

Künstliche Intelligenz (KI) heizt seit 2023 den Techboom an der Börse an. Im Fokus stehen mit Anthropic und OpenAI als Entwickler der Frontier-Modelle zwar Unternehmen, die sich bisher auf dem Parkett nicht handeln lassen. Von KI profitieren aber Aktien wie Nvidia oder Microsoft.
Halbleiterhersteller und Produzenten von Grafikkarten sind nicht die einzigen Gewinner. Alles, was mit der Ausrüstung von Rechenzentren, speziell der Supercluster, zu tun hat, treibt die Bewertungen in vielen Indizes nach oben.
Das Interesse an KI-Aktien ist 2026 ungebrochen hoch. Die Sicht der Anleger auf die Unternehmensbewertungen verändert sich aber. Frontiermodelle sind nicht mehr der alleinige Investitionsmaßstab. Es braucht reale Use-Cases, mit denen sich ein ROI erzielen lässt. Die Zeit der Effizienzversprechen als einziges Kaufargument ist vorbei.
Um das Potenzial einzelner KI-Aktien zu bewerten und für einen Vergleich mit anderen Wertpapieren setzen wir auf einige Kennzahlen, wie das Umsatzwachstum oder das Forward-KGV. Die objektive Auswertung der Kaufsignale ist im KI-Segment die Grundlage, um objektive Entscheidungen zu treffen.

Nvidia (Foto: Shutterstock/ Jack Hong)
Es gibt neben den KI-Entwicklern derzeit wahrscheinlich kaum ein Unternehmen, das den Blickwinkel auf die Branche so stark prägt: Nvidia ist zum Synonym für den KI-Boom geworden. Der Konzern entwickelt die GPUs, die zum zentralen Bestandteil moderner KI-Rechenzentren werden. Nvidia entwickelt sich aber weiter und etablierte Geschäftsstrukturen, die sich nicht mehr auf einzelne Prozessoren konzentrieren, sondern auch Netzwerkkomponenten und Rack-Systemen umfassen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz für 2027 (Schätzung) | rund 408 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | rund 89 Prozent |
| Forward-KGV FY2027 (Schätzung) | 22,97 |
| FCF-Marge FY2027 (Schätzung) | rund 47,2 Prozent |
| Rule of 40 | rund 136 |
Aus den Kennzahlen ergibt sich für Nvidia ein starkes Gesamtbild. Der Umsatz könnte noch einmal deutlich wachsen und die Marge würde ebenfalls solide performen. Allerdings basiert diese Bewertung auf sehr hohen Gewinnerwartungen. Unsicherheiten gerade in Bezug auf Verpflichtungen, die Nvidia abseits der Bilanz eingeht, könnten für den Fall einer angespannten Entwicklung durchaus mehr Gegenwind für Nvidia bedeuten.

Broadcom (Foto: Shutterstock/ Sundry Photography)
Broadcom profitiert als Chip- und Halbleiterhersteller wie Nvidia vom Aufbau großer KI-Rechenzentren. Allerdings steht die Aktie weniger stark im Fokus – bietet Anlegern aber trotzdem das Potenzial für eine Partizipation am KI-Boom – unter anderem durch kundenspezifische Techware sowie Netzwerkchips, die innerhalb großer Cluster für den Datentransport benötigt werden. Gleichzeitig hat Broadcom durch VMware ein umfangreiches Infrastruktur-Softwaregeschäft aufgebaut, das als weiteres wichtiges Standbein des Unternehmens fungiert.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz für 2027 (Schätzung) | rund 174,8 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | rund 65,1 Prozent |
| Forward-KGV 2027 (Schätzung) | 18,88 |
| FCF-Marge 2027 (Schätzung) | rund 49,2 Prozent |
| Rule of 40 | rund 114,3 |
Broadcom verbindet basierend auf den Prognosen ein hohes Wachstum mit einem starken Cashflow. Ein erwartetes Umsatzplus von rund 65 Prozent und eine FCF-Marge von etwa 49 Prozent ergeben eine Rule of 40 von mehr als 110. Gleichzeitig fällt das Forward-KGV mit knapp 19 niedriger aus als bei vielen anderen KI-Wachstumswerten. Auf Basis dieser Kennzahlen wirkt die Bewertung von Broadcom vergleichsweise ausgewogen. Anleger müssen für ihre Entscheidung unbedingt berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil des KI-Geschäfts von Hyperscalern und deren Budgets abhängt.

