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Insolvenz nach "Chapter 11" Neustart statt Abwicklung

Zahlungsunfähige US-Firmen können Gläubigerschutz nach "Chapter 11" beantragen. Ziel und Funktion des Verfahrens ist es, das betroffene Unternehmen zu sanieren und es vor dem Konkurs zu bewahren. Unter "Chapter 11" werden Firmen einem Insolvenzgericht unterstellt, sie können aber ihre Geschäfte weiterführen. Sogar das Management bleibt im Normalfall im Amt. Während der Sanierungszeit dürfen Gläubiger nicht versuchen, ihre Forderungen geltend zu machen. Um in den USA Gläubigerschutz beantragen zu können, muss ein Unternehmen nicht zwangsläufig insolvent sein. Es reicht aus, wenn die Rückzahlung einer großen Forderungssumme droht und die Firma diese nicht mehr aufbringen kann.

"Chapter 11" stellt den Schutz und die Weiterführung des zahlungsunfähigen Unternehmens in den Fokus, während sich das Insolvenzrecht in Deutschland stärker an den Interessen der Gläubiger orientiert. In Deutschland denken Politiker angesichts der Wirtschaftskrise und der zunehmenden Firmenpleiten über eine Änderung des Insolvenzrechts nach. Medienberichten soll es künftig ähnlich wie das US-Modell aussehen.

Die Zeit für eine Reorganisierung eines Unternehmens unter Gläubigerschutz kann Jahre dauern. Nach den Anschläge in New York im September 2001 flüchteten viele US-Fluggesellschaften in Gläubigerschutz, um sich vor einer drohenden Pleite zu schützen. Der Flugbetrieb ging trotzdem ganz normal weiter.

Die größte jemals unter "Chapter 11" eingereichte Insolvenz in den USA war die US-Bank Lehman Brothers Mitte September 2008. Das Volumen der Vermögenswerte und der Schulden im Konzern belief sich jeweils auf über 600 Mrd. US-Dollar. Auf Platz zwei der größten "Chapter 11"-Fälle kommt mit weitem Abstand der ehemalige US-Telekommuniationsfirma Worldcom, die zum Zeitpunkt der Beantragung des Gläubigerschutzes im Jahr 2002 einen Wert von 104 Mrd. US-Dollar hatte.

Quelle: n-tv.de