

Mittlerweile gibt es mehrere nachhaltige Robo-Advisor in Deutschland, die sich in ihrer Herangehensweise, ihren Kriterien und ihrer Umsetzung deutlich unterscheiden. Was bei einem Anbieter als „nachhaltig“ gilt, kann bei einem anderen völlig anders interpretiert werden. Während einige Robo-Advisor strenge Ausschlusskriterien anlegen, setzen andere auf flexiblere Best-in-Class-Ansätze oder Impact-Strategien.
Nachhaltigkeit wird von den digitalen Vermögensverwaltern oft unterschiedlich interpretiert. Eine einheitliche Definition existiert nicht, was die Auswahl für Anleger nicht einfach macht. Unser Beitrag zeigt, welche Ansätze es bei nachhaltigen Robo-Advisors im Vergleich gibt, wie die einzelnen Anbieter Nachhaltigkeit konkret umsetzen und worin sich unsere Testsieger quirion, Scalable Wealth, growney, VisualVest und Whitebox unterscheiden.
Für Sie als Anleger ist es entscheidend zu verstehen, welche Nachhaltigkeits-Philosophie die einzelnen Anbieter verfolgen und welcher Ansatz am besten zu Ihren persönlichen Wertvorstellungen passt. Nachhaltige Robo-Advisor im Vergleich zu betrachten, bedeutet auch, die jeweiligen Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Konzepte zu erkennen.
Wenn Robo-Advisors mit „nachhaltigen“ oder „ESG-konformen“ Portfolios werben, klingt das zunächst eindeutig. In der Realität zeigt sich jedoch: Es gibt keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit in der Geldanlage und ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) sind interpretierbar.
Jeder Anbieter legt selbst fest, welche Standards er nutzt, welche Branchen er ausschließt und wie streng er diese Vorgaben umsetzt. Das bedeutet: Zwei „nachhaltige“ Robo-Advisor können völlig unterschiedliche Portfolios zusammenstellen und beide bezeichnen sich dennoch als nachhaltig. Die Umsetzung von Nachhaltigkeit erfolgt bei Robo-Advisors durch verschiedene Ansätze, die sich grundlegend unterscheiden:
Bestimmte Branchen, Unternehmen oder Geschäftspraktiken werden kategorisch ausgeschlossen, etwa Rüstung, Tabak, fossile Energien oder Kinderarbeit. Dieser Ansatz ist klar verständlich, aber auch „starr“.
Es werden innerhalb jeder Branche die Unternehmen ausgewählt, die im Vergleich zu ihren Wettbewerbern die besten ESG Werte aufweisen. Dieser Ansatz erlaubt mehr Diversifikation, schließt aber keine Branchen grundsätzlich aus.
Unternehmen werden anhand standardisierter Bewertungen zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien bewertet. Nur Firmen und beispielsweise deren Aktien ab einem bestimmten Score-Level werden ins Portfolio aufgenommen.
Der Fokus liegt auf Unternehmen oder Projekten, die einen messbaren positiven Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen leisten, etwa im Bereich erneuerbare Energien oder soziale Infrastruktur.
Neben den Ansätzen gibt es (leider) auch typische Graubereiche, sodass es bei nachhaltigen Robo-Advisors im Vergleich auch diesbezüglich Unterschiede in der Handhabung gibt. Klassische Graubereiche sind:
Diese Beispiele verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit keine binäre Entscheidung zwischen „gut“ und „schlecht“ ist, sondern ein Spektrum mit vielen Abstufungen. Was für Sie als nachhaltig gilt, hängt von Ihren persönlichen Überzeugungen ab. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Vergleich der nachhaltigen Robo-Advisors.

Die Nachhaltigkeit von Robo-Advisorn hängt von vielen Faktoren ab (Foto: Shutterstock/ TStudious)
Bei nachhaltigen Robo-Advisors im Test zeigt sich schnell: Die Konzepte unterscheiden sich zum Teil erheblich. quirion setzt auf ETFs mit ESG-Kriterien und bietet verschiedene Nachhaltigkeitsstufen an, von denen Anleger je nach Präferenz wählen können. Scalable Wealth integriert Nachhaltigkeit hingegen optional in seine Portfolios und arbeitet mit breit diversifizierten ESG-ETFs. growney wiederum verfolgt einen transparenten Ansatz mit klar definierten Ausschlusskriterien und ESG-fokussierten Indexfonds.
