

Quantencomputer werden als die nächste technische Revolution bezeichnet, mit der sich nicht nur riesige Datenmengen verarbeiten lassen, sondern Rechenoperationen im Vergleich mit herkömmlichen Rechnerarchitekturen in kürzerer Zeit durchführbar sind. 2026 entwickelt sich zu einem wichtigen Jahr für die Branche: Der Trend geht stärker von der Grundlagenforschung zur praktischen Nutzung.
Gerade das Thema Rechenleistung, KI-Training und deren Kosten spielen als Motor eine Rolle. Unternehmen wie IonQ streben unter anderem eine Verbindung von Quantenprozessoren mit KI-Infrastruktur an – wodurch das Thema auch für Hyperscaler interessant wird. Unter anderem arbeiten Nvidia und Microsoft aktiv in diesem Bereich.
Welche Quantencomputer-Aktien letztlich für das eigene Depot interessant werden, hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab. Ein wichtiger Punkt ist die persönliche Risikoeinstellung, da gerade bei reinen Quantencomputerunternehmen die Möglichkeit starker Kursbewegungen nicht unterschätzt werden darf.
Zudem sind einige Kennzahlen von Bedeutung. Bei Pure Plays steht die Liquidität im Mittelpunkt. Unternehmen wie IonQ, Rigetti oder D-Wave investieren hohe Beträge in Forschung und Entwicklung, obwohl ihre Umsätze noch gering sind. Ein hoher Cash-Bestand reduziert das Risiko, kurzfristig neues Kapital aufnehmen zu müssen.
Die Cash-Burn-Rate ermöglicht die Abschätzung, wie schnell diese Liquidität verbraucht wird. Außerdem in die Bewertung einfließen kann das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das sich gerade bei Quantum-Aktien eignet, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Ob sich aus dem Geschäftsmodell letztlich eine tragfähige Basis entwickelt, zeigen unter anderem die Auftragseingänge und die abgearbeiteten Kundenaufträge. Wer sich als Anleger eher auf Big Tech konzentriert, betrachtet andere Kennzahlen, wie das Forward-KGV oder den Free Cashflow.

IonQ (Foto: Shutterstock/ lilaclion)
IonQ ist eines der bekanntesten börsennotierten Quantencomputer-Pure-Plays. Das Unternehmen aus College Park/Maryland setzt auf sogenannte Trapped-Ion-Systeme (Ionenfallen), bei denen elektrisch geladene Atome als Qubits (Quantenbit, die kleinste Informationseinheit der Quanteninformatik; auch die Bezeichnung der Quantenschaltkreise) dienen. Der Ansatz zielt auf eine hohe Genauigkeit und vergleichsweise lange Kohärenzzeiten (Zeitraum, für den ein Quantensystem stabile Eigenschaften beibehält).
| Kennzahl* | Wert |
|---|---|
| Umsatz 2027 (Schätzung) | circa 809 Mio. USD |
| Umsatzwachstum 2027 (Schätzung) | circa 82 Prozent |
| Cash & Investments Q2 2026 | circa 3,0 Mrd. USD |
| Operativer Cash Burn H1 2026 | circa 255 Mio. USD |
| FCF 2027 (Schätzung) | circa -718 Mio. USD |
* Bei allen Angaben handelt es sich um Analystenschätzungen, die tatsächlichen Ergebnisse für die betreffenden Geschäftsjahre können im weiteren Verlauf abweichen.
Anhand der Kennzahlen ergibt sich ein geteiltes Bild: IonQ wächst zwar schnell und besitzt eine hohe Liquiditätsreserve. Gleichzeitig ist der Kapitalverbrauch für die Unterhaltung des Geschäfts- und Entwicklungsbetriebs allerdings erheblich. Wer IonQ als Investment sieht, hat deshalb nicht schnelle Gewinne im Auge, sondern ein Investment in die Zukunft – mit einer hohen Erwartung an das Kommerzialisierungspotenzial.

