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Bankrottprozess vor Abschluss Urteil für Mobilcom-Gründer

Der Bankrottprozess gegen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid steht vor dem Abschluss: Nach eineinhalb Jahren, einer schier endlosen Liste von Anträgen und etlichen überraschenden Wendungen will das Landgericht Kiel heute ein Urteil verkünden. Was die Kammer um den Vorsitzenden Richter Oliver William entscheiden wird, ist offen. Die Staatsanwaltschaft hat zweieinhalb Jahre Haft für den Ex-Milliardär gefordert. Sie wirft ihm vor, im Jahr 2002 Geld und Unternehmensanteile nach Liechtenstein "beiseitegeschafft" zu haben. Die Verteidigung dagegen bezeichnet ihren Mandanten als unschuldig und verlangte Freispruch.

Verglichen mit den Summen, die einst auf dem sogenannten Neuen Markt kursierten, fällt der Gegenstand des Verfahrens vergleichsweise bescheiden aus: Vermögenswerte in Höhe von 1,2 Mio. Euro, so die Anklage, soll Schmid vor einer drohenden Pfändung in Sicherheit gebracht haben, nachdem ihm die SachsenLB ein 100-Mio-Euro- Darlehen gekündigt hatte. "Planvolles Handeln" im Angesicht der Zahlungsunfähigkeit - also strafbarer Bankrott, sagt Staatsanwalt Axel Goos. Schmids Verteidiger Erich Samson und Marc Langrock halten dagegen: Das Darlehen sei zu Unrecht gekündigt worden, ihr Mandant also nie zahlungspflichtig und damit auch nicht zahlungsunfähig gewesen, argumentieren sie. Außerdem seien alle Transaktionen offen und nachvollziehbar gewesen.

Ursprünglich sollte die Verhandlung, die das Gericht seit Juli 2007 beschäftigt, nur zwei Tage dauern. Dann jedoch zogen immer neue Anträge, Beweise und Zeugen und unerwartete Wendungen den Prozess in die Länge. So hielt selbst die Staatsanwaltschaft anfangs einen Freispruch Schmids für denkbar, erweiterte dann aber später sogar die Anklage von einfachem auf dreifachen Bankrott. Im Gegenzug warf die Verteidigung dem Ankläger Korruption vor und beantragte die Vernehmung illustrer Zeugen, darunter Altkanzler Gerhard Schröder und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - durchsetzen konnte sie sich damit nicht.

Für den Fall einer Verurteilung ihres Mandanten haben die Verteidiger vorsorglich weitere Beweisanträge eingereicht. Spricht die Kammer Schmid schuldig, müsste sie zusätzlich auch noch über diese Anträge entscheiden. Erhält der Angeklagte den erhofften Freispruch, ist der Fall dagegen vorerst erledigt.

Quelle: n-tv.de