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Frank Meyer Gold ist Geld

Und sonst nichts, sagt Frank Meyer und zitiert damit eine Legende von der Wall Street. Der hätte sich über den Goldpreis sicher ebenso gewundert, wie die zahlreichen Experten, die jetzt ratlos zurückbleiben.

Frank Meyer

Frank Meyer.

"Mist!", könnte man heute rufen, wenn man dem ganzen Blasengeschwätz in den letzten Jahren Glauben geschenkt und einen extra großen Bogen um Edelmetalle gemacht hat. Dabei stellt sich gerade jetzt die Frage, ob Gold wirklich eine Blase ist und wo die wirklichen Blasen wabern, die mit allen Mitteln am Leben gehalten werden.

"Gold ist Geld - und sonst nichts", sagte 1907 der legendäre Banker J. P. Morgan. Wer hätte es gedacht, dass er rund 100 Jahre später immer noch recht behalten sollte. Alan Greenspan hatte ebenfalls recht, als er 1966 in einem Aufsatz Gold und Freiheit untrennbar in Verbindung brachte. Vielleicht hat er sich gewünscht, dass er das nie öffentlich geschrieben hätte, doch Papier ist bekanntlich geduldig.

Gerade in diesen Tagen bekommt man zuweilen Schaum vor dem Mund, wenn man die Experten hört. Verglichen mit dem, was sie in den letzten Jahren sagten, scheint die Wendehalsgrippe stärker Furore zu machen als diese ominöse Schweinegrippe. Doch man möge bedenken, dass die Lernkurven auch bei den Experten zugenommen hat. So blind kann man doch wirklich nicht sein, auch wenn einige dabei so weit denken wie dicke Sauen hopsen.

Selbst Chefvolkswirte sind auf der goldenen Kaufseite, erfährt man aus sicheren Quellen, die ich hier nicht preisgeben mag. Die Geldsysteme sind inzwischen so ungeheuerlich groß geworden, und die Bemühungen von Notenbanken und Regierungen so offensichtlich, dass sich auch die Herren in den Analyseabteilungen fragen müssen, wie dieses Spiel ausgehen könnte. Schaden kann es nicht, zumindest einen Teil des Ersparten in Sicherheit zu bringen. Dabei ist es einfach herauszufinden, wer in den letzten Jahren die heutigen Goldstände vorher gesagt hat. Kaum einer. Und diejenigen, die Gold als Anlage empfahlen, wurden unangespitzt in den Boden gerammt, lächerlich gemacht und als Anhänger irgend welcher Verschwörungstheorien ausgepfiffen.

In der Tat, Gold befindet sich auf Rekordniveau. Es wird seine Gründe haben, stellen die neuen Edelmetallexperten fest. Ob in Dollar, Euro, Pfund, Rupien oder anderen Währungen - hier bewegt sich etwas, was inzwischen unübersehbar ist. Mit jedem weiteren Rekord stellt sich für mehr Leute die Frage, warum denn dem so sein könnte. Gold befindet sich auf hitzigem Rekordniveau, aber wohl kaum in einem finalen Blasenstadium - und wenn ja, bläst es sich auf, weil andere Dinge wie der weltweite Kredit-, Anleihe-, Devisen- oder Derivatemarkt längst schon überirdische Dimensionen angenommen haben. Gold reagiert nur. Und zwar auf das, was rings um das gelbe Metall herum alles angestrebt und angestellt wird. In einem See aus Liquidität hebt es eben jedes Boot ...

Blasengerede

Blasen haben die Eigenschaft, jederzeit platzen zu können. Blasen sind gekennzeichnet von einer intensiven Medienberichterstattung und von Diskussionen unter Freunden und an Stammtischen. Doch wer hat heute schon Gold als Anlage, im Vergleich zu denen, die auf Schulden basierte Versprechen monatlich als Altersvorsorge besparen und deren Rückzahlung mit immer mehr Fragezeichen zu versehen wäre?