Rigetti Computing (Foto: Shutterstock/ Below the Sky)
Rigetti Computing verfolgt einen ungewöhnlichen technologischen Ansatz: Das kalifornische Unternehmen entwickelt supraleitende Schaltkreise und produziert seine Prozessoren weitgehend selbst. Damit ähnelt die Architektur des 2013 gegründeten Pure Plays stärker dem Ansatz von Unternehmen wie IBM oder Google. Die hergestellten Chips werden in eine Kontrollarchitektur integriert. Rigetti entwickelt zudem die Software, um die Quantenchips zu programmieren.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz Q2 2026 | circa 5,1 Mio. USD |
| Operativer Verlust Q2 2026 | circa 28,1 Mio. USD |
| Cash & Investments | circa 541 Mio. USD |
| EBIT 2027 (Schätzung) | circa -90 Mio. USD |
| KGV | negativ |
* Bei allen Angaben handelt es sich um Analystenschätzungen, die tatsächlichen Ergebnisse für die betreffenden Geschäftsjahre können im weiteren Verlauf abweichen.
Aus Anlegersicht ist Rigetti eher als Hochrisiko-Investment einzustufen. Die Liquidität reduziert für das Unternehmen kurzfristig das Finanzierungsrisiko, Umsatzbasis und Cashflow sind aber immer noch deutlich zu klein. Die entscheidende Frage wird lauten, ob sich die von Rigetti Computing entwickelten Systeme und staatliche Aufträge in einen nachhaltigen Umsatzanstieg übersetzen lassen.

D-Wave Quantum (Foto: Shutterstock/ Below the Sky)
Während sich IonQ und Rigetti Computing direkt auf die Entwicklung der Quantencomputinglösungen fokussieren, geht D-Wave einen anderen Weg: Hier steht das Quantum Annealing im Mittelpunkt. Diese Technologie beschäftigt sich vor allem mit Optimierungsverfahren auf Basis von Quantenfluktuationen. Zusätzlich arbeitet das Unternehmen aus Kanada inzwischen auch an Gate-Model-Systemen (ein spezielles Schaltungsmodell).
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz Q2 2026 | circa 3,1 Mio. USD |
| Auftragseingang H1 2026 | circa 35,5 Mio. USD |
| EBIT 2026 (Schätzung) | -130,6 Millionen USD |
| Freier Cashflow 2026 (Schätzung) | rund -140 Mio. USD |
| Bruttomarge Q2 2026 | circa 55,4 Prozent |
* Bei allen Angaben handelt es sich um Analystenschätzungen, die tatsächlichen Ergebnisse für die betreffenden Geschäftsjahre können im weiteren Verlauf abweichen.
D-Wave weist in den Schätzungen für das EBIT-Ergebnis 2026 und 2027 ein deutliches Minus aus – von -130 Millionen US-Dollar bzw. -155 Millionen US-Dollar. Auf der anderen Seite zeigt der Auftragseingang eine interessante Entwicklung. Für D-Wave wird mittelfristig allerdings entscheidend sein, die Aufträge in wiederkehrende Erlöse umzuwandeln. Die Quantencomputer-Aktie bleibt hochspekulativ, was in die Entscheidung in jedem Fall einfließen muss.

IBM (Foto: Shutterstock/ Framalicious)
IBM gehört zu den etablierten Unternehmen im Computing und hat im Vergleich zu Pure Play den Vorteil, bereits sehr tief mit verschiedenen Geschäftsbereichen in den jeweiligen Märkten etabliert zu sein. Für Anleger ergibt sich damit die Möglichkeit, in ein Unternehmen zu investieren, das Quantencomputing betreibt – den notwendigen Cashflow aber über andere Bereiche realisieren kann. Der Konzern entwickelt seit Jahren eigene supraleitende Quantenprozessoren und betreibt mit Qiskit eine Softwareplattform für Quantum Computing.
| Kennzahl | Wert 2027 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatz | circa 73,1 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | circa 3,9 Prozent |
| Forward-KGV | circa 17,2 |
| Free Cashflow | circa 17,2 Mrd. USD |
| Quantum-Meilenstein | Starling 2029 |
* Bei allen Angaben handelt es sich um Analystenschätzungen, die tatsächlichen Ergebnisse für die betreffenden Geschäftsjahre können im weiteren Verlauf abweichen.
IBM ist keine reine Quantencomputer-Aktie, sondern ein etablierter Marktteilnehmer, für den Quantencomputing ein Geschäftsfeld in einem breiten Netzwerk verschiedener Geschäftsbereiche ist. Sollten die ambitionierten Projekte scheitern, bleibt für den Konzern das Kerngeschäft bestehen. Gelingt der Durchbruch, besitzt IBM dagegen bereits die nötigen Hardwareressourcen, Software und ein großes Unternehmensnetzwerk – um von der Entwicklung zu profitieren.

