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Chronik der Finanzkrise Flächenbrand in der Bankenbranche

Die internationale Finanzkrise hält Banken und Märkte seit mehr als einem Jahr in Atem. Im Folgenden ein Überblick über die die wichtigsten Stationen:

Mitte Juni 2007: Zwei Hedgefonds der US-Bank Bear Stearns erleiden schwere Verluste.

Mitte Juli 2007: Die Ratingagentur Standard & Poors stuft mit Immobilienkrediten unterlegte Wertpapiere mit einem Gesamtwert von 7,3 Mrd. Dollar herab. Andere Rating-Agenturen folgen S&P. Die Abwärtsspirale beginnt.

30. Juli 2007: Die IKB steht wegen massiver Probleme am US-Hypothekenmarkt vor dem Aus. Die KfW als Haupteigentümerin greift ihr mit anderen Banken mit 3,5 Mrd. Euro unter die Arme.

9./10. August 2007: Die EZB pumpt 95 Mrd. Euro Extra-Liquidität in das Finanzsystem. Die US-Notenbank unterstützt Banken mit 38 Mrd. Dollar.

17. August 2007: Die Sparkassen-Gruppe muss die SachsenLB mit 17 Mrd. Euro stützen. Vier Monate später wird die einzige ostdeutsche Landesbank an die LBBW verkauft.

Mitte September 2007: Der britische Hypothekenfinanzierer Northern Rock gerät in Bedrängnis. Das Institut ist inzwischen verstaatlicht.

März 2008: Die Zentralbanken beschließen weitere miliardenschwere Liquiditätsspitzen für den Geldmarkt.


14. März 2008: Die US-Bank Bear Stearns gerät in eine Schieflage und muss von der US-Notenbank Fed gestützt werden. Der Konkurrent JP Morgan übernimmt das Institut.

Mai 2008: Die Citigroup trennt sich von Vermögenswerten über 400 Mrd. Dollar und schrumpft dadurch um ein Fünftel. Mit Abschreibungen von knapp 50 Mrd. Dollar ist die Citigroup weltweit am stärksten von der Finanzkrise betroffen.

22. Mai 2008: Die Schweizer Großbank UBS kündigt eine weitere Kapitalerhöhung von fast zehn Mrd. Euro an. Damit summieren sich die Kapitalmaßnahmen der in Europa am härtesten getroffenen Bank auf über 23 Mrd. Euro.

Juni 2008: Mehrere Banken wie Royal Bank of Scotland, Barclays und Fortis stärken ihre dünner gewordene Kapitaldecke und sammeln Mrd. bei Investoren ein. Wie zuvor bei mehreren US-Großbanken nutzen Staatsfonds oftmals die Chance zu einem günstigen Einstieg.

Juli: Die angeschlagene US-Bank Merrill Lynch schockiert die Märkte mit zwei Mrd.löchern, die sie mit nur wenigen Tagen Abstand verkündet.

25. Juli: Die Krise erfasst die Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück, die Baisse an den Kapitalmärkten schlägt auf die Versicherer voll durch.

31. Juli: Der Gewinn der Deutschen Bank bricht nach neuen Mrd.abschreibungen im zweiten Quartal ein.

31. Juli: Die EZB schießt bis zu 100 Mrd. Euro in den Geldmarkt nach, in dem sie zwei Kredite verlängert.

4. August: Europas größte Bank HSBC meldet einen Gewinneinbruch und 14 Mrd. Dollar Wertberichtigungen.

6. August: Der Versicherer Allianz kassiert wegen der Finanzkrise seine Jahresziele.


21. August: Die KfW verkauft die Krisenbank IKB an den Finanzinvestor Lone Star. Insgesamt belastet die IKB die Staatsbank und den Bund mit 10,7 Mrd. Euro.

September 2008: Zwischen der EU und Deutschland kommt es zum Streit über die Sanierung der Landesbank WestLB, die wegen der Krise staatlich gestützt werden musste.

September 2008: In den Medien überschlagen sich Spekulationen um eine Kapitalspritze für die angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers, diverse internationale Banken werden als Interessenten genannt.

6. September: Der Bankrott der Silver State Bank aus Nevada ist die elfte Bankenpleite in den USA in Folge der Krise.

8. September: An den Börsen kommt es weltweit zu Kursfeuerwerken, nachdem die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unter staatliche Aufsicht gestellt werden. Der Schritt ist der letzte von zahlreichen Hilfsaktionen der Regierung für die halbstaatlichen Institute.

9. September: Der IWF warnt, die Krise könnte die Branche 1,1 Billionen Dollar kosten. Der Wirtschaftsabschwung verschlimmere die Situation.


11. September: Nach Milliardenverlusten steht das Überleben von Lehman Brothers in Frage.

12. September: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erklärt die Finanzkrise zum größten Konjunkturrisiko der Eurozone.

13. September: Der Aktienkurs der durch die Finanzkrise angeschlagenen US-Sparkasse Washington Mutual schwankt stark nach Gerüchten, JP Morgan wolle das Institut kaufen.

14. September 2008: Die US-Notenbank versucht auf einer Krisensetzung eine Rettung von Lehman Brothers.

15. September 2008: Lehman Brothers findet keinen Käufer und beantragt Gläubigerschutz nach "Chapter 11". Die Bank of America übernimmt für 50 Mrd. US-Dollar Merrill Lynch.

16. September 2008: Die Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch senken ihr Kreditrating für den weltgrößten Versicherungskonzern AIG, was einen milliardenschweren Liquiditätsbedarf bei dem Unternehmen auslöst. Die AIG-Aktie setzt ihren dramatischen Kurssturz fort.

17. September 2008: Die US-Notenbank gewährt die AIG einen Kredit von bis zu 85 Mrd. US-Dollar und stellt den Versicherungsriesen unter staatliche Aufsicht.

18. September 2008: Die weltweiten Notenbanken stellen den Märkten in einer konzertierten Aktion mehr als 180 Mrd. US-Dollar zur Verfüfung. Die traditionsreiche britische Bank Lloyds TSB übernimmt den Rivalen HBOS für umgerechnet rund 15 Mrd. Euro.

19. September 2008: Die US-Regierung kündigt ein Rettungspaket für die Finanzbranche an und löst damit ein Kursfeuerwerk an den Börsen aus. Die USA und Großbritannien verhängen ein weitreichendes Verbot für sogenannte Leerverkäufe, also Wetten auf sinkende Aktienkurse.

20. September 2008: Das Rettungspaket der USA soll mit 700 Mrd. US-Dollar ausgestattet werden. Damit will der Staat faule Kredite aufkaufen. Deutschland untersagt Leerverkäufe von elf im Dax- und MDax gelisteten Finanz-Aktien, weitere Länder folgen.

22. September 2008: Das 75 Jahre alte Modell der unabhängigen US- Investmentbanken kippt. Die letzten verbliebenen Institute, Goldman Sachs und Morgan Stanley, geben ihren Sonderstatus auf und werden gewöhnliche Geschäftsbanken.

Quelle: ntv.de