Im dritten Quartal wurden in Deutschland 21,3 Tonnen Goldmünzen und Goldbarren verkauft. Vor einem Jahr waren es noch 71 Tonnen. Rechnet man diese 21,3 Tonnen aus dem dritten Quartal 2009 auf die Bevölkerung um sind das 0,26 Gramm Gold pro Nase im Gegenwert von 6,50 Euro. In keinem europäischen Land werden mehr Goldbarren und Goldmünzen gekauft als Deutschland. Abgesehen davon, kann sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung hierzulande kein einziges Gramm im Jahr leisten. Von einer Blase zu sprechen ist aberwitzig.

Zahlenwerke

In den ersten neun Monaten erhöhte sich der weltweite Ausstoß der Minen um sieben Prozent auf 1766 Tonnen. Zum aktuellen Preis von 1171 US-Dollar je Unze kostet ein Kilogramm 37.553 Dollar. Die Gesamtsumme aus dem Output beträgt damit 66,5 Mrd. Dollar. Allein in dieser Woche begibt das US-Schatzamt neue Anleihen in Höhe von 145 Mrd. Dollar, mehr als das Doppelte der Summe des neu geförderten Goldes. Wo es auf der Welt "bubbelt", scheint damit beantwortet zu sein. Allein die deutsche Netto-Neuverschuldung entspricht in diesem Jahr der gesamten geförderten Goldmenge in den ersten neun Monaten. Yes we can auch!

Auf dem Goldmarkt tauchen neben den Kleinkäufern zunehmend Anlagevehikel auf, die mit Gold hinterlegt sind. Man möchte es zumindest hoffen, dass echtes Gold dahinter steckt. Hoffe ich es? Nein. Zudem sind auch die Zentralbanken als Nettokäufer unterwegs, nebst einer europäischen Zentralbank, die laut letztem Ausweis der EZB für eine Million Euro Goldmünzen gekauft hat. Ha! Vielleicht als Weihnachtsgeschenk für verdiente Mitarbeiter?

Kein Wunder ist es, dass bei diesen Preisen die angebotene Menge Altgold ansteigt. In den ersten neun Monaten kamen 37 Prozent mehr altes Gold auf den Markt - insgesamt 1200 Tonnen, schreibt das World Gold Council im letzten Bericht. Auch bei den Münzhändlern werden gerade viele Schätzchen mit teils dickem Gewinn in Papiergeld umgetauscht. Sollte man bei diesen Rekordpreisen Gold kaufen? Ich weigere mich. Nein, ich warte auf einen Einbruch. Gold ist Versicherung, keine Zockerei, kein rein und kein raus, solange die Schuldenfrage nicht geklärt ist. Sie ist nicht zu klären. Die Alternative zum teuren Gold wäre Silber. Dazu später ein extra Beitrag. Verkauft man sein Gold, wechselt man vom Goldmarkt in den Baumwollmarkt, aus dem unsere Papierscheine gefertigt werden.

An der US-Terminbörse Comex liegt die Shortposition bei jetzt rekordverdächtigen 281.546 Kontrakten oder 28,15 Mio. Unzen. Das entspricht rund 900 Tonnen Gold beziehungsweise einem Drittel der weltweiten Jahresförderung. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Preis in Kürze schlagartig einbrechen sollte. Von welchem Niveau aus, kann keiner vorhersagen.

Wenn die Dinge so weiter laufen wie bisher, wird es irgendwann später eine richtige Goldblase geben, die alle bisherigen Blasen in den Schatten stellen könnte. Da die natürlichen Vorkommen bei einer Förderung von 160.000 Tonnen in der Menschheitsgeschichte bei sieben Milliarden Menschen gerade 25 Gramm ausmachen, stünde das alles auch dem Markt zur Verfügung, auch der Trinkbecher von Benedetto. Der Verteilungskampf um die Reste scheint inzwischen eingesetzt zu haben. Von zwischenzeitlichen Einbrüchen abgesehen, kann ich mir nicht vorstellen, dass Papiergeld im Vergleich zu Gold aufwerten wird. Dazu sind die Dinge inzwischen zu verfahren und die Suche nach Stabilität und Sicherheit zu groß - nicht nur beim kleinen Geld, sondern inzwischen auch beim so genannten "Big Money".

Quelle: n-tv.de

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22.05.09