

Der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU hat in den letzten Monaten deutlich an Fahrt aufgenommen und kann sich zu einem Handelskrieg ausweiten – mit massiven Auswirkungen auf Lieferketten und die Industrieproduktion in beiden Ländern. Auslöser sind die Importzölle der USA auf europäische Produkte.
US-Präsident Trump hat am 12. März 2025 damit begonnen, an der Zollschraube zu drehen – mit den Zöllen auf Stahl und Aluminium in Höhe von 25 Prozent. Am 3. April folgte der nächste Zollschock: Die Verhängung von Importzöllen auf Autos und Autoteile. Maßnahmen, die bei vielen Ökonomen Kopfschütteln ausgelöst haben.
Mit den reziproken Zöllen, die Trump am 2. April verkündete, sorgten die USA dafür, dass die Vereinigten Staaten zu einem Zoll-Hammer griffen. 10 Prozent Basiszoll auf Import und 20 Prozent Zusatzzoll auf Einfuhren aus der Europäischen Union. Letzteren hat der US-Präsident mittlerweile für 90 Tage ausgesetzt – um Verhandlungen zu erleichtern.

▶️ Die USA baut auch den Handelskonflikt mit der EU weiter aus/ Shutterstock/ rawf8
Zölle, die derzeit für Waren aus der EU gelten:
Mit der Zollpolitik sorgen die USA für massive Unruhe in der Industrie und an den Märkten. DAX, Dow Jones oder der S&P 500 drehten als Reaktion auf die Handelsbeschränkungen massiv ins Minus. Auch wenn Donald Trump mit seiner Zollpause anscheinend Gesprächsbereitschaft signalisiert – vom Tisch sind die Zölle für die EU noch lange nicht.
Aus dem Weißen Haus wurde die Idee kolportiert, auch auf Halbleiter oder Arzneimittel Branchenzölle zu erheben. Damit würde Washington die Wirtschaft weiter massiv unter Druck setzen. Zölle auf Pharmaprodukte wären zudem ein Schritt, den auch Anleger umfassend zu spüren bekommen würden.
Gegenüber Europa scheint US-Präsident Trump vorerst abzurüsten. Ob es sich wirklich nur um eine kurze Atempause handelt oder sich daraus die Basis einer substanziellen Verhandlungslösung ergibt, bleibt abzuwarten. Wer in jedem Fall aktuell zu den Leidtragenden gehört, sind die Stahl- und Autoindustrie.
Zwischen China und den USA eskaliert der Zollstreit allerdings weiter. Eine Entwicklung, die sich auch auf die EU auswirkt. Nachdem Washington die ersten Zölle verhängt hat, kündigte Peking an, nicht einfach einzuknicken – und reagierte auf die Zollschritte der USA. Das Ergebnis ist eine Eskalationsspirale. Von 34 Prozent reziproker Zoll stiegen die Importzölle auf chinesische Waren innerhalb weniger Tage auf 145 Prozent. China schlägt auf Waren aus den USA 125 Prozent auf. Xi Jinping erwägt auch noch andere Maßnahmen, wie Exporteinschränkungen von Seltenen Erden in die USA oder eine Attacke auf Hollywood. Warum ist die Situation zwischen China und den USA für Anleger so wichtig?

💡 Der Streit der USA mit China eskaliert weiter/ Shutterstock/ rawf8
Die Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Rest der Welt hat eine Atempause eingelegt und an den Aktienmärkten vorerst für etwas Beruhigung gesorgt. Aber: Der Anleihemarkt steht nach wie vor unter Druck. Hier sind die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen zuletzt sehr stark gestiegen, was auf eine negative Wertentwicklung hindeutet.
In der Praxis ist der Bondmarkt aus zwei Gründen wichtig: Einerseits ist er in Zeiten der Krise für viele Anleger der sichere Hafen, in den sich gern zurückgezogen wird. Auf der anderen Seite bedienen sich die USA des Bondmarkts, um ihre Schulden zu refinanzieren. Mit einem starken Dollar, dessen Position als Leitwährung und dem Vertrauen der Anleger, dass Washington der damit verbundenen Verantwortung auch gerecht wird, haben die Staatsanleihen immer Käufer gefunden.
Mit der massiven Unsicherheit im Markt, einem Dollar, der abwertet, und dem Vertrauensverlust muss Washington am Ende damit rechnen, für neue Bonds Käufer nur noch zu finden, wenn die Zinsen steigen. China könnte sogar so weit gehen und aus den Anleihen aussteigen, was in den USA für massiven Druck sorgen würde. In dem Umfeld erhöhter Unsicherheit und politisch motivierter Marktverzerrungen braucht es Strategien für den Portfolioschutz. Diese greifen ineinander und können dafür sorgen, dass Anleger ihr Depot durch die Krise steuern.
Um das Aktienportfolio krisenfester zu gestalten, braucht es eine umfassende Streuung. Gezielte Engagements in Asien oder ausgewählten Schwellenländern sind eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom US-Aktienmarkt zu reduzieren. Staaten mit weniger starken außenpolitischen Abhängigkeiten, wie zum Beispiel Indien, Indonesien, Brasilien bieten Perspektiven. Zudem bietet sich der Asien-Pazifik-Raum mit Taiwan oder Südkorea als defensive Allokation an. Ebenfalls nicht außer Acht sollten europäische Werte gelassen werden. Polen oder Griechenland und das Baltikum können als Beimischung in ein breit diversifiziertes Portfolio von Interessen sein.
Ein wichtiger Bestandteil robuster Portfolios ist das Investment in defensive Wirtschaftssektoren. Dazu gehören unter anderem die Versorger (Energie, Kommunikation) oder das Gesundheitswesen. Aber auch zollresistente Branchen, wie Cloud-Dienste und Cybersecurity spielen eine Rolle, wenn es um den Aufbau eines Portfolios geht, das sicher durch den Zollstreit navigiert.
Der Zollstreit und die Verwerfungen am Markt bieten Anlegern auch Chancen – um das Portfolio günstig aufzustocken. Um sich bietende Möglichkeiten zu nutzen, braucht es eine Liquiditätsreserve zwischen 15 und 20 Prozent, um an den Märkten antizyklisch zu agieren.
Ein weiterer Aspekt besteht darin, das Portfolio zu hedgen. Dazu bieten sich erfahrenen Anlegern unter anderem Put-Optionen oder VIX-basierte Methoden an. Diese setzen allerdings ein umfassendes Marktverständnis voraus.
Die Kapitalmärkte erleben aktuell sehr turbulente Phasen. Ausgelöst durch den Zollstreit der USA mit Handelspartnern und erklärten Feinden, haben die Aktienmärkte massive Verluste zu verkraften. Zusätzlich geraten durch die Unsicherheit inzwischen auch die Anleihemärkte unter Druck.
Anleger müssen nach Strategien suchen, um das Portfolio robust aufzustellen. Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU ist kein temporäres Phänomen. Vielmehr deutet sich ein Strukturwandel in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen an – mit erheblichen Konsequenzen für Kapitalmärkte, Zinsen und die Stabilität von Währungen. Wichtig ist, die eigene Strategie regelmäßig zu überprüfen – denn eines ist sicher: Wachsamkeit ist der beste Risikoschutz.

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