

Laufen Kurse sehr stark in eine Richtung, stellt sich irgendwann eine Frage: Wann kommt es zum Trendwechsel? Beim Handel mit Aktien, Trades am Devisenmarkt oder dem Ausnutzen von Chancen durch Rohstofftrends ist Timing essentiell. Häufig findet an den Märkten eine Umkehr in überkauften bzw. überverkauften Phasen statt. Diese Situation ist durch eine Verschiebung der Balance auf der Angebots- und Nachfrageseite gekennzeichnet. Hintergrund: Überkauft ist ein Markt, wenn die Nachfrage sehr hoch ist und der reale Wert eines Assets diese Entwicklung nicht mehr stützt.
Es kommt letztlich zu einer Überbewertung des Kurspotenzials, die bei einem weiteren Anheizen der Kurse zu einer Spekulationsblase zu werden droht. Ob sich ein Sektor oder ein Wert in dieser Phase befindet, lässt sich anhand verschiedener Indikatoren ermitteln, die erfahrene Anleger nutzen, um das Portfolio entsprechend auszurichten – und sich auf die Korrektur vorzubereiten.
Das Wichtigste im Überblick:
Beide Begriffe werden an den Finanzmärkten regelmäßig benutzt und sind damit vielen Anlegern geläufig. Um in dieser Phase richtig zu reagieren, ist ein klares Verständnis der „Mechanik“ dahinter essenziell.
Überkaufte und überverkaufte Phasen etablieren sich auf mehreren Ebenen. Es geht einerseits um den Aspekt der Bewertung eines Assets oder Sektors, auf der anderen Seite um das Nachfrage-Angebots-Verhältnis.
Was nicht passieren darf: Vom überkauften oder überverkauften Markt automatisch auf eine Kursrichtung schließen. Treffen Anleger auf ein überverkauftes Szenario, etabliert sich nicht zwangsläufig sofort ein Markt mit steigenden Kurstrends.
Dass sich über Wochen oder sogar Monate ein stabiles Szenario etabliert, bestätigen historische Kurse. Ein börsengehandelter Wert kann über einen längeren Zeitraum in diesem Bereich verharren, solange Signale fehlen, die eine Gegenbewegung auslösen. Aber: Stimmen die Rahmenbedingungen, bereitet der überkaufte oder überverkaufte Markt eine starke Korrekturbewegung vor.