Alphabet (Foto: Shutterstock/ sdx15)
Alphabet steht für einen der bekanntesten und wichtigsten Technologiekonzerne weltweit. Das Unternehmen mit Sitz in den USA ist der Name hinter der größten Suchmaschine (Google) und verfolgt inzwischen Ziele, die weit über den reinen Suchtraffic hinausgehen. In den letzten Jahren hat sich Alphabet auch für die Entwicklung des Quantencomputing interessiert. Google Quantum AI ist einer der technologisch ambitionierten Ansätze.
Unter anderem war die Vorstellung des Willow-Chips ein wichtiger Schritt, da Google hier zeigen konnte, dass sich die Fehlerquote beim Einsatz größerer logischer Qubit-Strukturen reduzieren lässt. Für Anleger bleibt Quantencomputing allerdings nur ein kleiner Teil des gesamten Alphabet-Konzerns. Werbung, Cloud-basierte Services und KI bestimmen weiter den Umsatz und den Gewinn. Erwartet werden für 2026 rund 500 Milliarden US-Dollar Umsatz und für 2027 bereits mehr als 610 Milliarden US-Dollar.
| Kennzahl | Wert 2027 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatz | circa 612 Mrd. USD |
| Umsatzwachstum | circa 23 Prozent |
| Forward-KGV | circa 22 |
| Quantum-Umsatz | nicht separat ausgewiesen |
* Bei allen Angaben handelt es sich um Analystenschätzungen, die tatsächlichen Ergebnisse für die betreffenden Geschäftsjahre können im weiteren Verlauf abweichen.
Alphabet ist wie IBM (oder Nvidia) ebenfalls keine klassische Wette auf das Quantencomputing. Gerade für Anleger, die den Einstieg in Hochrisiko-Werte scheuen, kann sich hier aber ein interessanter Investmentcase ergeben: Der Kauf von Alphabet-Aktien verbindet Quantencomputing mit dem Vorteil eines begrenzten Risikos. Selbst jahrelange Forschungskosten fallen im Verhältnis zum Gesamtkonzernumsatz kaum ins Gewicht, während erfolgreiche kommerzielle Durchbrüche langfristig zusätzliche Werte schaffen.

Fujitsu (Foto Shutterstock josefkubes)
Fujitsu zählt zu den interessantesten asiatischen Unternehmen im Bereich Quantumcomputing. Gemeinsam mit dem japanischen Forschungsinstitut RIKEN arbeitet der Konzern an supraleitenden Quantencomputern und erforscht alternative Qubit-Technologien. Damit verfolgt Fujitsu einen langfristigen Forschungsansatz, ist finanziell aber nicht von kurzfristigen Quantumcomputing-Umsätzen abhängig, da der Konzern die Entwicklungskosten auch aus den etablierten IT- und Dienstleistungsgeschäften finanziert.
Damit fällt letztlich auch die Bewertung moderater aus im Vergleich zu den Pure-Play-Aktien. Für das bis März 2027 laufende Geschäftsjahr wird mit rund 3,5 Billionen Yen Umsatz gerechnet, für 2028 bewegt sich die Prognose in Richtung 3,6 Billionen Yen. Damit ergibt sich ein Forward-KGV von 18. Gleichzeitig steigt das erwartete EBIT von etwa 416 auf 472 Milliarden Yen.
| Kennzahl | GJ 2028e |
|---|---|
| Umsatz | circa 3,67 Bio. JPY |
| Umsatzwachstum | circa 3,9 Prozent |
| Forward-KGV | circa 18,3 |
| EBIT | circa 472 Mrd. JPY |
| Quantum-Umsatz | nicht separat ausgewiesen |
* Bei allen Angaben handelt es sich um Analystenschätzungen, die tatsächlichen Ergebnisse für die betreffenden Geschäftsjahre können im weiteren Verlauf abweichen.
Für Fujitsu gelten ähnliche Aussagen wie für IBM oder Alphabet: Anlegern bietet sich die Möglichkeit, den Einstieg in Quantencomputer-Aktien mit einem Investment in ein etabliertes Unternehmen zu verbinden. Auf diese Weise verringert sich das Risiko, da das Kapital nicht ausschließlich in ein Hochrisiko-Investment fließt. Die etablierten Geschäftsbereiche von Fujitsu wirken in diesem Zusammenhang quasi als Puffer.