AMD (Foto: Shutterstock/ iama_sing)
AMD (Advanced Micro Devices) ist im Bereich der CPU-Entwicklung und Fertigung der große Konkurrent von Intel und hat sich innerhalb weniger Jahre vom CPU-Hersteller zu einem wichtigen Anbieter für Hochleistungsrechner und KI-Rechenzentren-Technologie entwickelt. Besonders relevant sind in diesem Segment die EPYC-Prozessoren für Server sowie die Instinct-Beschleuniger.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2027 (Schätzung) | rund 89,0 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | rund 74,9 Prozent |
| Forward-KGV 2027 (Schätzung) | 32,59 |
| FCF-Marge 2027 (Schätzung) | rund 18,9 Prozent |
| Rule of 40 | rund 93,7 |
Bei AMD steht für die Bewertung vor allem das starke erwartete Umsatzwachstum im Vordergrund. Mit knapp 75 Prozent erreicht der Chip-Konzern in unserer Auswahl einen besonders hohen Wert. Aber: Die FCF-Marge liegt mit rund 19 Prozent deutlich unter den Werten von Nvidia oder Broadcom und auch die Rule of 40 fällt geringer aus. Gleichzeitig unterstreicht das Forward-KGV von knapp 33, dass Anleger bereits gewisse Erwartungen an die Aktie und das zukünftige Wachstum hegen. Für die Aktie wird entscheidend sein, ob AMD seine Marktanteile im Geschäft mit KI-Beschleunigern tatsächlich ausbauen kann.

Arista Networks
Rechenleistung ist auf den ersten Blick einer der zentralen Aspekte, der die KI-Entwicklung bestimmt. Tatsächlich umfasst der Aufbau einer funktionsfähigen Infrastruktur verschiedene Elemente, zu denen auch der Austausch von Daten mit hoher Geschwindigkeit gehört. Hintergrund: Chips und Beschleuniger arbeiten in den Racks zusammen, um die Rechenleistung für das KI-Training zur Verfügung zu stellen. Genau hier setzt Arista Networks an.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2027 (Schätzung) | rund 16,5 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | rund 29,9 Prozent |
| Forward-KGV 2027 (Schätzung) | 36,92 |
| FCF-Marge 2027 (Schätzung) | rund 41,6 Prozent |
| Rule of 40 | rund 71,5 |
Arista Networks wächst zwar langsamer als die besonders dynamischen Branchengrößen der Halbleiterindustrie. Dafür überzeugt die erwartete FCF-Marge in Kombination mit den Cashflow-Erwartungen. Aber: Das Forward-KGV von knapp 37 ist als anspruchsvoll einzustufen, da die Aktie weiter überdurchschnittlich vom Ausbau großer KI-Cluster und der steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen Netzwerken profitieren muss, um ein Investment zu rechtfertigen.

Astera Labs (Foto: Shutterstock/ Piotr Swat)
Astera Labs entwickelt Halbleiter- und Connectivity-Lösungen, mit denen Prozessoren, Beschleuniger, Speicher und Netzwerkkomponenten innerhalb großer KI-Systeme verbunden werden. Damit fokussiert sich das Unternehmen eher auf die Peripherie und nicht – wie zum Beispiel Nvidia – auf die eigentliche Rechenleistung.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2027 (Schätzung) | rund 3,08 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | rund 61,3 Prozent |
| Forward-KGV 2027 (Schätzung) | 44,89 |
| FCF-Marge 2027 (Schätzung) | rund 51,2 Prozent |
| Rule of 40 | rund 112,5 |
Astera Labs gehört anhand der Kennzahlen zu den wachstumsstarken Unternehmen. Mit einem Forward-KGV von knapp 45 preist der Markt allerdings einen Teil der Prognose bereits ein. Damit könnte der Abstand zur Bodenbildung – für den Fall, dass Astera enttäuscht – relativ hoch sein.

Vertiv (Foto: Shutterstock/ ChristianLphoto)
Vertiv ist keine klassische KI-Aktie, sondern einer der Nutznießer – indem sich das Unternehmen auf Infrastrukturaspekte konzentriert, wie Stromversorgung oder Kühlsysteme. Gerade moderne KI-Beschleuniger erhöhen sowohl den Energieverbrauch als auch die Wärmedichte innerhalb der Server-Racks. Dadurch werden Flüssigkeitskühlung, Strommanagement und komplett neue Infrastrukturkonzepte zu zentralen Themen.
In diesen Segmenten ist Vertiv breit aufgestellt – mit Lösungen in Bereichen wie:
Diese Nachfrage schlägt sich bereits in den Geschäftszahlen nieder. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Vertiv rund 3,27 Milliarden US-Dollar Umsatz – 24 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der operative Gewinn erhöhte sich um 44 Prozent. Gleichzeitig erreichte der operative Cashflow 1,1 Milliarden US-Dollar. Und auch für die beiden nächsten Jahre sehen die Prognosen eine starke Entwicklung beim Umsatz: Für 2026 werden rund 14 Milliarden US-Dollar und für 2027 etwa 18,2 Milliarden US-Dollar erwartet.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2027 (Schätzung) | rund 18,2 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | rund 29,6 Prozent |
| Forward-KGV 2027 (Schätzung) | 28,69 |
| FCF-Marge 2027 (Schätzung) | rund 17,7 Prozent |
| Rule of 40 | rund 47,2 |
Vertiv hat ein komplett anderes Profil als die klassischen Halbleiterwerte, erzielt durch die Services rund um die Rechenzentren aber ebenfalls ein starkes Umsatzwachstum. Zudem ist die Aktie mit einem Forward-KGV von knapp 29 noch etwas anders bewertet als viele klassische KI-Aktien, die direkt in deren Entwicklung eingebunden sind. Vertiv könnte deshalb zu einem Asset werden, wenn das Portfolio auch auf Peripheriesegmente des KI-Booms ausgerichtet werden soll.

