

2026 ist für Anleger eine Herausforderung – weniger aufgrund der Krise im Nahen Osten, sondern weil Tech-Werte und KI einfach dominieren. Durch das starke Wachstum in diesem Segment ist inzwischen sogar ein struktureller Impulsgeber entstanden. Speziell in den USA werden Indexwerte wie der S&P 500 gerade vom KI-Boom angetrieben.
Das Problem ist die wachsende Schuldenfinanzierung. Exorbitante Inferenzkosten stemmen inzwischen auch Hyperscaler wie Meta nicht mehr einfach aus der Portokasse, die Verschuldungsquote steigt. Anleger müssen sich angesichts damit verbundener Risiken breiter aufstellen.

Es gibt viele Value Aktien die bei Anlegern beliebt sind (Foto: Shutterstock/ Zakharchuk)
Damit eine Aktie als Value Asset gilt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – wie eine Bewertungslücke zwischen dem Börsenkurs und dem inneren Wert. Aus Anlegersicht spielt aber auch eine Rolle, wie die Unternehmen hinsichtlich der Dividenden aufgestellt sind. Unsere Liste umfasst einige klassische Beispiele für Value Aktien und Vertreter, die zyklischen Value liefern oder als Turn-around-Value gelten.
Hinter Berkshire Hathaway steht mit Warren Buffett ein bekannter Name im Bereich der Kapitalanlage. Dessen Konglomerat hat sich selbst zu einem klassischen Value-Titel entwickelt, der ein diversifiziertes Portfolio aus Versicherungen, Transport/Logistik, Energie und Industriebeteiligungen umfasst. Zu den Besonderheiten gehört eine umfassende Barreserve. Damit verfügt Berkshire Hathaway über die Flexibilität, die es für Reaktionen bei Marktkorrekturen braucht – um selbst antizyklisch zuzukaufen.
Als eine der größten US-Banken kombiniert JPMorgan Chase unterschiedliche Geschäftsbereiche miteinander. Im 12-Monatszeitraum hat die Aktie ein Plus von über 19 Prozent an der Börse erreicht, auf fünf Jahre betrachtet liegt das Plus sogar bei mehr als 25 Prozent. Der Gewinn je Aktie ist in den letzten Jahren solide gewachsen, wenngleich der Umsatz zwischen 2025 und 2024 stagniert hat. Aus Anlegersicht dürfte interessant sein, dass die Bank in den letzten Jahren eine Dividende zwischen 4 und 5 US-Dollar an Aktionäre ausgezahlt hat. Zu den Stärken eines Investments in JPMorgan gehört die Diversifikation in den Bereichen Investmentbanking, Privatkundengeschäft, Kreditkartengeschäft und Vermögensverwaltung, was Risiken in den einzelnen Geschäftsfeldern abfedert.
Der Mineralölkonzern profitiert aktuell sehr stark von den hohen Energiepreisen. Wie genau das Geschäftsjahr 2026 aussehen wird, bleibt abzuwarten. Angesichts der Energiepreise gehen Analysten aber von einem Umsatz von mehr als 400 Milliarden US-Dollar aus. Aktionäre profitieren bei Exxon über Dividenden und Aktienrückkäufe. Allerdings muss Anlegern an dieser Stelle auch klar sein: Die Bewertung des Unternehmens bleibt volatil, da der Markt den strukturellen Gegenwind durch die Energiewende berücksichtigen muss. Mit Investitionen in nachhaltige Energiekonzepte versucht ExxonMobil, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten.
Innerhalb des letzten Jahres hat Chevron ein starkes Plus von über 29 Prozent auf dem Parkett eingefahren. Ähnlich wie ExxonMobil profitiert Chevron dabei von der Preisentwicklung auf dem Energiemarkt. Trader müssen in Bezug auf die Fundamentaldaten, wie beim Umsatz, stark auf den Rohölpreis achten. Parallel spielt für die Entscheidung die Bilanzpolitik eine Rolle. Chevron kann diesbezüglich unter anderem eine solide Fremdkapitalquote nachweisen. Die Energiewende und die Tatsache, dass hohe Fördermengen zum Beispiel aus dem Fracking die Märkte belasten, gehen an der Aktie allerdings nicht spurlos vorüber.
Im Vergleich zu den Höchstständen während der Corona-Pandemie hat sich die Nachfrage abgekühlt. Aber: Der Healthcare-Bereich bleibt einerseits als defensives Investment interessant. Gleichzeitig investiert Pfizer in Zukäufe und die eigene Forschungspipeline. Damit positioniert sich das Unternehmen unter anderem in Bereichen wie der Krebsmedizin. Bis Ende 2028 sind allein in Deutschland acht neue Zulassungen geplant. Der Blick in die Bilanz ist am Ende nur eine Seite der Medaille. Ein Investment in Pfizer ist ein in die Zukunft gerichteter Value-Ansatz.
Der deutsche Versicherungskonzern setzt auf ein stabiles Kerngeschäft in den Bereichen der Schaden-, Kranken- und Lebensversicherung. Zudem zeigt der Umsatz je Aktie seit Jahren nach oben und das Unternehmen schüttet an Aktionäre jährlich eine mittlere einstellige Dividendenrendite aus. Bleibt noch der Blick auf den Kurs. Im Chart hat die Allianz in den zurückliegenden 12 Monaten stark performt, der Kurs ist um mehr als 25 Prozent gestiegen.
Der Chemiekonzern sieht sich strukturellen Herausforderungen in Europa gegenüber, etwa den hohen Energiekosten, und muss sich mit der Konkurrenz aus Asien beschäftigen. Trotzdem ist es einem der größten europäischen Chemiekonzerne in den letzten Monaten gelungen, auf dem Parkett zu performen – mit einem Plus von knapp 18 Prozent. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ein globales Produktionsnetzwerk und die breite Kundenbasis aus zahlreichen Industriezweigen nicht pauschal vor einer negativen Bewertung durch Anleger schützen. BASF hat sich deshalb eine strikte Umstrukturierung verordnet, nach deren Abschluss das Unternehmen wieder konkurrenzfähiger agieren will.
Der US-Telekommunikationskonzern bietet Anlegern eine stabile Dividende und ist in einem margenstarken Segment – dem Infrastrukturgeschäft – etabliert. Damit gehört Verizon zu den Unternehmen, die für den Value-Ansatz interessant sind, da sich ein passiver Cashflow mit Kursgewinnen verbinden lässt.
Der deutsche Softwarekonzern ist im europäischen Vergleich der mit Abstand größte Tech-Wert, notiert aber selbst nach der jüngsten Konsolidierung noch mit einem Abschlag gegenüber dem Kursniveau vor 12 Monaten. Allerdings sind die starken Korrekturen auf das Thema KI und deren Auswirkungen auf SaaS-Lösungen zurückzuführen. SAP geht aber schon lange mehrere Wege – inklusive Cloud-Lösungen, weshalb die Aktie auch in Zukunft als Value-Asset interessant bleiben dürfte. Gerade die Migration von Kunden Richtung Cloud verschafft dem Unternehmen wiederkehrende Umsätze über einen längeren Zeitraum.
Der deutsche Halbleiterkonzern notiert nach dem Einbruch in der Automobil- und Industrieelektronik auf einem Niveau, das für mehrere Anlegertypen interessant sein dürfte. Das strukturell solide Geschäft mit Halbleitern für Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und Industrieautomation ist nach wie vor intakt und wird durch die starke Nachfrage im Halbleitersektor für KI-Anwendungen gestützt. Damit lassen sich einzelne Nachfrageeinbrüche abfangen. Die Ausweitung der Produktionskapazitäten macht das Unternehmen fit für die hohe Beanspruchung von Rechenleistung durch KI. Zudem bleibt Infineon einer jener Werte, bei denen Anleger mit einer Dividende rechnen können.

