

Unternehmen wie Bayer oder Continental sind Beispiele dafür, dass Unternehmen eine schwere Krise erleben, sich aber durch Innovation und Kosteneffizienz wieder an die Spitze schieben können. Ein Szenario, aus dem sich ein besonderer Ansatz für die Kapitalanlage entwickeln lässt: Die Turnaround-Strategie.
Diese ist auf der einen Seite anspruchsvoll, bietet aber auch eine hohe Rendite, die schnell einem Vielfachen des ursprünglichen Investments entsprechen kann. Anleger müssen verstehen, dass es hier nicht um kurzfristige Rebounds oder technische Gegenbewegungen geht.
Turnaround-Aktien stehen für Unternehmen, die scheinbar am Boden liegen, aber immer noch das Potenzial für eine Umkehr haben – um sich wieder nach oben zu arbeiten und sowohl im Hinblick auf Wachstum als auch bei der Substanz an der Spitze zu rangieren. Die Herausforderung besteht darin, geeignete Kandidaten zu erkennen und das Turnaround-Potenzial auch zeitlich zu antizipieren.
Das Wichtigste im Überblick:
Als Turnaround-Aktie wird ein Wertpapier beschrieben, das sich in einer Krise befindet – die von rückläufigen Gewinnen und niedrigen Bewertungen gekennzeichnet ist. Der Begriff selbst wird mit Peter Lynch in Verbindung gebracht. Auslöser der Krise können:
sein. Die Kurse fallen in der Folge sehr stark und liegen unter den historischen Werten. Ein zentrales Element zur Unterscheidung zu anderen Korrekturphasen ist die fehlende Korrelation zum Marktgeschehen – sprich der wirtschaftliche Einbruch ereignet sich unabhängig von Makrozyklen des Sektors bzw. der Branche oder ist wesentlich stärker. Damit kann die Turnaround-Phase auch vom charttechnischen Rebound abgegrenzt werden.

Einige Anleger nutzen den Verlauf von Turnaround-Aktien für ihr Trading (Foto: Shutterstock/ PeopleImages)
Das Wichtigste im Überblick:
Was Turnaround-Aktien aus Anlegersicht interessant macht, ist das Renditepotenzial dieser Anlageklasse. Schafft ein Unternehmen durch die Restrukturierung tatsächlich einen echten Trendwechsel und lässt sich das richtige Opportunitätsfenster identifizieren, sind Renditen von 100 bis 200 Prozent durchaus realistisch.
Beispiel Continental: Ende Juli 2007 notierte die Aktie (ISIN: DE0005439004) um die 75 Euro, stürzte aber bis ins Frühjahr 2009 auf unter 10 Euro Aktienwert ab. Auslöser waren unter anderem die Verschuldung und ein missglückter Übernahmeversuch. Im März 2015 notierte das Wertpapier wieder deutlich höher – und lag zeitweise bei über 170 Euro je Anteilsschein.
Das Wichtigste im Überblick:
Turnaround-Aktien scheinen eine hohe Rendite zu versprechen, drohen aber auch zu einem Risiko zu werden. Wirkt der Einstieg billig, kann es schnell noch weiter nach unten gehen. Das zentrale Risiko besteht darin, dass viele Turnaround-Kandidaten den Kurswechsel nicht schaffen. Gründe können sein:
Eine reale Gefahr ist die Value Trap: Eine Aktie wirkt günstig, sieht sich aber einer tiefen Restrukturierung mit massivem Kapitalverlust gegenüber, der nicht zu stemmen ist. Oder der Umbauprozess trifft auf ungünstige Bedingungen, wie einen schrumpfenden Markt, der die Fortführung substanziell bedroht.
Zudem besteht bei Turnaround-Aktien das Risiko einer hohen Volatilität, da auf Quartalsnachrichten oder Analystenmeinungen sehr sensibel reagiert wird. Anleger brauchen ein klares Risikomanagement, um Verluste zu steuern – zum Beispiel durch den konsequenten Einsatz von Stop-Loss-Orders, einer umfassenden Prüfung der Fundamentaldaten und dem Einstieg nur bei einer Bestätigung der Bodenbildung.
Turnaround-Aktien können als Strategie in verschiedenen Szenarien eingesetzt werden. Eine Option: Branchenweite Krisen mit einer selektiven Erholung. Dies kann zum Beispiel Energieunternehmen treffen – beispielsweise als Reaktion auf die Iran-USA-Krise oder die Automobilindustrie durch eine Absatzkrise.
Innerhalb dieser Sektoren gibt es Unternehmen, die strukturell besser aufgestellt sind und sich schneller erholen. Wer als Anleger diese Aktien frühzeitig identifiziert und differenziert investiert, profitiert vom nachfolgenden Momentum.
Eine weitere Option ist das operative Versagen: Im Unternehmen werden Fehler gemacht, wie Übernahmen, die fehlschlagen oder es kommt zu Managementversagen. Anleger müssen identifizieren, ob sich diese Fehler beheben lassen. Legt das neue Management den richtigen Hebel um, kann eine solche Situation zu einem attraktiven Einstiegsfenster werden.