Die Quantencomputer-Aktien geraten durch die aktuellen Entwicklungen weiter in den Fokus der Anleger (Foto: Shutterstock/ nepool)
Quantencomputer lösen Probleme sehr viel schneller als herkömmliche Rechner und gelten unter Befürwortern als die nächste technische Revolution – sofern sie kommerziell einsatzfähig werden. Aus Anlegersicht handelt es sich vor allem um ein Investment mit hohen Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit Pure-Play-Entwicklern, deren einziger Fokus auf das Quantencomputing gerichtet ist. Diese brauchen erhebliche Kapitalsummen in der Entwicklungsphase, erzielen aber selten entsprechend hohe Umsätze. Eine Entwicklung, die viele Start-ups durchlaufen.
Nur eben, dass Quantencomputer bisher eine Technik sind, deren Umsetzung für die breite Masse noch aussteht. Auf der anderen Seite stehen Big-Tech-Unternehmen, die ebenfalls aktiv an Quantencomputing arbeiten, den Entwicklungsaufwand allerdings aus dem operativen Geschäft finanzieren können. Der Vorteil: Für Anleger sinkt das Risiko, da nicht erfüllte Quantencomputer-Erwartungen die Rendite nicht überdurchschnittlich belasten. Aber: Das starke Wachstum bei einem Erfolg könnte hier auch geringer ausfallen.
Pure-Play-Aktien wie IonQ oder D-Wave erzielen einen wesentlichen Teil ihrer Geschäftstätigkeit direkt mit Quantencomputing. Ihre Kursentwicklung hängt deshalb stark vom technischen Fortschritt, neuen Aufträgen und der Finanzierung ab. Bei IBM, Alphabet oder Nvidia ist Quantencomputing dagegen nur ein kleiner Teil des Gesamtkonzerns. Anleger investieren hier in deutlich breiter diversifizierte Geschäftsmodelle, dafür hat Quantencomputing wesentlich weniger direkten Einfluss auf Umsatz und Aktienkurs.
Quantencomputer-Aktien eignen sich vor allem für Anleger, die hohe technologische und wirtschaftliche Unsicherheit akzeptieren. Besonders Pure Plays schreiben häufig noch Verluste, verbrauchen viel Kapital und können bei enttäuschenden Entwicklungsfortschritten stark schwanken. Als Beimischung können sie ein Depot um eine spekulative Zukunftstechnologie ergänzen. Wer dagegen Wert auf stabile Gewinne, Dividenden und gut prognostizierbare Cashflows legt, sollte sich auf Aktien mit einem geringeren Risikoprofil konzentrieren.
Pure Plays wie IonQ oder Rigetti sind klar wachstumsorientierte und spekulative Aktien, weil ihre Bewertung stark auf den zukünftigen technologischen Erfolgen basiert. Über Unternehmen wie IBM, Alphabet, Nvidia oder Fujitsu lässt sich das Thema aber auch in breiter aufgestellte Portfolios integrieren. Hier ist Quantencomputing eher eine langfristige technologische Option innerhalb eines bereits profitablen Geschäftsmodells.

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