

Der Fokus vieler Anleger ist 2026 auf KI gerichtet. Analysten sehen gerade in Robotik ein Segment, das in Zukunft sehr stark an Bedeutung gewinnen kann – sowohl im industriellen Rahmen als auch im privaten Alltag. Wer an dem sich abzeichnenden Megatrend partizipieren will, muss am Aktienmarkt einzelne Unternehmen sehr differenziert betrachten.
Die Fortschritte im Bereich der humanoiden Robotik werden durch Entwickler häufig plakativ in Szene gesetzt. Gerade die weniger sichtbaren Bereiche, wie Industrieroboter oder die Fertigung der Peripherie (Sensorik und Hochleistungsgelenke) haben aber ein starkes Wachstumspotenzial.
Robotik wird von verschiedenen Analysten als der neue Megatrend angesehen, bei dem sich KI und praktische Anwendungsfälle kombinieren lassen. Der Weg geht in zwei Richtungen: Industrieroboter sind auf Effizienz getrimmt und die Erledigung fester Aufgabenschemen. Humanoide Roboter werden für Bereiche entwickelt, in denen sich Mensch und Maschine immer wieder begegnen – wie den Einsatz in der Pflege oder zu Hause.
Entsprechend groß ist das Interesse an Robotik-Aktien bei Anlegern, die sich im Zusammenhang mit der Wachstumskomponente im Depot nicht ausschließlich auf KI-Aktien verlassen wollen. Für die Bewertung der Roboter-Aktien ziehen wir vier Kennzahlen heran:
Das Umsatzwachstum ist ein Messwert dafür, ob sich die Nachfrage nach Automatisierung tatsächlich in steigende Erlöse übersetzen lässt. Das Forward-KGV ordnet ein, wie stark Anleger die erwarteten Gewinne bereits einpreisen. Anhand der EBIT-Marge lässt sich ablesen, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der operativen Kosten als Ergebnis im Unternehmen verbleibt. Gerade bei Robotikunternehmen ist diese Bewertungskennzahl von Bedeutung, da die Hardwareproduktion und die Systemintegration sehr unterschiedliche Margen ermöglichen. Die Free-Cashflow-Marge hält fest, wie viel Umsatz aus dem laufenden Geschäft und nach den notwendigen Investitionen tatsächlich als freier Cashflow übrig bleibt.

Rockwell Automation (Foto: Shutterstock/ Photo For Everything)
Rockwell Automation ist ein Unternehmen, das sich speziell im Zusammenhang mit der industriellen Automatisierung bereits stark positioniert hat. Das US-Unternehmen entwickelt für diesen Sektor unter anderem:
Damit profitiert Rockwell nicht direkt durch den einzelnen Roboter, sondern fokussiert sich auf einen übergeordneten Trend – den zur digitalisierten und automatisierten Fabrik.
Im Produktportfolio sind einige Punkte besonders interessant. Unter anderem sorgt die Verbindung klassischer Steuerungstechnik mit Software und Datenanalyse für eine Position als Entwickler von Schnittstellenlösungen. Mithilfe der Tools, die Rockwell Industriepartnern in die Hand gibt, lassen sich Produktionslinien zunehmend zentral überwachen und optimieren. Durch die Möglichkeit der Systemintegration in bestehende Anlagenkonzepte müssen Unternehmen zudem nicht sofort ihre gesamte Infrastruktur für die Automatisierung austauschen.
Für 2026 erwarten Analysten rund 9 Milliarden US-Dollar Umsatz, für 2027 etwa 9,56 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem vergleichsweise moderaten Wachstum von rund 5 Prozent. Der erwartete EBIT steigt von 1,91 auf 2,13 Milliarden US-Dollar, womit die EBIT-Marge 2027 bei rund 22 Prozent liegt. Das Forward-KGV beträgt etwa 28,9.
| Kennzahl | 2027 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatzwachstum* | ca. 5 Prozent |
| Forward-KGV | ca. 28,9 |
| EBIT-Marge | ca. 22 Prozent |
| Umsatz | ca. 9,56 Mrd. USD |
* im Vergleich zum letzten Geschäftsjahr
Die Kennzahlen zeichnen für Rockwell Automation das Bild von einem Unternehmen, das im Vergleich zu jungen, dynamischen Robotikunternehmen langsamer wächst, im Gegenzug aber eine hohe operative Marge erzielt. Das Forward-KGV ist bereits hoch, Anleger preisen einen Teil der Entwicklung am Markt bereits ein. Das Potenzial der Aktie liegt nicht so stark in schnellem Wachstum, sondern einem stetigen Ausbau der Marktanteile durch ein Anwachsen der Automatisierungsinvestitionen.