Die Unterschiede entstehen vor allem durch die zugrunde liegenden ETFs und Indexanbieter. Jeder ETF-Anbieter (MSCI, FTSE, Solactive etc.) hat eigene Nachhaltigkeitsindizes mit unterschiedlichen Kriterien. Ein MSCI ESG Screened Index schließt beispielsweise weniger Unternehmen aus als ein MSCI SRI Index, der deutlich strengere Vorgaben hat. Zudem interpretieren Robo-Advisor die verfügbaren ESG-Daten unterschiedlich und gewichten einzelne Kriterien anders.
Einige Robo-Advisor legen bei bestimmten Themen besonderen Wert auf Konsequenz. growney beispielsweise schließt Unternehmen aus, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit fossilen Brennstoffen erwirtschaften. Whitebox bietet Anlegern die Möglichkeit, sehr restriktive Filter zu setzen, etwa den vollständigen Ausschluss von Atomkraft, Gentechnik oder Tierversuchen. VisualVest nutzt für seine nachhaltige Strategie Fonds, die sich an den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung orientieren.
Andere Anbieter setzen bewusst auf Flexibilität, um ein breiteres Anlageuniversum zu erhalten. Scalable Wealth integriert ESG-Kriterien, ohne dabei zu restriktiv zu werden, um Diversifikation und Kosteneffizienz zu wahren. quirion bietet verschiedene Nachhaltigkeitsstufen an, sodass Sie selbst entscheiden können, wie streng die Kriterien sein sollen, angefangen von „ESG-orientiert“ bis „hochnachhaltig“.
Je strenger die Nachhaltigkeitskriterien sind, desto kleiner wird das Anlageuniversum. Das hat mehrere Folgen:
Wer etwa Öl- und Gaskonzerne ausschließt, hat in Jahren steigender Energiepreise möglicherweise eine andere Wertentwicklung als der breite Markt. Diese Zusammenhänge sollten Sie verstehen, wenn Sie nachhaltige Robo-Advisor im Vergleich bewerten.
quirion, eine Marke der Quirin Privatbank AG, bietet in unserem Vergleich nachhaltiger Robo-Advisors eine kostengünstige und automatisierte Geldanlage. Zum nachhaltigen Vermögensverwalter wird quirion durch sein „Nachhaltiges Portfolio“, das gezielt auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) setzt. Der Anbieter verfolgt einen ESG-Ansatz, der auf Ausschlusskriterien und einem Best-in-Class-Prinzip basiert. Dabei werden Branchen wie Waffen, Tabak und fossile Brennstoffe gemieden und Unternehmen mit überdurchschnittlich gutem ESG-Rating bevorzugt.
Die Umsetzung ist durch die Offenlegung von Kriterien und Portfolio-Zusammensetzung transparent, die exakte Methodik der externen ESG-Ratings bleibt jedoch teilweise im Verborgenen. Grenzen des Ansatzes liegen im Fokus auf ESG Integration statt auf einem messbarem Impact und in der Abhängigkeit von den Ratings Dritter. Der Ansatz von quirion passt für Sie, wenn Sie eine unkomplizierte und breit gestreute nachhaltige Geldanlage suchen, aber nicht für Anleger mit spezifischen Impact-Zielen oder dem Wunsch nach aktiver Einflussnahme.
Whitebox ist ein unabhängiger, digitaler Vermögensverwalter, der auf wissenschaftlich fundierten Anlagestrategien basiert. Mit den Anlagestrategien „Whitebox Global Green“ und „Whitebox Value Green“ bietet das Unternehmen explizit nachhaltige Investmentlösungen an. Whitebox verfolgt einen strengen Nachhaltigkeitsansatz, der auf den Ausschluss von kontroversen Branchen wie Atomkraft, Kohle und Rüstung sowie auf der Einhaltung der strengen SRI-Kriterien (Socially Responsible Investing) beruht.
Es werden ausschließlich als nachhaltig klassifizierte Indexfonds (nach Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung) eingesetzt. Die Umsetzung ist durch die detaillierte Offenlegung der Kriterien und der Portfolio-Bestandteile sehr transparent. Eine Grenze des passiven Ansatzes ist die fehlende Möglichkeit zur aktiven Einflussnahme auf das nachhaltige Arbeiten der Unternehmen. Whitebox Global Green ist ideal für Anleger, die eine wissenschaftlich basierte, transparente und streng nachhaltige Geldanlage suchen, aber weniger für Investoren, die einen Fokus auf aktive Mitgestaltung oder spezifische Themen legen.