Das Handeln mit Turnaround-Aktien hat ein großes Risiko (Foto: Shutterstock/ Anton Pentegov)
In der Vergangenheit sind am Aktienmarkt regelmäßig Unternehmen zu erkennen gewesen, die durch Fehler in Geschäftsentscheidungen in die Krise gerutscht sind. Märkte strafen so etwas ab, bewerten Erfolge in der Restrukturierung aber positiv. Um als Anleger Turnaround-Aktien zu handeln, braucht es Einblicke in die Markt- und Fundamentaldaten – was an die Broker hohe Ansprüche stellt.
XTB ist einer jener Anbieter, der auf verschiedenen Ebenen überzeugt. Die Auswahl beim Handelsangebot bietet neben Indizes und ETFs auch den direkten Einstieg in den Aktienhandel – und den Kauf von Turnaround-Aktien. Parallel ist im XTB Brokertest ein Fokus auf digitales Trading über die App und den Webtrader zu erkennen. Die Plattform bietet einen Überblick zu den Märkten und erlaubt ein zuverlässiges Portfoliomanagement – für Börsenneulinge und erfahrene Trader.
Eine Rendite von mehreren hundert Prozent – davon träumt wahrscheinlich jeder Anleger. Mit Blue Chips sind solche Erträge kaum zu erwirtschaften. Turnaround-Aktien können durchaus um den Faktor zwei bis drei steigen. Vorher haben sie aber eine erhebliche Korrektur im Börsenwert erfahren. Genau hierin liegt eine zentrale Herausforderung: Das Erkennen potenziell attraktiver Assets und deren Unterscheidung von Kandidaten, die zum Value Trap werden.
Aus Anlegersicht darf die Renditeerwartung daher nicht den Blick auf das Risiko verstellen. Eine hohe Volatilität und die Möglichkeit, dass das Unternehmen den Kurswechsel nicht schafft, sind als Gefahr für das Depot einzukalkulieren. Es braucht, um die Turnaround-Strategie umzusetzen, einen Blick auf die Fundamentaldaten und den Markt, um ein solides Opportunitätsfenster für den Einstieg sicher zu erkennen.
Der klassische Verlauf umfasst bei Turnaround-Aktien meist vier Phasen: Krise mit Verlusten und Kursabsturz, Bodenbildung mit sich verlangsamender Abwärtsdynamik, charttechnische Umkehr mit steigendem Volumen sowie der fundamentale Aufwärtstrend. Ein typischer Entry liegt für Anleger zwischen Phase drei und vier. Um die Performance optimal auszureizen, wäre der Übergang von der Bodenbildung in den langsamen Aufwärtstrend ideal.
Neben der Volatilität und Marktunsicherheiten ist eine besondere Herausforderung der Aspekt Zeit. Die Spanne für operative Turnarounds liegt schnell bei sechs bis zwölf Monaten – bevor klar erkennbare Kurstrends erkennbar sind. Strukturelle Restrukturierungen erstrecken sich schnell über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren.
Der Unterschied ist vor allem in den Fundamentaldaten zu sehen. Sowohl die Value- als auch die Turnaround-Aktie ist häufig unterbewertet. Allerdings sind Value-Assets an stabilen betrieblichen Ergebnissen zu erkennen. Eine Turnaround-Aktie zeigt sich dagegen in den fundamentalen Daten unter anderem durch einen Rückgang der Gewinne und/oder Zunahme der Schulden, was auf ein anderes Risikoprofil hindeutet.

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