

Nvidia hat im ersten Quartal 2026 mehr Umsatz gemacht als die beiden Autobauer BMW und Mercedes zusammen in einem ganzen Jahr. Das Geld kommt nicht von ungefähr, sondern von den größten Playern im KI-Geschäft: Amazon, Google, Meta und Microsoft bauen ihre Rechenzentren mit einer Geschwindigkeit aus, die selbst Experten überrascht. Wer von diesem Ausbau profitiert und wo die Risiken liegen, zeigt dieser Artikel.
Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft haben für 2026 Kapitalausgaben zwischen 660 und 690 Milliarden Euro angekündigt. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Niederlande. Ein Großteil davon fließt in Rechenzentren, Kühlsysteme, Glasfaser und die Hardware, die darin verbaut wird.
Das Tempo hat einen konkreten Grund: KI-Modelle brauchen enorme Rechenleistung, und zwar nicht nur beim Training, sondern auch bei jeder einzelnen Nutzeranfrage. Je mehr Menschen also im Alltag ChatGPT und Co anwenden, desto mehr physische Kapazität wird gebraucht. Diese Kapazität muss in gleicher Geschwindigkeit entstehen. Und dieser Ausbau verursacht immense Kosten.
Ein weiterer, oft übersehener Faktor dabei ist Energie. Ein modernes KI-Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt. Microsoft hat deshalb zuletzt Verträge mit Kernkraftwerken geschlossen, Meta baut eigene Solarparks und Amazon kauft massiv Windkraftkapazitäten auf. Der Ausbau der KI-Infrastruktur ist gleichzeitig ein riesiges Energieprojekt, was automatisch auch Netzbetreiber und Energieversorger zu indirekten Profiteuren macht.
Für Anleger ist das eine ungewöhnliche Ausgangslage. Der Boom lässt sich an Bauaufträgen, Lieferketten und Quartalszahlen ablesen. Wer die Hardware liefert, die dabei verbaut wird, hat vorerst ein gesichertes Geschäft. Die entscheidende Frage ist auch nicht, ob gebaut wird, sondern wer die Infrastruktur bereitstellt. Die Frage die sich Anleger also stellen sollten ist, wer ganz konkret daran verdient.

Anleger haben derzeit ihren Fokus auf der KI-Infrastruktur (Foto: Shutterstock/ DC Studio)
Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Ende April 2026) meldete Nvidia 81,6 Milliarden Dollar Umsatz, 85 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nur allein das Rechenzentrumsgeschäft brachte davon 75,8 Milliarden Dollar ein. Und für das zweite Quartal hat das Unternehmen eine Prognose von 91 Milliarden Dollar abgegeben.
Gleichzeitig hat Nvidia ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar aufgelegt. Das gibt der Aktie eine zusätzliche Stütze. Weniger Aktien im Umlauf bedeutet ein rechnerisch verbessertes Ergebnis je Aktie. Das Signal des Managements: Die Einnahmen werden als nachhaltig eingeschätzt.
Das Problem liegt woanders. Die Aktie notiert mit rund dem 35-fachen des operativen Gewinns. Das ist kein schlechtes Zeichen für ein Wachstumsunternehmen, aber es bedeutet: Jede kleinere Enttäuschung trifft hart und die Ansprüche der Analysten sind enorm. Seit Jahresbeginn hat Nvidia rund 20 Prozent zugelegt, wodurch Experten zufolge ein Teil des erwarteten Wachstums damit bereits eingepreist sein dürfte.
Relevant für die Bewertung eines Unternehmens bzw. einer Aktie ist auch das Zinsumfeld. Hochbewertete Wachstumsaktien reagieren empfindlich auf steigende Zinsen. Solange die Fed die Zinsen stabil hält oder senkt, ist das kein akutes Problem für Nvidia. Ändert sich die Zinserwartung aber schlagartig, kann das Kursniveau schnell unter Druck geraten, unabhängig von den operativen Zahlen.
Dazu kommt das China-Geschäft. Im laufenden Quartal liefert Nvidia keine Rechenzentrumsprodukte dorthin. Das ist keine temporäre Lieferverzögerung, sondern Folge von US-Exportkontrollen, die seit Monaten gelten. Im Vorjahreszeitraum war China noch ein relevanter Abnehmer. Dieser Umsatz fehlt jetzt, und wann er zurückkommt bleibt offen und ist von weiteren Gesprächen der USA mit China abhängig.