Der Berliner Robo-Advisor growney positioniert sich mit dem Produkt „growgreen“ als nachhaltiger Anbieter, der ökologisch und sozial verantwortungsbewusste Investments zugänglich macht. growney verfolgt einen ESG-Ansatz und nutzt ETFs, die kontroverse Branchen wie Waffen, Tabak und fossile Energien ausschließen und nach dem Best-in-Class-Prinzip in die nachhaltigsten Unternehmen einer Branche investieren. Umgesetzt wird das mit fünf Strategien, angefangen von „growgreen20″ bis „growgreen100“. Die Strategien unterscheiden sich in der Höhe des Aktienanteils.
Das Investment erfolgt hier in über 500 Aktien aus mehr als 40 Ländern. Darüber hinaus hat growney die UN-Prinzipien für verantwortliches Investieren unterzeichnet. Die Transparenz ist durch die Offenlegung der Portfolio-Zusammensetzung und der Kriterien gegeben. Eine Grenze liegt in der passiven Natur der ETFs, die keine aktive Einflussnahme auf Unternehmen erlaubt und von der Qualität der zugrundeliegenden ESG-Ratings abhängt.
Der Ansatz eignet sich für langfristig orientierte Anleger, die eine kosteneffiziente, nachhaltige Anlage suchen, jedoch nicht für Investoren mit dem Anspruch auf aktives Engagement oder spezifische Impact-Ziele.
Scalable Capital bietet mit „Scalable Wealth“ eine der größten digitalen Vermögensverwaltungen in Europa. Nachhaltiges Investieren wird durch die ESG-Welt-Portfolios ermöglicht, die zusätzlich mit der Strategie „ESG + SRI“ verschärft werden können. Es gibt verschiedene nachhaltige Portfolios mit unterschiedlichem Aktien- bzw. Risikoanteil. Es werden Unternehmen mit hoher Nachhaltigkeitsbewertung (Best-in-Class-Filter) favorisiert. Der Ansatz kombiniert das mit dem Ausschluss von Unternehmen mit kritischen Geschäftsfeldern (z.B. Kohle, geächtete Waffen).
Die Umsetzung ist durch die Verwendung von MSCI-ESG-Ratings und die transparente Darstellung der Portfolios nachvollziehbar. Grenzen liegen in der Abhängigkeit von externen Ratingagenturen und dem Fokus auf die Vermeidung von Risiken anstatt der Erzielung eines messbaren positiven Impacts. Der Ansatz eignet sich für Anleger, die eine kostengünstige, breit diversifizierte und ESG-konforme Geldanlage suchen. Er ist weniger geeignet für Investoren, die einen tiefgreifenden Impact-Fokus oder sehr individuelle ethische Ausschlusskriterien verfolgen.
Nach Aussage von Scalable Wealth geht ein nachhaltiger Investmentansatz nicht automatisch mit geringeren Erträgen einher. Der Anbieter verweist darauf, dass sich ESG-orientierte Anlagen in der Vergangenheit ähnlich entwickelt haben wie klassische, nicht nachhaltige Investments.
VisualVest, eine Marke der Union Investment Gruppe, ist ein digitaler Vermögensverwalter, der den Einstieg in die nachhaltige Geldanlage vereinfacht. Als einer der ersten Anbieter im Markt hat VisualVest mit den „GreenFolios“ ein dezidiert nachhaltiges Produkt etabliert. Die Portfolios gibt es in drei Risikoklassen und der Nachhaltigkeitsansatz basiert auf einer Kombination aus strengen Ausschlusskriterien und einem Best-in-Class-Verfahren (SRI). Es werden nicht nur kontroverse Geschäftsfelder wie Kohlebergbau oder Waffenhandel gemieden, sondern auch gezielt in die nachhaltigsten Unternehmen investiert.
Die Umsetzung ist durch die detaillierte Darstellung der Kriterien und die Auswahl nachhaltiger Fonds transparent. Die Grenzen des Ansatzes zeigen sich darin, dass kein reines Impact Investing mit messbarer Wirkung betrieben wird und die Auswahl auf den von den Fondsgesellschaften bereitgestellten Daten beruht. Die GreenFolios eignen sich daher für Anleger, die eine breit diversifizierte und ethisch fundierte Geldanlage wünschen, aber nicht für solche, die gezielte, thematische Impact-Investments anstreben.
Die Entscheidung zwischen einem nachhaltigen und einem klassischen Robo-Advisor hat konkrete Auswirkungen auf verschiedene Aspekte Ihrer Geldanlage. Hier die wesentlichen Unterschiede:
Ein klassischer Robo-Advisor investiert typischerweise in breit gestreute ETFs, die den gesamten Aktien- und Anleihenmarkt abbilden, ohne Ausschlüsse oder besondere Kriterien. Ein nachhaltiger Robo-Advisor reduziert dieses Anlageuniversum bewusst, indem bestimmte Unternehmen, Branchen oder Länder ausgeschlossen werden. Dadurch investieren Sie nur in Unternehmen, die definierte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Das Anlageuniversum ist somit deutlich kleiner, aber gezielter ausgerichtet.
