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Frank Meyer Griechenland ist überall

Hasta la vista, Espana! Was für eine Überraschung! Einen Tag nach dem Debakel um Griechenland hat es jetzt Spanien erwischt. Standard & Poor`s senkt den Ausblick für das Kreditrating. Und wen vernascht man morgen?

Frank Meyer

Frank Meyer.

Ratingagenturen haben spätestens seit ihrem Tiefschlaf inmitten der ganzen Sauerei an den Finanzmärkten etwas an Charme eingebüßt. Sie schauten dem Treiben an den Kreditmärkten lange zu, ohne etwas zu meinen, haben durch die Gegend gedöst und machten gleichzeitig dicke Geschäfte mit denen, von denen die bezahlt werden - den Banken.

Nun scheinen sie aber aufgeweckt worden zu sein. Um Reputation kämpfend, sind sie ausgerechnet hier in Europa fündig geworden. Gestern traf es Griechenland. Die Betrügereien von Griechenland in Sachen Transparenz und Statistik sind ein offenes Geheimnis. Und auch die Schuldenberge wären mit einem Knopfdruck abrufbar gewesen bzw. hätten rote Alarmlampen angehen lassen müssen. Der richtige Schuss zur richtigen Zeit will gekonnt gesetzt sein. Unter PIGS (Schweinchen) versteht man heute die vier südlichen Euro-Mitgliedsländer mit den vielen Schulden und den noch höheren Zuwendungen aus der EU. S&P hat heute bei Spanien zugeschlagen. Sicherlich rein zufällig... Sie sollten sich eine neue Abkürzung merken: PIGSI – eine Wortkreation eines Frankfurter Börsenhändlers in einer einfachen Formel... PIGSI = PIGS+Irland.

Schlag auf Schlag

Man kann jetzt eine große Verschwörung vermuten, dass man sich einen Tag nach Griechenland und einer tiefgründiger Analyse zu einer Abstufung des Ausblicks durchgerungen hat. In der Tat, Spanien geht es gar nicht gut, 20 Prozent Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr werfen die Frage auf, wer denn die Schulden und jetzt höheren Zinsen mit seinen Steuern stemmen kann. Nur hält dieser Zustand schon eine geraume zeit an. Bevor Fitch oder Moody`s auf die Idee kommen, einen Warnschuss vor das Bug der Spanier zu setzen, war S&P diesmal schneller – ein kleiner Konkurrenzkampf unter Freunden, vielleicht sogar politisch motiviert, sagen Händler.

Angesichts des strengen Geruchs vor der eigenen amerikanischen Tür fragt man sich, warum man lieber in Europa kehrt, als in den USA. Ich stelle mir das ganz lustig vor. Man kann Märkte mit Auf – und Abstufungen richtig bewegen, sicherlich nicht zum Nachteil der Amerikaner. 9 Uhr – irgendwo in einem Besprechungsraum. Aufmunitioniert mit Buchstaben und Zahlen trifft man sich und berät die Agenda. Ahhh...! Feuern wir doch heute mal auf … S&P und Moody´s (Warren Buffett hält 20 Prozent an Moody`s) hat man an den Märkten eine Macht wie der Papst im Mittelalter. Und der Markt der weltweiten Anleihen ist schlappe 83 Billionen Dollar groß. Ein Schuss wirkt Wunder, hebt den Dollarindex an wichtigen technischen Marken und veranlasst eine Flucht aus Müll in die ach so tollen AAA-Papiere, mit denen die USA zufälligerweise auch geratet wird. Ganz nebenbei zaust es den Euro - vielleicht sogar zur Freude der EZB. Das Schlafmützendasein der drei Ratingagenturen bekommt auf einmal einen Anstrich von Wichtigkeit.

Lange Agenda

Spanien wurde von AAA auf AA+ im Januar abgestuft. Soviel haben Sie sicherlich schon erfahren. Viel Ratingspeck tragen aber auch noch Portugal, Irland, Italien, der Ostblock und ein paar andere Länder - genug Munition also, um damit auch Politik machen zu können. Cui bono? Wer beaufsichtigt eigentlich Ratingagenturen? Und warum hat Europa nicht längst schon eine eigene Agentur, die auch mal mit ein paar Buchstaben aus dem unteren Alphabet über den großen Teich zurück schießen kann? Sicherlich ist alles nur Zufall und Hexenkraut aus einer Verschwörungsbrauerei.

10-jährige spanische Anleihen kletterten um 8 Basispunkte auf 3,83 Prozent, wobei man sich über das Komma in der Zahl jetzt wirklich streiten könnte. 3,83 Prozent entsprechen einem Aufschlag von 0,7 Prozent auf deutsche Staatsanleihen. Peanuts! ...würde der Banker sagen... Während Griechenlands Budgetdefizit in diesem Jahr bei 12,7 Prozent des BIP zu liegen scheint - sicher kann man sich bei den Hellenen nicht, soll das spanische Defizit 11,2 Prozent betragen. Im nächsten Jahr sind 10,1 Prozent Defizit geplant und dann im Jahr 2013 nur noch drei Prozent – im Einklang mit Maastricht. Moment, jetzt muss ich dringend lachen...

Dominosteine fallen

Das deutsche AAA-Rating ist sicher wie Steuergeschenke auf Pump, während in Europa die ersten Dominosteine fallen. Man muss sich aber keine Sorgen machen, glaubt man den Einlassungen wichtiger Entscheider. "Failure is no option". Das hat man zwar nicht direkt gesagt, aber alles andere wäre ein Wunder. Und ich ahne, wer die Rechnung bezahlt. Jedenfalls nicht PIGSI.

Wer besitzt eigentlich diese ganzen Anleihen, die die Staaten ausgegeben haben? Ich vermute, sie sind als Wertpapiere in den weltweiten Kapitalsammelstellen sicher verwahrt. Versicherer kaufen diese Papiere gerne, wegen der Rendite und wegen der Sicherheit, von der man heute einen weiteren etwas getrübten Eindruck erhalten konnte. Die Blicke an der Börse sind nun auf Irland und Portugal gerichtet. Dort könnten die nächsten Einschläge aus den USA kommen. Die Krisenfahnen wehen in allen PIGSI-Staaten auf Halbmast. Nicht dass es neu wäre – aber zum Vorteil des Autors dieser Zeilen: Er kann jetzt eine Menge an Beiträgen "auf Halde" schreiben. Bloß, wo fange ich an?

Übrigens: Ein neues Gerücht besagt, Moody`s stuft Great Britain auf Britain ab...

Quelle: n-tv.de