

Turnaround-Aktien stehen am Markt unter Druck, bieten Anlegern dafür aber auch hohe Renditeerwartungen. Schaffen es Unternehmen, sich aus dem Bewertungstief herauszuarbeiten, zieht der Kurs an den Börsen spürbar an.
Ein potenzielles Beispiel ist mit Nike ein Unternehmen aus dem Bereich der Konsumgüter. Was die Aktie unter Druck setzt, sind Vertriebsprobleme und ein schwaches Wachstum – in Kombination mit einem chinesischen Markt, der sich nicht wie erhofft entwickelt hat. Es gibt aber Anzeichen, die auf eine Erholung hindeuten.
2026 ist ein Börsenjahr, das für eine ganze Reihe Aktien entscheidend wird. Die geopolitischen Entwicklungen der zurückliegenden Jahre haben in verschiedenen Branchen wirtschaftlichen Druck aufgebaut. China, das immer wieder bei zentralen Rohstoffen wie den Seltenen Erden durch Restriktionen eine Verknappung entstehen lässt, oder die USA mit ihrer zuerst erratischen Zoll- und zuletzt aggressiven Außenpolitik verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Unternehmen.
Einige Aktien sind erst in den zurückliegenden ein bis zwei Jahren unter Druck geraten, andere Aktiengesellschaften sehen sich bereits länger strukturellen Schwächen gegenüber. Für unsere Top 6 Turnaround-Aktien ziehen wir einen Mix aus wirtschaftlichen Kennzahlen und einen Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung für die Bewertung heran.

Nike (Foto: Shutterstock/ sdx15)
Nike (NKE) ist einer der Turnaround-Kandidaten im Konsumsektor. Probleme hat die Aktie am Markt aus mehreren Gründen: Ein schwaches Wachstum und Probleme im Direktvertrieb setzen den Sportartikelkonzern genauso unter Druck wie die Konkurrenz durch Marken wie On und Hoka.
| Kennzahl | Wert (Stand: Anfang September 2026) |
|---|---|
| Kurs | rund 37 USD |
| Kursziel | rund 49 USD |
| Umsatz 2026 | rund 46 Mrd. USD |
| Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis | circa 0,80 |
| KUV | 1,18 |
| Altman-Z-Score | 4,31 |

Intel (Foto: Shutterstock/ Piotr Swat)
Intel (INTC) ist der ehemalige Branchenprimus, wenn es um die Entwicklung und Fertigung von Computerchips geht. Allerdings sind in den zurückliegenden Jahren eine Reihe von Problemen entstanden, die dessen Entwicklung bremsen und für das Management erhebliche Herausforderungen bedeuten.
| Kennzahl | Wert (Stand: Anfang September 2026) |
|---|---|
| Kurs | rund 100 USD |
| Kursziel | rund 112 USD |
| Umsatz 2025 | rund 52,85 Mrd. USD |
| Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis | circa 0,90 |
| KUV | 9,24 |
| Altman-Z-Score | 2,23 |

Siemens Energy (Foto: Shutterstock/ DennisF )
Siemens Energy (ENER6Y) ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das sich mitten in seinem Turnaround-Zyklus steckt. Schuld an der Misere war unter anderem die Tochter Siemens Gamesa, bei der aufgrund von technischen Mängeln an Turbinen und hohen operativen Kosten erhebliche Verluste entstanden.
| Kennzahl | Wert (Stand: Anfang September 2026) |
|---|---|
| Kurs | rund 144 Euro |
| Kursziel | über 200 Euro |
| Umsatz 2025 | rund 39 Mrd. Euro |
| Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis | circa 0,69 |
| KUV | 2,88 |
| Altman-Z-Score | 1,97 |

Puma (Foto: Shutterstock/ Sergei Prokhorov)
Der Sportartikelhersteller ist aufgrund einer Kombination strategischer Problemen und operativer Schwächen sowie externen Belastungen unter Druck geraten. Ähnlich der Situation bei Nike ist für einen Teil der Probleme die Vertriebsseite verantwortlich. Auf der anderen Seite hat das Management zur Entwicklung beigetragen, indem die Marke Puma sehr stark kommerziell ausgerichtet wurde und einen Teil ihres Premiumcharakters durch diesen Schritt verloren hat.
| Kennzahl | Wert (Stand: Anfang September 2026) |
|---|---|
| Kurs | rund 22 Euro |
| Kursziel | rund 29 Euro |
| Umsatz 2025 | rund 7,3 Mrd. Euro |
| Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis | circa 0,76 |
| KUV | 0,44 |
| Altman-Z-Score | 2,01 |

Vonovia (Foto: Shutterstock/ DennisF )
Bei Vonovia (A1ML7J) dreht sich alles um das Thema Wohnen. Der Immobilienkonzern verwaltet ein umfassendes Portfolio an Immobilien und ist in vielen deutschen Großstädten vertreten. Anders als beispielsweise bei Nike oder Intel, deren Charakter als Turnaround-Kandidat sehr stark von den Umsatzmargen getrieben wird, ist bei Vonovia ein externer Faktor entscheidend – das Thema Zinsen.
| Kennzahl | Wert (Stand: Anfang September 2026) |
|---|---|
| Kurs | rund 18 Euro |
| Kursziel | rund 28 Euro |
| Umsatz 2025 | rund 4,98 Mrd. euro |
| Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis | circa 0,64 |
| KUV | 3,09 |
| Altman-Z-Score | rund 0,65 |