Klassische Robo-Advisor bieten maximale Flexibilität bei der Portfolio-Zusammensetzung, da keine zusätzlichen Einschränkungen gelten. Nachhaltige Robo-Advisor sind durch ihre ESG-Vorgaben eingeschränkter, haben aber teilweise die Möglichkeit, unterschiedliche Nachhaltigkeitsstufen anzubieten. Bei digitalen Vermögensverwaltern wie Whitebox können Sie sogar individuell festlegen, wie streng die Kriterien sein sollen, wie sich in unserem Test der nachhaltigen Robo-Advisors gezeigt hat.
Klassische Robo-Advisor arbeiten oft mit sehr günstigen Standard-ETFs, deren jährliche Kosten (TER) bei 0,15 bis 0,30 Prozent liegen. Nachhaltige ETFs sind häufig etwas teurer, da sie spezialisierter sind und zusätzliche Research- und Screening-Kosten anfallen. Die TER liegt hier oft bei 0,20 bis 0,45 Prozent. Hinzu kommen die Verwaltungsgebühren des Robo-Advisors selbst, die bei beiden Varianten meist ähnlich sind (0,3 bis 1,0 Prozent p.a.).
Das grundsätzliche Risikoprofil, also die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen, ist bei beiden Varianten vergleichbar und richtet sich nach Ihrer Risikobereitschaft. Allerdings kann das spezifische Risikoprofil bei nachhaltigen Portfolios leicht abweichen, da bestimmte Branchen fehlen und andere übergewichtet sein können. Beispielsweise können Technologie- oder Gesundheitsunternehmen stärker vertreten sein, während Energie- oder Grundstoffwerte fehlen.
Bei klassischen Robo-Advisors steht die Renditemaximierung bei gegebenem Risiko im Vordergrund. Nachhaltige Robo-Advisor verfolgen ein doppeltes Ziel: Rendite erzielen und gleichzeitig nach bestimmten Werten investieren. Sie nehmen dabei bewusst in Kauf, dass das Portfolio möglicherweise weniger diversifiziert ist.

Nachhaltige Robo Advisor sind nicht immer kosteneffizient (Foto: Shutterstock/ Alliance Images)
Schauen wir uns im ersten Schritt die Chancen und Vorteile an, die nachhaltige Robo-Advisors mit sich bringen:
Nachhaltige Robo-Advisor ermöglichen es Ihnen, Ihr Kapital gezielt in Unternehmen zu investieren, die Ihre ethischen und ökologischen Werte teilen. Sie müssen sich nicht mehr mit dem Gedanken auseinandersetzen, indirekt in Branchen oder Geschäftspraktiken investiert zu sein, die Sie ablehnen. Diese Übereinstimmung zwischen Vermögensaufbau und persönlichen Überzeugungen kann ein wichtiger Faktor für langfristige Zufriedenheit mit der Anlage sein.
Viele nachhaltige Portfolios sind stärker auf zukunftsfähige Branchen ausgerichtet, etwa erneuerbare Energien, Gesundheitstechnologie oder nachhaltige Infrastruktur. Diese Ausrichtung kann langfristig durchaus Renditechancen bieten, da Unternehmen mit guter ESG Performance häufig besser auf regulatorische Veränderungen und gesellschaftliche Trends vorbereitet sind.
Unternehmen mit guten ESG Werten weisen statistisch oft geringere Risiken auf, etwa bezüglich Rechtsstreitigkeiten, Umweltskandalen oder Governance Problemen. Nachhaltige Robo-Advisor filtern systematisch Unternehmen mit hohen ESG-Risiken heraus, was das Portfolio potenziell widerstandsfähiger gegen bestimmte Krisen machen kann.
Ohne einen Robo-Advisor müssten Sie selbst recherchieren, welche ETFs nachhaltig sind, wie deren Kriterien aussehen und wie Sie ein diversifiziertes Portfolio zusammenstellen. Nachhaltige Robo-Advisor nehmen Ihnen diese Arbeit ab und bieten professionell konstruierte Portfolios, die automatisch rebalanciert werden.
Indem Sie in nachhaltige Unternehmen investieren, unterstützen Sie – wenn auch indirekt – die Kapitallenkung in Richtung nachhaltiger Wirtschaft. Auch wenn die direkte Wirkung eines einzelnen Portfolios begrenzt ist, trägt die Gesamtheit nachhaltiger Investments zur Signalwirkung an die Märkte bei.