Trader sollten nicht bei einem überkauften oder überverkauften Markt automatisch von einer Kursrichtung ausgehen (Shutterstock/ FabrikaSimf)
Ein überkaufter Markt beschreibt eine Phase, in welcher der Kurs eines Wertpapiers, eines Index oder eines anderen Handelsinstruments in kurzer Zeit sehr stark gestiegen ist (diese Entwicklung kann durch den fundamentalen Wert nicht mehr gedeckt sein, was gleichzeitig zu einer Überbewertung führt). Es haben so viele Marktteilnehmer eine Exposure aufgebaut, sodass kaum noch neue Käufer nachfolgen können – womit der Verkaufsdruck steigt.
Zu erkennen ist ein solcher Markt durch eine zunehmend flacher werdende Preiskurve, die in eine seitwärts gerichtete Phase übergehen kann. Dies macht wiederum eine Korrektur wahrscheinlicher, die aber nicht zwangsläufig sofort eintreten muss.
Ein überverkaufter Markt ist das genaue Gegenteil: Der Kurs ist in kurzer Zeit so stark gefallen, dass die Abwärtsbewegung als übertrieben gilt. Dabei spielt es keine Rolle, was den starken Trend ausgelöst hat (Panik, Zwangsliquidierungen aus geschlossenen Hebelpositionen oder negative Nachrichten), sind keine Verkäufer mehr übrig.
Im Rahmen der Bewertung bedeutet diese Situation: Der Markt wird günstiger bewertet als eigentlich basierend auf den Fundamentaldaten anzunehmen wäre. Was in diesen Momenten in der Vergangenheit immer wieder der Fall war, ist ein Erkennen der Unterbewertung – die Nachfrage steigt und damit auch der Kurs. Je nach den Rahmenbedingungen kann diese Situation längere Zeit anhalten, bevor sich wieder ein spürbarer Trend entwickelt.
Das Wichtigste im Überblick:
Das vorherrschende Marktsentiment lässt sich einerseits über den Verlauf der Kurse als auch in Verbindung mit diversen Indikatoren bestimmen, die aus den Charts unterschiedliche Parameter herauslesen.
Der RSI wurde von J. Welles Wilder entwickelt und misst die relative Stärke von Auf- und Abwärtsbewegungen auf einer Skala von 0 bis 100. Werte über 70 gelten als überkauft, Werte unter 30 als überverkauft. Im Wochen-Chart des DAX war dieses Prinzip zuletzt im Sommer 2023 gut zu beobachten: Nachdem der Index in kurzer Zeit von unter 15.000 auf über 16.400 Punkte gestiegen war, notierte der RSI in einem längeren Zeithorizont über der 70er Marke. Die anschließende Korrektur führte den Index zurück unter 15.000 Punkte.
Dieser vergleicht den aktuellen Schlusskurs mit der Handelsspanne eines definierten Zeitraums und schlägt tendenziell früher an als der RSI. Trader nutzen das Tool in eher seitwärts laufenden Märkten. Der Bereich für überkaufte Phasen liegt bei über 80, für überverkauft bei unter 20. Allerdings hat der Oszillator in starken Trends die Tendenz, an Zuverlässigkeit zu verlieren.
Der MACD ist kein klassischer Marktphasen-Indikator, liefert aber wertvolle Zusatzinformationen über die Dynamik und Divergenzen. Eine bärische Divergenz kann ein Warnsignal in überkauften Märkten.
Der Indikator besteht aus einem gleitenden Durchschnitt und zwei Standardabweichungs-Bändern. Läuft der Kurs dauerhaft am oberen Band entlang oder kann es mehrfach durchbrechen, deutet dies auf eine überhitzte Aufwärtsbewegung hin. Im unteren Bereich gilt das Ganze spiegelbildlich. Besonders aussagekräftig ist das Bollinger Band Squeeze – die Bänder laufen stark zusammen, es folgt häufig eine Ausbruchsbewegung.

Indikatoren helfen überkaufte und überverkaufte Märkte zu erkennen (Foto: Shutterstock/ PaeGAG)
Das Wichtigste im Überblick:
Aus der Kombination dieser Indikatoren haben sich unter Tradern mehrere Standardstrategien entwickelt, die heute in professionellen wie privaten Handelssystemen eingesetzt werden.
Der RSI über 70 signalisiert einen überkauften, unter 30 einen überverkauften Markt. Dieses Signal nutzen Anleger, um das Portfolio umzuschichten. Bei einem RSI-Crossover über die 70er-Marke wird das entsprechende Asset am Markt platziert, die Position also aufgelöst. Bei einem Unterschreiten der 30er-Marke kann eine Position eröffnet werden – in Erwartung der jeweiligen Umkehrbewegung.
Dieser Ansatz nutzt einen Indikator wie den RSI oder MACD und setzt diesen ins Verhältnis zum Kurs eines Wertpapiers. Laufen beide auseinander (es entsteht eine Divergenz), deutet sich eine Erschöpfung des Trends an. Wird der RSI verwendet, ist zu berücksichtigen, dass ein Wert zwischen 30 und 70 eher als schwaches Signal gilt. In welche Richtung sich Anleger mit dem Divergenz-Trading positionieren, hängt von der Beziehung zwischen Indikator und Kurs ab. Liegt dieser unter dem Indikator, wäre die Formation als bullisches Signal zu deuten.
Viele erfahrene Trader verlassen sich nicht allein auf Preisindikatoren, sondern analysieren zusätzlich das Handelsvolumen. Steigen Kurse in überkaufte Zonen bei gleichzeitig abnehmendem Volumen, entsteht ein Warnsignal. Die Dynamik nimmt bereits ab, obwohl der Preis nach wie vor nach oben tendiert. Das Volumen liefert Anlegern darüber hinaus eine weitere wichtig Information: Steigt auf dem überverkauften Niveau das Volumen immer noch an, impliziert die Bewegung reale Nachfrage, eine schnelle Korrektur wird eher unwahrscheinlich.

