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Buschtrommel Nicht nur für den Augenblick geboren

Die Rettung Griechenlands ist ein einziger großer Politik-Bluff, sagt n-tv-Börsenkommentator Friedhelm Busch. Das ganze Aufsehen hat nur ein Ziel: den Zahl-Bürger hinters Licht zu führen. Zum Glück gibt es anderswo mehr Anlass zu Konjunktur-Optimismus.

Friedhelm Busch

Friedhelm Busch

Es mag ja sein, dass die Aktienmärkte, verführt von den optimistischen Schlagzeilen der Massenmedien, tatsächlich für eine kurze Zeit an eine bevorstehende Lösung der Griechenland-Misere glauben und deshalb vor Freude aus den Schuhen springen. Doch was so prächtig in den Überschriften glänzt, ist in Wirklichkeit "nur für den Augenblick geboren” und dann für den Papierkorb bestimmt, das hatte schon der Weimarer Finanzminister und Autor des "Faust”, Johann Wolfgang von Goethe, durchschaut.

Trotz aller zuversichtlichen Vorausmeldungen, kann man mit Fug und Recht davon ausgehen, dass nach den nächtlichen Verhandlungen in Brüssel im Grunde nur eines feststehen wird: Die Griechen bekommen am Ende so viel Geld, wie sie wollen, um die kommenden Wochen zu überleben, doch alles andere ist ungeklärt. Wenn die Finanzminister etwas anderes behaupten sollten, machen sie sich und uns etwas vor. Jean-Claude Juncker würde wahrscheinlich sagen: Sie lügen! Sie lügen, weil sie sich nicht trauen, uns Zahl-Bürgern die Wahrheit zu sagen. Sie lügen, weil sie Angst haben vor dem Verriss der Finanzmärkte. Als ob auch nur ein Investor sich länger als einige Stunden oder Tage täuschen ließe von diesem unverfrorenen Politik-Bluff.

Anlass zu Optimismus gibt's anderswo

Es gibt aber glücklicherweise nicht nur einzelne leichtgläubige Berichterstatter, die mit ihren vorschnellen Hurrameldungen den Aktienkursen seit Tagen auf die Sprünge helfen, vielmehr begründen zahlreiche fundamentale Wirtschaftsdaten den derzeitigen Optimismus. So hat der US-Arbeitsmarkt seinen Abwärtstrend beendet. Die Neueinstellungen amerikanischer Unternehmen nehmen deutlicher zu als erwartet. Allein im Januar waren es 243.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Außerdem können 160 Millionen US-Arbeitnehmer mit einer finanziellen Entlastung bei ihrer Rentenversicherung rechnen.

Das dürfte den hochverschuldeten Staat, dessen gesamte Staatsschuld schon heute bei 110 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung liegt, zwar weitere 100 Mrd. US-Dollar kosten, da Obamas Demokraten nun doch auf eine Gegenfinanzierung durch Steuererhöhungen oder Einsparungen verzichten wollen, um die konservativen Anhänger der Republikaner nicht zu verärgern. Und entsprechende Ausgabenkürzungen an anderen Stellen – etwa im sozialen Bereich - würden wiederum die eigenen Wähler verprellen.

Vom einst vollmundig versprochenen Defizitabbau kann also keine Rede mehr sein. Aber im Wahlkampf ist halt alles möglich. Wenn's nur der Konjunktur hilft. Gestützt wird Obamas Kehrtwende in der Verschuldungspolitik auch weiterhin von den Liquiditätsspritzen der amerikanischen Notenbank. Immerhin hat Fed-Chef Bernanke seit November 2008 bis zum Juni 2011 in zwei Programmen 2300 Mrd. US-Dollar für den Ankauf von Hypothekenpapieren und US-Staatsanleihen ausgegeben und zusätzlich den Leitzins auf nahezu 0 gesenkt. Eine ungeheure Liquiditätsspritze, die jetzt auch in Kreisen der EZB auf wachsende Sympathie stößt und zur Nachahmung anregt.

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Wer mag schon an künftige Inflationsgefahren denken, wenn es ums politische Überleben im Heute geht! Verständlich, dass Wirtschaft und Finanzmärkte lauthals diese Politik bejubeln, denn die aktuelle Liquiditätsschwemme, kombiniert mit niedrigen Zinsen, das ist genau der Stoff, aus dem die Börsenträume geformt werden.

Und um das Glück der Anleger voll zu machen, haben sich jetzt auch die Chinesen entschlossen, ihren Kampf gegen die Inflation abzublasen. Zwar steigen die Preise für lebensnotwendige Nahrungsmittel und Immobilien weiterhin in einem gefährlichen Tempo, was schon häufig zu offenen Protesten in der ärmeren Bevölkerung geführt hat, die Folgen einer konsequenten Sparpolitik mit höheren Zinsen und Krediteinschränkungen werden aber offenbar für gefährlicher gehalten. Deshalb hat China jetzt seine Geldpolitik wieder gelockert, d.h., die Mindestreservesätze sind gesenkt worden. Dadurch erhöht sich der Kreditspielraum der heimischen Banken. Grünes Licht also für den Welthandel, für steigende Exporte nach China, für höhere Rohstoffpreise.

Angesichts dieser Fakten bestehen somit durchaus Hoffnungen, dass vor allem die Aktienkurse konjunkturell abhängiger Unternehmen ihre Rekordjagd noch eine längere Zeit fortsetzen werden.

Dass dagegen eine unmittelbar bevorstehende Lösung der griechischen Probleme der Grund für die Kursgewinne der letzten Tage und Wochen ist, halte ich für eine Mär. Zwar folgen die Anleger nicht immer logischen und vernünftigen Argumenten, aber so blind sind sie nun doch nicht, die aktuellen Meldungen aus Brüssel als Bestätigung für eine baldige Rettung Griechenlands zu nehmen. "Nur das Echte bleibt der Nachwelt unverloren”, empfiehlt Goethe im Faust I den Anlegern. Und die gestrigen Beschlüsse zur Griechenland-Rettung sind alles andere als echt.

Quelle: n-tv.de

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