➖ Eingeschränkte Diversifikation
Durch Ausschlusskriterien reduziert sich das Anlageuniversum teils erheblich. Ganze Branchen wie Energie, Grundstoffe oder Verteidigung können fehlen, was die Risikostreuung verringert. Bei starken Marktbewegungen in ausgeschlossenen Sektoren kann Ihr Portfolio davon nicht profitieren oder wird im Umkehrschluss nicht belastet.
➖ Höhere Kosten
ESG-ETFs sind in der Regel teurer als konventionelle ETFs, da zusätzliche Analyse- und Screening-Prozesse notwendig sind. Diese Mehrkosten mögen mit 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr gering erscheinen, summieren sich aber über Jahrzehnte zu einem spürbaren Rendite-Unterschied.
➖ Mögliches Greenwashing
Nicht jeder als „nachhaltig“ beworbene Fonds oder Robo-Advisor hält, was er verspricht. Manche Anbieter nutzen sehr weiche Kriterien oder intransparente Bewertungsmethoden. Für Sie als Anleger ist es oft schwierig zu beurteilen, ob die Nachhaltigkeit wirklich substanziell umgesetzt wird oder nur Marketing ist.
➖ Unterschiedliche Performance-Entwicklung
Nachhaltige Portfolios können sich in bestimmten Marktphasen anders entwickeln als der breite Markt, sowohl positiv als auch negativ. In Jahren, in denen etwa Ölkonzerne stark performen, hinkt ein nachhaltiges Portfolio möglicherweise hinterher. Diese Abweichung vom Markt müssen Sie „aushalten“ können.
➖ Begrenzte wissenschaftliche Evidenz zu langfristiger Outperformance
Auch wenn ESG Investments in den vergangenen Jahren oft gut abgeschnitten haben, gibt es keine Garantie, dass dies langfristig so bleibt. Die Datenlage zu mehreren Jahrzehnten ist begrenzt und es ist unklar, ob nachhaltige Portfolios dauerhaft besser, schlechter oder ähnlich wie konventionelle Portfolios performen werden.
Es ist für Sie als Anleger wichtig zu verstehen, dass bei nachhaltigen Robo-Advisors im Vergleich zu klassischen Ansätzen Nachhaltigkeit unweigerlich mit Einschränkungen verbunden ist. Sie verzichten bewusst auf einen Teil des Marktes, auf bestimmte Renditequellen und auf maximale Diversifikation. Diese Einschränkung ist der Preis dafür, dass Ihr Portfolio Ihren Werten entspricht. Das ist natürlich eine legitime Entscheidung, solange Sie sich darüber im Klaren sind.
Nachhaltige Robo-Advisor im Vergleich zeigen ein differenziertes Bild. Die Anbieter quirion, Scalable Wealth, growney, VisualVest und Whitebox verfolgen unterschiedliche Ansätze bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit, angefangen von strengen Ausschlusskriterien bis hin zu flexiblen Best-in-Class Strategien. Es gibt keine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit, weshalb Sie genau prüfen sollten, welcher Anbieter am besten zu Ihren persönlichen Wertvorstellungen passt.
Nachhaltige Robo-Advisor eignen sich für Sie, wenn Ihnen werteorientiertes Investieren wichtig ist und Sie bereit sind, dafür möglicherweise etwas höhere Kosten und eine eingeschränktere Diversifikation in Kauf zu nehmen. Sie sind ideal für Anleger, die langfristig investieren möchten und denen es nicht nur um maximale Rendite geht, sondern auch darum, mit gutem Gewissen anzulegen. Auch für Menschen, die den Aufwand scheuen, selbst nach nachhaltigen ETFs zu recherchieren, bieten Robo-Advisor eine komfortable Lösung.
Wenn für Sie ausschließlich die finanzielle Performance zählt und ethische Aspekte keine Rolle spielen, ist ein klassischer Robo-Advisor vermutlich die bessere Wahl. Auch Anleger, die maximale Diversifikation über alle Branchen hinweg wünschen oder die niedrigstmöglichen Kosten priorisieren, sollten konventionelle Ansätze bevorzugen. Nachhaltigkeit ist eine bewusste Entscheidung und dient nicht als Standardlösung. Nachhaltige Robo-Advisor im Vergleich zu betrachten lohnt sich, denn die Unterschiede sind erheblich und nur so finden Sie den Anbieter, der wirklich zu Ihnen passt.
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