Handelsentscheidungen bei überkauften und überverkauften Märkten sollten auf einer Auswahl von mehreren Parametern beruhen (Foto: Shutterstock/ voronaman)
Marktphasen zu erkennen und aus den Kursen die Bewegungen richtig zu antizipieren ist auch für erfahrene Anleger eine Herausforderung. Börsenneulinge können mit ETFs auf eine Anlageklasse setzen, die Spielraum für den Einstieg in verschiedene Branchen bietet – und diesen mit einer internen Streuung verbindet. Bitpanda gehört zu den Brokern, bei denen nicht nur die Anmeldung komfortabel abläuft, Anleger erleben hier eine leicht bedienbare Plattform und ein Handelsangebot, das ETFs einschließt.
Wer Bitpanda als Broker ausprobiert, nutzt verschiedene Tools und Werkzeuge, um Kurse zu analysieren und Marktphasen zu identifizieren, in denen sich das Trading lohnt. Dank einer breiten Auswahl verschiedener Handelsinstrumente bauen Trader beim Broker individuelle Strategien – die sich über die App auch im mobilen Trading einsetzen lassen.
Auf jedes Hoch folgt an den Märkten immer ein Tief – was trivial klingt, ist für Anleger durchaus von zentraler Bedeutung. Im Bereich der jeweiligen Hoch- und Tiefpunkte bilden sich Marktphasen aus, in denen Nachfrage, Angebot und Handelsvolumen ein besonderes Setting entstehen lassen. Überkaufte und überverkaufte Märkte sind für Trader oft ein Signal für anstehende Trendwechsel.
Damit entstehen hier Zonen, die für Einstiege in den Markt bzw. das Glattstellen von Positionen interessant sind. Anleger nutzen Indikatoren in Kombination mit den Kurstrends, um entsprechende Signale zu identifizieren. Wer auf RSI, MACD oder den Oszillator kombiniert, erfährt viel über die möglichen Trends – bevor sich diese im Chart abzeichnen.
Die Begriffe wirken ähnlich, beschreiben aber verschiedene Konzepte. Überkauft ist ein Begriff aus der technischen Analyse, der aber keine Aussage enthält, ob ein Unternehmen fundamental zu teuer ist. Überbewertet ist ein Begriff aus der Fundamentaldatenanalyse. Er beschreibt, inwiefern der Kurs – gemessen an Kennzahlen wie KGV, KBV oder dem Discounted-Cashflow-Modell – über dem fairen Wert liegt.
Eine pauschale Antwort gibt es eigentlich nicht, da hier Aspekte wie die Risikoorientierung des Anlegers eine Rolle spielen. Ein etablierter Ansatz orientiert sich an der nächsten relevanten Unterstützungszone oder dem letzten Tief. Wie eng Anleger den Stop-Loss setzen, hängt von der Volatilität, dem Zeitraum des Investments und der erwarteten Gegenbewegung ab. Ist der Stop-Loss zu eng, wird die Position zu früh liquidiert, eine zu weite Range erhöht das Verlustrisiko.
Überkaufte und überverkaufte Zustände treten grundsätzlich in allen liquiden Märkten auf, aber die Häufigkeit und Intensität variiert. Gerade bei den Kryptowährungen – also dem Bitcoin und Altcoins – sind diese Phasen immer wieder zu beobachten. Aber auch im Rohstoffsegment kann es immer wieder dazu kommen. Bei Aktien treten diese Effekte unter anderem für Werte mit hohem Momentum häufiger auf.

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