

Der Auftritt von US-Präsident Trump am 2. April war mit Spannung erwartet worden. Analysten, Ökonomen und Anleger warteten darauf, was Donald Trump zum „Liberation Day“ verkünden würde. Einigen Zuhörern dürfte während der Live-Übertragung aus dem Weißen Haus schlecht geworden sein.
Für Importe soll ein pauschaler Zoll von 10 Prozent gelten. Heißt: Jeder Apfel aus Mexiko, jeder Stahlbarren aus Kanada und jeder Reifen aus Europa verteuern sich automatisch beim Grenzübertritt in die USA um 10 Prozent.
Damit nicht genug: Die Trump-Administration möchte die in ihren Augen „schlimmsten Übeltäter“ (gemeint sind Volkswirtschaften, gegenüber denen ein hohes Aushandelsdefizit existiert) noch weiter bestrafen. Importe aus der EU werden mit 20 Prozent belastet. In der Spitze verhängen die USA – unter anderem für:
zwischen 41 Prozent und 50 Prozent. Angesichts dieses Zoll-Hammers war vorauszusehen, dass die Märkte am Donnerstag durch die Bank weg ins Minus drehen.

💡 Die Trump-Zölle sorgen für Aufruhr an der Börse/ Shutterstock/Potashev Aleksandr
Wahrscheinlich hat Donald Trump genau deshalb den Zeitpunkt seiner Ankündigung so gewählt – damit er nicht direkt seine Quittung der Märkte für die Ankündigung bekommt. Nach den Ankündigungen im Rosengarten des Weißen Hauses gaben die Märkte im nachbörslichen Handel deutlich nach.
Die neuen US-Zölle werden erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Experten rechnen damit, dass unter dem Eindruck der hohen Preise Exporte zurückgehen. Besonders für den bereits heftig gebeutelten Automobilbereich wird von Branchenexperten auch damit gerechnet, dass nicht nur der Absatz sinkt, sondern auch Stellen abgebaut werden. Produktionskürzungen und Arbeitsplatzverlust in Deutschland sind aber nur eine Seite der Medaille. Die Europäische Union hat Gegenmaßnahmen ausgearbeitet, mit denen die US-Wirtschaft getroffen werden soll. Dazu gehören nicht nur Gegenzölle. Auch Abgaben auf digitale Dienstleistungen oder sogar Marktzugangsbeschränkungen sind vorstellbar.
Kein Wunder, dass auch die Tech-Werte unter Druck geraten. Unternehmen wie Apple oder NVIDIA trifft es besonders hart. Die Produktionsstandorte der Branche befinden sich in Vietnam, Taiwan oder China und Südkorea – also Ländern, die mit mehr als 30 bis 40 Prozent Zollsatz belegt werden. Aus Anlegersicht stellt sich eine wichtige Frage: Wie lässt sich mit der neuen Zollpolitik umgehen?

▶️ Der Zoll-Hammer hat weltweite Auswirkungen/ Shutterstock/ungvar
Der Zoll-Hammer ist nicht nur für die Politik der sprichwörtliche Schlag in die „Magengrube“. Trump zielt mit den Zöllen auf Verbündete der USA. Für Anleger bedeutet die Zollpolitik, dass über eine dringende Überprüfung und Neuausrichtung des Portfolios nachzudenken ist. Wohin kann der Aktienkorb entwickelt werden?
Eine Option wäre eine Umschichtung in den Pharma- und Gesundheitsbereich. Dieser gilt einerseits gegenüber Krisen allgemein etwas robuster. Auf der anderen Seite deuten Hinweise an, dass der Pharmasektor von Zöllen ausgenommen ist. Damit werden die Aktien von Pharmaunternehmen interessant. Wichtig wäre hier, auf eine ausreichende Diversifikation zu achten – also auch Werte in Betracht zu ziehen, die nicht großflächig in die USA exportieren.
Ein weiterer Ansatz wäre die Umschichtung in Unternehmen, deren Kerngeschäft nur geringe oder keine engen Verbindungen in die USA hat. Aktienunternehmen, die den Großteil ihres Umsatzes in Europa oder Asien erzielen, könnten sich in den kommenden Monat als stabiler erweisen. Ein Beispiel sind Konsumgüterhersteller für den europäischen oder asiatischen Binnenmarkt. Mittel- bis langfristig kann eine Umschichtung in Aktien interessant sein, die von einer Neuausrichtung des Welthandels profitieren. Denn die Zölle sind ein Signal, dass sich der globale Handel von den USA emanzipieren muss.
Unter dem Eindruck der aktuellen Politik in Washington ist Europa sehr schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass es auf eigenen Füßen stehen muss – besonders im Hinblick auf Verteidigung, Aufklärung und Cybersicherheit. Deutschland plant hunderte Milliarden Euro für diese Herausforderung ein. Anleger sollten die Ausrichtung des Depots überdenken – und vielleicht Kapital in Richtung Verteidigungsaktien und Infrastruktur verschieben. Die Aufträge der öffentlichen Hand sind nicht direkt an die Konjunktur gekoppelt und können sich so als stabile Beimischung im Portfolio erweisen.
Trotz Befürchtungen, dass sich die Konjunktur abschwächt – kritische Mineralien und Rohstoffe werden immer gebraucht. Besonders im Zusammenhang mit der forcierten Rüstung. Insofern bietet es sich an, diesen Sektor genauer zu beobachten, um über die Nachfrage nach Seltenen Erden das Portfolio in den derzeit unruhigen Zeiten zu stabilisieren.
Am 2. April – dem „Liberation Day“ – hat Donald Trump die ganz große Zollkeule geschwungen. Bisher ist es bei den betroffenen Ländern bei einer Ankündigung von Gegenreaktionen geblieben. Allerdings können Anleger fest davon ausgehen, dass diese kommen werden. Wer sich fragt, wie es jetzt mit dem Depot weitergeht, ist auf der Suche nach Alternativen zu Tech- oder Autowerten, die unter die Räder gekommen sind. Wichtig ist, sich eher auf defensive Werte zu fokussieren. Aber auch die Beobachtung der Branchen, die von den Zöllen ausgenommen sind, kann sich auszahlen. Wie immer gilt auch hier die Devise: Ein breit aufgestelltes Depot kommt mit Krisen einfach besser zurecht.

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