Teradyne (Shutterstock/ Piotr Swat)
Teradyne spielt als Unternehmen gerade für die Halbleiterindustrie eine große Rolle – durch die Position als Entwickler von Testsystemen für Mikroprozessoren, Speicherchips und elektronische Schaltkreise. Auf der anderen Seite greift das Unternehmen aber auch die Robotik zunehmend auf und etabliert sich in diesem Sektor unter anderem durch Marken wie Universal Robots. Im Fokus steht die Entwicklung kollaborativer Roboter (Cobots), die gemeinsam mit Menschen arbeiten können. Zusätzlich ist mit Mobile Industrial Robots eine weitere Marke Teil des Konzerns.
| Kennzahl | 2027 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatzwachstum* | ca. 21,2 Prozent |
| Forward-KGV | ca. 28,4 |
| EBIT-Marge | ca. 34,6 Prozent |
| FCF-Marge | ca. 20,8 Prozent |
* im Vergleich zum letzten Geschäftsjahr
Teradyne zeigt beim Blick auf die Kennzahlen ein starkes Wachstum in Verbindung mit einer soliden Profitabilität. Anleger müssen sich für die Bewertung aber klar sein, dass ein erheblicher Anteil der Umsätze nicht allein aus der Robotik kommt, sondern über das Halbleitertestgeschäft beigesteuert wird. Ein weiterer Aspekt ist die enge Verbindung zum KI-Boom. Dieser ist nach wie vor ein starker Wachstumsmotor. Allerdings zeigt sich auch zunehmend, wo bei Künstlicher Intelligenz Risiken liegen.

Intuitive Surgical (Foto: Shutterstock/ Sundry Photography)
Intuitive Surgical ist eines der Beispiele dafür, dass Robotik nicht ausschließlich im industriellen Umfeld eine Rolle spielt. Der US-Konzern entwickelt mit dem Da-Vinci-System eine Plattform für robotergestützte Operationen – unter anderem im Zusammenhang mit minimalinvasiven Eingriffen. Die Besonderheit: Die Geräte arbeiten (noch) nicht autonom, Chirurgen steuern hochpräzise Instrumente über eine Konsole.
| Kennzahl | 2027 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatzwachstum* | ca. 12,9 Prozent |
| Forward-KGV | ca. 30,6 |
| EBIT-Marge | ca. 39,7 Prozent |
| FCF-Marge | ca. 35,9 Prozent |
* im Vergleich zum letzten Geschäftsjahr
Insgesamt lässt sich aus den Kennzahlen ein profitables Geschäftsmodell ableiten. Intuitive Surgical wächst zwar langsamer als Robotik-Start-ups, erzielt aber eine hohe Marge und einen hohen Free Cashflow. Gerade die Lifetime-Umsätze aus dem Zubehörsegment stützen die Bewertung. Allerdings drückt sich durch das Forward-KGV von 30,6 auch eine hohe Erwartung der Anleger in die Aktie aus.

KION Group (Foto: Shutterstock/ Kittyfly)
KION ist in der Branche vor allem als Hersteller von Flurförderzeugen und innerbetrieblichen Transportautomatisierungen bekannt. Über die Tochter Dematic ist der deutsche Konzern allerdings auch stark in den Bereich der Lager- und Lieferkettenautomatisierung involviert. Unter anderem setzt KION auf Automated Guided Vehicles (AGV) und Autonomous Mobile Robots (AMR).
| Kennzahl | 2027 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatzwachstum* | ca. 5,2 Prozent |
| Forward-KGV | ca. 9,4 |
| EBIT-Marge | ca. 8,6 Prozent |
| FCF-Marge | ca. 5,1 Prozent |
* im Vergleich zum letzten Geschäftsjahr
KION fällt in der Betrachtung der Kennzahlen durch die niedrige Bewertung beim Forward-KGV auf. Zudem sind die Margen im Vergleich mit anderen Aktien schlechter. Aber: Lieferketten und damit auch die Logistik sind ein wachsender Wirtschaftssektor, der unter einem anhaltenden Fachkräftemangel leidet. Insofern zeichnet sich hier auch langfristig ein Wachstumspotenzial ab.

