die Neuausrichtung noch am selben Vormittag, während die eigentlichen Trade-Republic-Kunden in der App erst einmal nur zwei neue Buttons sahen.
Für die meisten von ihnen ändert sich im Alltag wenig. ETF-Sparer und Gelegenheitskäufer bleiben im Bestpreis-Modus bei 1 Euro pro Trade. Damit bleibt Trade Republic der Anbieter mit einem der günstigsten Angebote am deutschen Markt. Relevant wird die Direktpreis-Option für Kunden, die gezielt an einer bestimmten Börse handeln wollen, etwa wegen der Handelszeiten oder der Liquidität an einem bestimmten Platz. Für ETF-Sparpläne oder gelegentliche Einzelkäufe rechtfertigt sich der Aufpreis in der Regel nicht.
Mit über 10 Millionen Kunden in 18 europäischen Ländern und einem verwalteten Vermögen von mehr als 150 Milliarden Euro zählt Trade Republic zu den größten Anbietern im europäischen Retail-Brokerage. Der Umbau ist damit auch ein Signal an die Branche: Anbieter ohne eigene Handelsinfrastruktur werden nach dem PFOF-Verbot strukturell im Nachteil sein.
Nein. Sparpläne bleiben kostenlos, unabhängig vom Bestpreis- oder Direktpreis-Modell.
2 Euro pro Trade, zuzüglich Spreads. Dafür lässt sich der Handelsplatz aus 30 Börsen frei wählen, etwa Xetra oder die NYSE.
Der Broker verfügt nach eigenen Angaben seit Januar 2026 über eine eigene MTF-Lizenz. Damit kann er Orders gegen sein eigenes Buch ausführen, statt sie wie bisher überwiegend an die LS Exchange weiterzuleiten. Er bleibt dabei an die Best-Execution-Pflichten der MiFID-Regulierung gebunden.
Kunden können das aggregierte Orderbuch live in der App einsehen und mit einzelnen Börsen vergleichen. Eine unabhängige externe Evaluierung des Algorithmus liegt öffentlich bislang nicht vor.

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