Bayer (Foto: Shutterstock/ Alfred Sonsalla)
Bayer ist einer der weltgrößten Chemiekonzerne und Teil der Gruppe deutscher Unternehmen, die es in den DAX geschafft haben. Obwohl Bayer im Jahr 2025 mehr als 45 Milliarden Euro umgesetzt hat, ist das Unternehmen ein Turnaround-Kandidat.
| Kennzahl | Wert (Stand: Anfang September 2026) |
|---|---|
| Kurs | rund 48 Euro |
| Kursziel | rund 58 Euro |
| Umsatz 2025 | rund 45,6 Mrd. Euro |
| Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis | circa 0,84 |
| KUV | 1,05 |
| Altman-Z-Score | rund 1,06 |
Bei Turnaround-Aktien ist der Aktienkurs als Kauf- und Bewertungssignal allein nicht ausreichend. Um das Kurspotenzial auszuschöpfen, müssen die Probleme der Unternehmen lösbar sein. Zudem darf der Markt eine mögliche Erholung noch nicht vollständig in den Aktienkurs eingepreist haben. Zur Bewertung der Wertpapiere müssen Anleger verschiedene Bewertungs- und Risikokennzahlen heranziehen.
Es gibt an, welcher Aktienkurs innerhalb eines bestimmten Zeitraums angemessen zu erachten ist. Dabei fließen unter anderem Erwartungen hinsichtlich des Umsatzes, des Gewinns, der Margen und der zukünftigen Geschäftsentwicklung ein. Liegt das Kursziel deutlich über dem aktuellen Börsenkurs, deutet dies auf ein entsprechendes Aufwärtspotenzial hin.
Dieser Wert setzt den aktuellen Aktienkurs zum angenommenen Kursziel der Aktie ins Verhältnis. Bei einem Aktienkurs von 80 Euro und einem Kursziel von 100 Euro ergibt sich beispielsweise ein Wert von 0,80. Die Aktie wird damit 20 Prozent unter dem angenommenen fairen Wert gehandelt. Werte unter 1 können grundsätzlich auf eine Unterbewertung hindeuten, während Werte über 1 bedeuten, dass der aktuelle Kurs bereits über dem verwendeten Wert liegt. Für Turnaround-Aktien ist die Kennzahl besonders interessant, da sie zeigt, in welchem Umfang der Markt eine erwartete Erholung bereits eingepreist hat.
Die Kennzahl setzt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens zu seinem Jahresumsatz ins Verhältnis. Ein KUV von 1 bedeutet beispielsweise, dass das Unternehmen an der Börse ungefähr mit der Höhe eines Jahresumsatzes bewertet wird. Bei Turnaround-Aktien kann das KUV gegenüber dem klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnis einen Vorteil haben: Unternehmen in einer Restrukturierungsphase schreiben mitunter Verluste oder erzielen stark schwankende Gewinne. Das KGV lässt sich bei einem negativen Jahresergebnis nicht sinnvoll interpretieren. Umsätze bleiben dagegen auch während einer Verlustphase als Bezugsgröße relevant.
Während Kursziel, Kurs-zu-Kursziel-Verhältnis und KUV vor allem Hinweise auf die Bewertung einer Aktie liefern, betrachtet der Altman-Z-Score die finanzielle Stabilität des Unternehmens. Das Modell kombiniert mehrere Bilanz- und Ergebnisgrößen. Dazu gehören unter anderem das Working Capital, die Gewinnrücklagen, die Verbindlichkeiten und das Verhältnis zwischen Umsatz und Gesamtvermögen. Beim klassischen Altman-Z-Score gelten Werte oberhalb von 2,99 als vergleichsweise solide. Ergebnisse zwischen 1,81 und 2,99 fallen in die sogenannte Grey Zone. Unterhalb von 1,81 spricht das Modell von der Distress Zone.
Gerade bei Turnaround-Aktien ist diese zusätzliche Perspektive wichtig. Eine Aktie kann auf den ersten Blick günstig wirken, während eine hohe Verschuldung oder eine schwache Liquiditätsposition den Turnaround gefährdet.

Turnaround-Aktien sind bei Anlegern sehr beliebt (Foto: Shutterstock/ PeopleImages)
Turnaround-Aktien bieten Anlegern überdurchschnittliche Renditechancen – wenn es den Unternehmen gelingt, operative und strukturelle Probleme erfolgreich zu lösen und wieder zu einem nachhaltigen Wachstum zurückkehren. Ausgangspunkt der Bewertung kann aber nicht allein der aktuelle Kurs sein. Anhand unserer Turnaround-Aktien wird deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangssituation ausfallen kann. Anleger müssen auf verschiedene Kennzahlen zurückgreifen, um die Situation der Aktiengesellschaften objektiv zu bewerten. Neben dem KUV und dem Altman-Z-Score braucht es immer einen Blick auf das Geschäftsmodell – und ob es in Zukunft noch tragbar ist.
Turnaround-Aktien eignen sich zur Beimischung, aber nicht als Kernbestandteil eines Depots. Der Grund sind die Renditechancen, bringen aber das Risiko einer hohen Volatilität und ein reales Ausfallrisiko mit. Sinnvoll ist eine Gewichtung neben etablierten Qualitätsaktien, gestreut über mehrere Branchen und Unternehmen, statt auf einzelne Turnaround-Kandidaten zu setzen.
Börsenneulingen muss klar sein, dass Turnaround-Aktien ein tieferes Verständnis von Bilanzen, Cashflows und Analystenberichten sowie die Fähigkeit erfordern, Rückschläge auszuhalten. Einsteigern ist daher eher zu empfehlen, sich zu Anfang mit anderen Assets, wie Welt-ETFs, zu beschäftigen.
Entscheidend sind messbare Fortschritte bei den Margen, ein stabiler oder wachsender Umsatz, ein positiver Free Cashflow und eine sinkende Verschuldung. Fehlen diese Anzeichen und sinken der Umsatz oder die Marktanteile trotz einer niedrigen Bewertung weiter, handelt es sich eher um ein Value Trap.

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