Yaskawa Electric (Foto: Shutterstock/ JHVEPhoto)
Yaskawa Electric zählt zu den wichtigen globalen Unternehmen im Bereich der Industrierobotik und Automation – dessen Bedeutung vielen Anlegern im ersten Moment nicht bewusst ist. Yaskawa ist vor allem für seine Motoman-Roboter bekannt, die unter anderem in der Automobil-, Elektronik- und Metallindustrie eingesetzt werden.
| Kennzahl | 2028 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatzwachstum* | ca. 7,7 Prozent |
| Forward-KGV | ca. 20,1 |
| EBIT-Marge | ca. 11,8 Prozent |
| FCF-Marge | ca. 4,6 Prozent |
* Aufgrund des abweichenden Geschäftsjahres werden die Geschäftsjahre 2027 und 2028 verglichen.
Yaskawa ist mit einem Forward-KGV von rund 20 moderater bewertet als viele US-Wachstumswerte. Angesichts der Bedeutung und Markttiefe des Unternehmens kann hier aber auch nicht von einem jungen Wachstumswert gesprochen werden, Yaskawa Electric ist ein etablierter Player im Bereich der Robotik. Anleger müssen durch den starken Fokus auf Industrieautomatisierung berücksichtigen, dass der Umsatz bei Yaskawa immer an die Industrienachfrage gekoppelt ist.

Keyence (Foto: Shutterstock/ Piotr Swat)
Keyence stellt selbst keine Industrieroboter her, spielt für deren Fertigung aber als Zulieferer eine besondere Rolle, da das japanische Unternehmen in den Bereichen Sensorik und Machine Vision eine starke Position etabliert hat. Erst leistungsfähige Kamerasysteme, Lasersensoren und Messgeräte ermöglichen es Maschinen und Robotern, Objekte zu erkennen und Prozesse aus den damit gewonnenen Daten präzise zu kontrollieren.
| Kennzahl | 2028 (Schätzung) |
|---|---|
| Umsatzwachstum* | ca. 12,0 Prozent |
| Forward-KGV | ca. 30,0 |
| EBIT-Marge | ca. 53,2 Prozent |
| FCF-Marge | ca. 23,9 Prozent |
* Aufgrund des abweichenden Geschäftsjahres werden die Geschäftsjahre 2027 und 2028 verglichen.
Die EBIT-Marge und das Wachstum beim Umsatz sind zwei Gründe, die das hohe Forward-KGV von Keyence am Markt erklären. Anleger haben die Prognosen bereits in ihre Erwartungen eingepreist. Neben neuen Sensoren für Modellreihen, die bei verschiedenen Herstellern in der Entwicklung sind, erzielt Keyence einen Teil seiner Gewinne auch durch den Bedarf an Ersatzteilen für im Einsatz befindliche Systeme.
Die Tech-Branche boomt aktuell vor allem aus einem Grund – weil KI die Nachfrage nach Rechenleistungen antreibt. Ein immer höherer Bedarf an Chips, GPUs und der Infrastruktur hinter Datenzentren dominiert auch an den Aktienmärkten die Wahrnehmung. Dabei entwickelt sich gerade Robotik zu einem Segment, das in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum erleben kann. Eine Verbindung aus KI und Robotersystemen eröffnet Entwicklern und Herstellern neue Möglichkeiten, mit denen sich eine noch höhere Effizienz und Leistungsfähigkeit realisieren lässt. Anleger sollten sich im Hinblick auf interessante Aktien aber nicht ausschließlich auf Unternehmen, die fertige Robotik-Systeme ausliefern, sondern auch Aktien ins Auge fassen, die sich in den Bereichen Sensorik und Motorik etabliert haben.
Vor dem Hintergrund, dass die Entwicklung gerade in Asien und den USA stark vorangetrieben wird, kann sich im Portfolio durchaus eine gewisse Konzentration aufbauen. Gleichzeitig entsteht eine starke Nähe zum KI-Sektor. Damit könnten Korrekturen in diesem Bereich auch auf die Robotik ausstrahlen. Aber: Die reale Wertschöpfung ist gerade durch die Industrieautomation hier bereits stärker etabliert.
Eine pauschale Antwort ist hier schwierig, da beide Segmente Vor- und Nachteile haben. Start-ups wachsen stark, zeichnen sich aber auch durch eine hohe Volatilität und oft niedrige EBIT-Kennzahlen aus. Letztlich hat die gewählte Anlagestrategie für individuelle Entscheidungen große Bedeutung.
Ja, es gibt direkt und indirekt mehrere Einflussfaktoren. Ein wichtiger Punkt ist die Industrienachfrage, da speziell die Robotik in diesem Bereich einen starken Markt sieht. Zudem machen sich Zinsentscheidungen der Zentralbanken gerade in Teilsektoren bemerkbar, die stark von Kreditfinanzierungen abhängig sind.

Zum Anbieter
*
Zum Anbieter
*


Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.