Mit Value-Wertpapieren kann man eine Tradingstrategie aufbauen (Foto: Shutterstock/ Capix Denan)
Prinzipiell empfiehlt sich eine klare Aufteilung des Portfolios. Bei den Value Aktien werden circa 50 bis 70 Prozent auf acht bis zwölf Titel aus unterschiedlichen Branchen verteilt. Dieser „Kern“ kann mit einem breit aufgestellten Dividenden- oder Value-ETF kombiniert werden.
Was als Sektor keine zu starke Dominanz entwickeln sollte, sind jene Werte, die sehr stark von der Zinsentwicklung und Konjunktur abhängen. Prinzipiell kann ein Value-zentrierter Ansatz auch mit einem Sparplan realisiert werden. Allerdings hat dieser Ansatz Grenzen, wenn der Markt die Unterbewertung erkennt und aufholt.
Um im Fall einer Korrektur die Chance auf das Ausbauen der Position zu haben, sollten Anleger generell darauf achten, neben dem Portfolio aus Aktien und ETFs mit Value-Bezug eine Cash-Reserve vorzuhalten. Das Nachkaufen kann sich auszahlen, wenn der Markt die Bewertungslücke immer noch nicht erkannt hat.
In der Pharmabranche oder bei den Energieversorgern gibt es an der Börse einige Aktien, deren wahren Wert der Markt noch nicht erkannt zu haben scheint. Schneller als der Rest zu sein, ist ein zentraler Ansatz beim Kauf von Value Aktien. Aus Anlegersicht handelt es sich um eine klare Wette auf die Zukunft. Man hat eine unterbewertete Aktie ins Depot geholt, die im besten Fall ihre Position stark verbessert – und damit den Ertrag erwirtschaftet. Zur Wahrheit rund um Value Aktien gehört aber auch, dass erfahrene Anleger sich nicht auf das Schließen der Bewertungslücke verlassen. Dividenden, die von vielen Unternehmen in diesem Segment ausgeschüttet werden, realisieren am Ende einen passiven Cashflow im Depot.

Auch Value Aktien haben ein Risiko-Potenzial (Foto: Shutterstock/ PeopleImages.com – Yuri A)
Beides schließt sich tatsächlich nicht aus. Ewigkeitsaktien können im Depot als der zentrale Kern fungieren, da sie über Jahre als Anker eingesetzt werden. Die Value-Werte werden in der nächsten Schicht angeordnet, da deren Auswahl und Anteil im Portfolio am Ende stärker schwanken kann.
Ja, dies gilt besonders dort, wo Dividenden oder Verkaufserlöse in fremden Währungen erzielt werden. Ein Beispiel sind die Gewinnbeteiligungen der Bank JPMorgan Chase. Bei einer Ausschüttung in US-Dollar kann ein schwacher Dollar zum Problem werden, da die Umrechnung in Euro die Rendite belastet. Ideal wäre hier ein Währungskonto beim Broker, um die Dollar-Dividende zu „parken“.

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