TSMC fertigt über 90 Prozent der leistungsfähigsten Chips der Welt. Nvidia lässt dort produzieren, AMD auch, Broadcom, Apple, Qualcomm ebenso. Das macht TSMC zu einem ungewöhnlichen Wert im Sektor: Die Firma profitiert davon, dass die Nachfrage nach KI-Chips steigt, ohne selbst im Wettbewerb um den besten Chip zu stehen.
Der ADR in New York legte seit Jahresbeginn 32 Prozent zu, mehr als Nvidia und Broadcom im gleichen Zeitraum. 32 von 33 Analysten empfehlen den Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 465 Dollar, rund 18 Prozent über dem aktuellen Kurs von 392 Dollar (Stand: 19. Mai 2026).
Im Mai hat TSMC seine Prognose für den globalen Halbleitermarkt angehoben: Bis 2030 rechnet das Unternehmen mit einem Volumen von über 1,5 Billionen Dollar, angetrieben durch KI-Hardware, Hochleistungsrechner und Automobilelektronik. Zuvor lag die eigene Schätzung bei einer Billion.
Ein Risiko bleibt: TSMC ist geografisch konzentriert. Die wichtigsten Fertigungsanlagen stehen auf Taiwan. Neue Werke in Arizona und Japan sollen das langfristig verändern, produzieren bislang aber nicht auf dem Niveau der Stammwerke auf Taiwan. Wer TSMC kauft, kauft damit auch eine geopolitische Wette mit. Und zwar eine, die viele Anleger bewusst eingehen, aber keine, die man ignorieren sollte. Auch hier liegt der besondere Fokus auf dem US-Präsidenten. Bei seiner letzten Chinareise hat er dieses Thema bewusst unbeantwortet gelassen.
Nvidia verkauft Grafikprozessoren, die für möglichst viele Anwendungsfälle funktionieren. Broadcom macht etwas anderes: Das Unternehmen entwickelt Beschleuniger, die auf die spezifischen Anforderungen einzelner Kunden zugeschnitten sind. Google und Meta nutzen solche Eigenentwicklungen bereits seit Jahren für ihre eigenen KI-Modelle.
Dieser Ansatz gewinnt an Bedeutung. Wer eigene KI-Modelle in großem Maßstab betreibt, hat sehr spezifische Anforderungen an Hardware – in puncto Rechentyp, Speicherbandbreite und Energieeffizienz. Standardchips erfüllen diese Anforderungen oft nur näherungsweise. Broadcom kann sie präzise erfüllen, und das Geschäft wächst, weil die Kunden wachsen.
Broadcom-Papiere legten seit Jahresbeginn rund 21 Prozent zu. Die Bewertung mit dem 18-fachen des operativen Gewinns liegt erheblich unter Nvidia. Das Unternehmen ist weniger bekannt als Nvidia, aber bei den großen Cloud-Anbietern als Partner fest etabliert.
Noch ein Wert, der in diesem Zusammenhang oft übersehen wird: ASML. Das niederländische Unternehmen stellt die Maschinen her, mit denen TSMC und andere Chipfabriken die modernsten Halbleiter produzieren. Ohne ASML-Lithografieanlagen gibt es keine 3-Nanometer-Chips und damit keine KI-Hardware der aktuellen Generation. ASML is kein direkter KI-Chip-Hersteller, aber ein notwendiges Glied in der Kette – und an der Börse entsprechend gefragt.
Wer in den KI-Infrastrukturmarkt investieren möchte, ohne ein einzelnes Unternehmen auszuwählen, findet inzwischen ETFs, die gezielt die Hardware-Seite abdecken:
Fokus auf Halbleiter, Rechenzentren und Netzwerkinfrastruktur. Rendite 2025: +28,69 Prozent. Einer der am stärksten auf die physische Seite des KI-Marktes ausgerichteten Produkte in Europa.
Einer der größten KI-ETFs in Europa mit rund 7 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen, 89 Positionen, TER 0,35 Prozent. Breiter gefasst, mit mehr Softwareunternehmen im Korb.
Schließt auch Energieversorger und Netzwerkausrüster ein, die indirekt vom Rechenzentrumsausbau profitieren. Sinnvoll für Anleger, die den Sektor breiter abbilden wollen.
Kein reiner KI-ETF, aber mit TSMC, Broadcom und ASML direkt in den Kern der Chip-Produktion investiert. Enthält auch zyklische Halbleiterunternehmen außerhalb des KI-Segments.

