

Was sich gerade vor den Augen der Weltöffentlichkeit und Anleger abspielt, ist in der jüngeren Geschichte beispiellos. Um ein Zollniveau zu finden, wie es US-Präsident Trump vorschwebt, muss in der Geschichte um mehr als 100 Jahre zurückgegangen werden. Besonders intensiv ist die Auseinandersetzung zwischen den USA und China.
Am 2. April hat Donald Trump zu den bereits bestehenden Zöllen weitere Aufschläge für chinesische Produkte angekündigt – von noch einmal 34 Prozent. Die Antwort auf Peking hat erwartungsgemäß nicht besonders lange auf sich warten lassen. China hat mit ebenfalls 34 Prozent Zoll gekontert. Die Betonung liegt auf „hat“.
Inzwischen gelten für den Handel zwischen den USA und China schon wieder andere Regeln. Die US-Regierung erhöhte am Dienstag – nachdem Peking ein Ultimatum hat verstreichen lassen – den Zoll weiter. Inzwischen müssen Importeure, die Waren aus chinesischen Fabriken beziehen, saftige 125 Prozent Zollaufschlag verkraften.

💡 Für das iPhone drohen massive Preiserhöhungen/ Shutterstock/ Wongsakorn 2468
Analysten von Rosenblatt Securities haben für das iPhone von Apple beispielsweise Aufschläge von rund 43 Prozent beim Preis durch die Zölle berechnet – was einer massiven Teuerung entspricht.
| 📱 Produkt | 💵 Aktueller Preis (USD) | 💸 Preis nach Zöllen (USD) | 📈 Preisanstieg (USD) |
|---|---|---|---|
| Phone 16e | 599 | 856 | +257 |
| iPhone 16 | 799 | 1.142 | +343 |
| iPhone 16 Pro Max | 1.599 | 2.300 | +701 |
Die Beispielrechnung für das iPhone von Apple unterstreicht, was US-Verbraucher erwarten könnte. Es wird sich nicht mehr jeder Apple-Fan ein neues Smartphone zulegen, wenn die Preise in den Bereich um 2.000 USD nach oben klettern.
China zeigt sich davon allerdings unbeeindruckt. Peking betont Gesprächsbereitschaft, hat am 9. April aber ebenfalls an der Zollschraube gedreht. Einfuhren aus den USA werden in Zukunft mit 84 Prozent belastet. Agrarprodukte aus den USA macht der Grenzübertritt damit fast doppelt so teuer. Unter dem Zollstreit leiden aber nicht nur Importe aus den USA. Die Spannungen auf politischer Ebene machen sich auch beim Absatz von Unternehmen bemerkbar, die in China bzw. Asien produzieren – aber als amerikanische Marken wahrgenommen werden – wie Tesla.
Über Jahre galt Tesla als der Vorreiter, wenn es um Elektromobilität geht. Mit dem Model 3 und dem Model S hat das Unternehmen E-Autos maßgeblich mit vorangetrieben. Die Verkaufszahlen gaben Elon Musk recht. Allerdings befindet sich der Autohersteller schon seit einiger Zeit in der Krise. Anfangs nur von Branchenexperten wahrgenommen, wurden die Probleme zuletzt offensichtlicher. Die aggressive Politik der USA befeuert diesen Trend noch weiter.
Wie heftig der Gegenwind inzwischen ist, zeigen die Verkaufszahlen von Tesla in den letzten Monaten. Während für die Konkurrenz der Absatz zulegt, sind die Verkäufe von Tesla eingebrochen. Selbst in China, das als Markt für Tesla besonders wichtig ist, fällt das Unternehmen hinter seine Konkurrenten zurück.

💡 Der Zollstreit zwischen USA und China eskaliert/ Shutterstock/ Bigc Studio
Welche Ursachen lassen sich für die starke Abkühlung ausmachen? Zumal der EV-Markt in China einen starken Aufwärtstrend erlebt – mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Verantwortlich sind verschiedene Auslöser. Ein Punkt: Bei Tesla ist die Modellauswahl in die Jahre gekommen. Mit Ausnahme des Cybertrucks (der in vielen Ländern keine Zulassung hat) und dem Facelift des Model Y fehlt es an einer Auswahl, die mit den aktuellen Entwicklungen und Modellen der Konkurrenz mithalten kann.
Wie groß der Abstand inzwischen geworden ist, unterstreicht der BYD YangWang U9 mit einem ungewöhnlichen Design und moderner Federungstechnologie. Es sind aber nicht nur Innovationsdefizite, die Tesla global und in China unter Druck setzen. Das Verhalten von Elon Musk hat das Image der Marke massiv beschädigt.
Verschiedene Umfrage sehen die Marke Tesla nicht nur in den USA unter Druck. Besonders auf dem europäischen Markt (aber auch in China) wird die ablehnende Haltung größer. Eine Entwicklung, die nicht nur den Neuwagenmarkt, sondern auch den Gebrauchtwagenmarkt bremst. Hinzu kommen jetzt noch die aggressiven Zölle. Gerade die Verbindungen von Musk zur US-Administration werden Tesla kurzfristig wahrscheinlich auch weiterhin belasten – selbst, wenn sich zwischen Trump und Musk durch die aggressive Handelspolitik erste Risse zeigen.
Tesla steht vor Herausforderungen – an gleich mehreren Fronten. Der massive Imageverlust drückt auf den Absatz. Gleichzeitig erhöht die Konkurrenz mit jedem neuen EV-Modell den Druck hinsichtlich der Innovationsfähigkeit auf die Marke. Hinzu kommt, dass der Cybertruck (den Tesla als das Auto für die Apokalypse präsentiert hat) hinter den Erwartungen zurückbleibt. Es ist auf lange Sicht nicht zu erkennen, dass der Cybertruck einen globalen Launch erlebt.
Gleichzeitig sind in den letzten Wochen Qualitätsmängel aufgetreten – unter anderem im Zusammenhang mit Teilen der Verkleidung, die sich lösen. Hintergrund: Für einen Teil der Außenverkleidung wurde Kleber verwendet, der in seiner Wirkung unter Umwelteinflüssen nachlassen kann, was zum Risiko loser Metallteile führt. In den USA gibt es für den Cybertruck daher eine Rückrufaktion.

▶️ Der Druck auf Tesla wächst/ Shutterstock/ Bigc Studio
Tesla hat im Segment der Elektromobilität lange den Ton angegeben und der Konkurrenz gezeigt, dass vollelektrisches Fahren realisierbar ist. Allerdings mehren sich inzwischen Anzeichen für einen zunehmenden Druck auf den (ehemaligen) Branchenprimus. Statt in die Modellpflege zu investieren und neue Modelle zu entwickeln, hat die Marke mit der Entwicklung des Cybertrucks eine eher fragwürdige Entscheidung getroffen.
Wirklich massiven Schaden löst das Auftreten von Elon Musk aus. Tesla hat dank seines CEOs einen schweren Imageverlust erlitten und wird zur Projektionsfläche für die Verärgerung der Verbraucher. Der Zollkrieg zwischen China und den USA hat das Zeug, zusätzlich massive wirtschaftliche Schwierigkeiten auszulösen und substanzielle Probleme zu verschärfen.

Zum Anbieter
*



Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.