KI-Aktien sind bei Anlegern und Investoren sehr gefragt (Foto: Shutterstock/ )
Viele Anleger, die in KI-Aktien einsteigen, gehen davon aus, dass die Kurse weiter steigen – einfach, weil der KI-Boom ungebrochen ist. Hohe Wachstumserwartungen auf dem Parkett sind aber nur eine Seite der Medaille. Eine Exposure aufzubauen bedeutet, in einen stark volatilen Markt zu investieren, der in seinen Bewertungen sehr stark von den Zukunftserwartungen dominiert wird. Aus diesem Grund sind die Kennzahlen von zentraler Bedeutung – um die einzelnen Aktien vor der Kaufentscheidung neutral zu bewerten.
Die Wachstumsrate zeigt, wie schnell ein Unternehmen sein Geschäft ausbaut. Gerade bei jungen KI-Unternehmen ist sie eine wichtige Kennzahl. Ein hohes Wachstum reicht allein als Rechtfertigung für den Einstieg nicht aus. Entscheidend ist, wie profitabel dieses Wachstum erzielt wird.
Das Forward-KGV setzt den aktuellen Aktienkurs beziehungsweise die Marktkapitalisierung in Beziehung zu den für ein zukünftiges Geschäftsjahr erwarteten Gewinnen. Bei stark wachsenden KI-Unternehmen ist diese Kennzahl häufig sinnvoller als das historische KGV. Je höher der Wert, desto stärker ist die zukünftige Entwicklung bereits in den Bewertungen eingepreist.
Die FCF-Marge zeigt, welcher Anteil des Umsatzes nach den notwendigen operativen Ausgaben und Investitionen als freier Cashflow übrig bleibt. Die Kennzahl eine Möglichkeit der Bewertung, wie stark KI-Unternehmen Wachstum bereits aus eigener Kraft finanzieren.
KI-Aktien haben sich in den letzten Jahren zu starken Wachstumstreibern in vielen Depots entwickelt. Wer als Anleger jetzt in dieses Segment einsteigen will, muss die Branche und einzelne Unternehmen sehr differenziert betrachten. Investoren betrachten zunehmend die Versprechen der Entwickler kritisch und suchen nach Aktien, hinter denen nicht nur eine Wette auf die Zukunft steht, sondern mit einem realen ROI zu rechnen ist. Es lohnt sich deshalb, nicht nur bei den eigentlichen Entwicklern genau hinzuschauen. Gerade Unternehmen, die sich rund um die Ausrüstung von Rechenzentren mit Chips, Lösungen für das Energiemanagement oder den Datentransfer etabliert haben, können ein genauso starkes Asset für das eigene Portfolio sein.
Auch Unternehmen, die notwendige Infrastruktur bereitstellen, können vom KI-Trend profitieren. Dazu gehören beispielsweise Arista Networks mit Netzwerktechnik oder Vertiv mit Stromversorgungs- und Kühllösungen für Rechenzentren. Sehr häufig gibt es Schnittstellen mit anderen Bereichen im Tech-Sektor.
Grundsätzlich entscheidet hier die individuelle Ausrichtung des Anlegers – also die gewählte Strategie und Risikoorientierung. Wer sich selbst nicht um jeden Aspekt kümmern und das Risiko durch eine sehr breite Streuung besser kontrollieren will, sollte sich eher mit dem Thema ETF beschäftigen.
Ein zentraler Grund ist der hohe Kapitalbedarf der Branche. Viele Entwicklungen werden fremdfinanziert, womit natürlich auch Kredite gemeint sind – aber auch Anleihen. Sobald die Zentralbanken an der Zinsschraube drehen, verändern sich die Finanzierungskosten, was die Margen der KI-Unternehmen beeinflusst.

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