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Fluch oder Segen? Privatisierungen locken Investoren

Mehr als zehn Milliarden Euro will die Bundesregierung in diesem Jahr aus dem Verkauf staatlicher Beteiligungen und aus der Verwertung von sonstigem Vermögen des Bundes einnehmen. Im Angebot sind Anteile am Duisburger Hafen, an den Flughäfen Köln/Bonn und München - und an der Deutschen Bahn. Allein der für Herbst geplante Börsengang der Bahn soll einen Milliardenbetrag in die Staatskasse spülen.

Während Privatisierungsgegner vor Nachteilen besonders für die Arbeitnehmer warnen, horchen viele Investoren auf, wenn der Staat einem Unternehmen eine "bessere Kapitalausstattung und damit zukunftsorientierte Investitionen, eine stärkere Marktorientierung sowie eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit" ermöglichen will, wie die Regierung im Haushaltsplan formuliert.

Investoren haben mit ehemals staatlich dominierten Firmen wie Volkswagen, Lufthansa, Post und dem Hamburger Hafen meist gute Erfahrungen gemacht. "Bei Unternehmen, die privatisiert werden, sind immer starke Effizienzsteigerungen möglich", das spiegele sich in der Rendite und damit im Portfolio des Investors wider, sagt ein hochrangiger Investmentmanager eines führenden Fonds aus dem Mittleren Osten, der namentlich nicht genannt werden will.

Lufthansa versus Telekom

Ein Beispiel für eine gelungene Privatisierung ist die Lufthansa, wo der Staat 1997 seine letzten Anteile verkauft hatte. "Durch den Druck der Privatisierung musste die Lufthansa frühzeitig gegen die Wettbewerber antreten und wurde rasch auf Profitabilität und Flexibilität getrimmt, so dass sie heute wahrscheinlich eines der am besten aufgestellten Unternehmen in der Branche ist", sagt Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment.

Weniger positiv fällt das Urteil über die Deutsche Telekom aus. Beim ersten Schritt an den Kapitalmarkt im November 1996 kostete die T-Aktie 28,50 DM (14,60 Euro), heute ist das Papier drei Euro billiger zu haben. Doch die Probleme der Telekom lägen nicht in der Vergangenheit als Behörde, sagen Experten. Die schwache Entwicklung des Aktienkurses sei vielmehr auf die Lage der Telekommunikationsbranche zurückzuführen, sagt Frank Hansen, Fondsmanager bei Allianz Global Investors.

"Ein Börsengang beschleunigt die Transformation eines Unternehmens. Den meisten Unternehmen tut eine Privatisierung gut - sowohl aus Sicht des Aktionärs als auch aus der des Kunden", sagt Hansen. Das Unternehmen erhält Geld für Investitionen, der Kunde kann auf wettbewerbsfähigere Preise hoffen, und in die Staatskasse fließen Einnahmen. Für Anleger lohne sich der Einstieg oft schon wegen der monopolartigen Stellung, die die Unternehmen zumindest anfangs haben, sagt Hansen.

Denn ehe sich die Staatsbetriebe dem Wettbewerb stellen mussten, gab es beim Telefonieren zur Telekom und beim Versand von Briefen und Paketen zur Post keine Alternative. "Die meisten privatisierten Unternehmen kommen aus dem Bereich Infrastruktur. Das ist ein Bereich, der normalerweise sehr stabile Einkommen generiert und deswegen für Investoren sehr interessant ist", so Fondsmanager Gierse.

Staatlicher Einfluss schreckt Anleger ab

Die Besitzverhältnisse machen die ehemaligen Staatsbetriebe allerdings weniger attraktiv für Anleger. Denn solange der Staat nach der Privatisierung noch ein Mitspracherecht habe, könne er aus politischen Erwägungen sinnvolle Entscheidungen blockieren. "Es kann sein, dass wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen wegen politischer Faktoren nicht umgesetzt werden, sagt Gierse. Das schreckt die Investoren selten ganz ab, sie verlangen dafür aber eine Art Entschädigung. Aktien von Unternehmen, bei denen der Staat ein Mitspracherecht habe, würden am Markt mit einem Abschlag gehandelt, sagt der Fondsmanager.

Quelle: ntv.de, Kerstin Leitel, Reuters