ETFs sind empfehlenswert, wenn man nicht nur in eine Aktie anlegen möchte (Foto: Shutterstock/ Inside Creative House)
Wer die oben genannten Werte, Nvidia, TSMC, Broadcom sowie die KI-ETFs, direkt kaufen möchte, findet bei Freedom24 einen gut aufgestellten Anbieter. Der Broker bietet über 40.000 Aktien und mehr als 3.600 ETFs an 15 internationalen Handelsplätzen, darunter NYSE, NASDAQ und Xetra. Reguliert wird Freedom24 durch die CySEC sowie zusätzlich beaufsichtigt durch die BaFin.
Ordergebühren fallen ab 2 USD Grundgebühr plus einer volumenabhängigen Komponente an. Bei größeren Positionen kann das günstiger als bei vielen deutschen Filialbanken sein. Für US-Aktien wie Nvidia oder TSMC-ADRs ist Freedom24 daher eine sinnvolle Option.
Ein wichtiger Hinweis für Langfrist-Investoren: Freedom24 bietet keinen ETF-Sparplan an. Wer monatlich automatisiert in einen KI-ETF investieren möchte, sollte nach einem geeigneten Anbieter aus unserem Brokervergleich Ausschau halten. Freedom24 eignet sich dagegen gut für aktive Käufer, die gezielt Einzelpositionen aufbauen oder Optionen handeln wollen.
Nvidia, TSMC und Broadcom sind nicht dasselbe Investment. Nvidia bietet das höchste Wachstum und die höchste Bewertung. TSMC hat das stabilste Geschäftsmodell im Trio, dafür das Taiwan-Risiko. Broadcom ist am wenigsten bekannt, hat aber das günstigste Bewertungsniveau bei solidem Wachstum.
Wer über ETFs geht, tauscht Einzeltitelrisiko gegen Klumpenrisiko. Das ist kein Freifahrtschein. Ein KI-ETF kann genauso hart fallen wie eine Einzelaktie, wenn die Branche insgesamt unter Druck gerät. Und das kann unter Umständen schneller passieren, als man beim Blick auf die aktuellen Zahlen denken würde.
Hinzu kommt ein Faktor, den viele Anleger unterschätzen: Das Währungsrisiko. Nvidia, TSMC und Broadcom notieren in Dollar. Wer aus dem Euroraum investiert, trägt das Wechselkursrisiko mit. Ein starker Euro kann einen Teil der Kursgewinne auffressen, ohne dass sich an den Unternehmen selbst etwas geändert hat. Die meisten KI-ETFs sind nämlich nicht währungsgesichert.
Die Quartalszahlen der letzten Monate rechtfertigen das Interesse an diesem Sektor. Aber der Sektor ist seit zwei Jahren gut gelaufen. Wer jetzt einsteigt, kauft nicht günstig, sondern auf einem Niveau, das bereits viel Wachstum vorwegnimmt. Das sollte die Positionsgröße zwar beeinflussen, aber den möglichen Entschluss nicht grundsätzlich verhindern.
Der Unterschied zu vielen früheren Tech-Booms liegt im physischen Unterbau. Rechenzentren, Stromversorgung, Netzwerke und Chips werden nicht für eine Quartalsstory gebaut. Die großen Tech-Konzerne investieren Milliarden in Infrastruktur, die über Jahre genutzt werden soll. Das schützt einzelne Aktien nicht vor Überbewertungen oder Rückschlägen. Die Nachfrage nach Rechenleistung selbst ist aber kein reines Zukunftsversprechen – sie zeigt sich bereits in Aufträgen, Bauprojekten und laufenden Umsätzen.
KI-Infrastrukturwerte bleiben Tech-Aktien. In einem breiten Ausverkauf fallen sie meist mit dem Markt. Anleger sollten sie nicht als defensive Position verstehen. Der Unterschied zu reinen Software-Stories liegt eher im Geschäftsmodell: Viele Unternehmen verdienen ihr Geld über laufende Hardware-Nachfrage, Lieferverträge und reale Ausbauprogramme. Das verhindert keine Korrektur, kann das Risiko aber anders gelagert machen als bei rein erwartungsgetriebenen Wachstumswerten.
Nvidia trägt mehrere Risiken gleichzeitig: hohe Bewertung, China-Exposure und die Frage, ob große Kunden langfristig stärker auf eigene Chip-Architekturen setzen. TSMC steht an einer anderen Stelle der Wertschöpfungskette. Das Unternehmen profitiert davon, dass more Hochleistungschips gebaut werden – unabhängig davon, welcher Anbieter am Ende das Rennen macht. Dafür bringt TSMC ein anderes Risiko mit: die starke Abhängigkeit vom Standort Taiwan.

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