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"Kalte Enteignung" Vermögen vor Inflation schützen

Steigende Inflation in Verbindung mit dauerhaft niedrigen Zinsen sorgt für eine kalte Enteignung von Sparern. Nur ein breit gestreutes Portfolio beugt dem schleichenden Vermögensschwund vor.

Die Rechnung ist einfach: Im September 2012 lag die Teuerungsrate in Deutschland bei zwei Prozent. Mit zehnjährigen Bundesanleihen erzielt man aktuell einen durchschnittlichen Zinssatz von 1,6 Prozent. Zieht man die Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag ab, erhält der Anleger rund 1,3 Prozent. Die Differenz von knapp einem Prozent stellt die sogenannte kalte Enteignung dar.

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Legt ein Unternehmer beispielsweise 100.000 Euro in Bundesanleihen für seine Altersvorsorge zurück, hat er in 20 Jahren nominal also vom Zahlenwert her ein Vermögen von 126.400 Euro aufgebaut. Ein scheinbares Plus. Gemessen an dem, was er sich dafür in 20 Jahren kaufen kann, ist der reale Wert jedoch auf 78.800 Euro um 21.200 Euro gefallen. Und die Schere geht weiter auf. Zentralbanken pumpen weltweit immer wieder Milliarden zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise ins System und schüren die Inflationsgefahr. Die Leitzinsen halten sie dagegen auf Dauer künstlich niedrig.

Alternativen zum Bargeld

Aufgrund dieser Konstellation suchen vor allem risikoscheue Privatinvestoren Alternativen zu Bargeld sowie Tages- und Festgeld. Aktien, Immobilien und festverzinsliche Papiere kommen in Betracht. Ebenso erfreuen sich Edelmetalle oder Kunst seit einiger Zeit erhöhtem Interesse. Bei bestimmten Vermögenswerten wie Luxus- und Kunstobjekten kam es zu einem regelrechten Nachfrageboom. Der steigende Wohlstand in den Schwellenmärkten sorgt für eine kräftige fundamentale Unterstützung dieser Entwicklung.

Staatsanleihen scheiden als Investitionsmöglichkeit aus, denn deren Renditen erscheinen ebenfalls deutlich zu niedrig. Dafür sind die Risiken erheblich. In Griechenland droht mittlerweile ein zweiter Schuldenschnitt.

 Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) werden dagegen zunehmend interessanter und zu den "besseren Staatsanleihen". Die Kapitalmärkte trauen - gemessen an den Ausfallversicherungsprämien - gut geführten Unternehmen oft zu mehr als den Staatsregierungen der jeweiligen Länder. Papiere mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren sind mit Zinskupons von bis zu fünf Prozent ausgestattet. Damit schlagen sie Festgeld um Längen. Ebenfalls die G7 Staatsanleihen, deren Renditen derzeit bei gerade mal 2,2 Prozent liegen. Die Bilanzen vieler Unternehmen weisen solide Strukturen auf. Damit sind sie heute besser für eine Rezession gerüstet als zu Zeiten der Lehman-Krise vor vier Jahren. Wer sein Risiko breit streuen will, hat die Möglichkeit, statt in einzelne Papiere in spezielle Unternehmensanleihefonds zu investieren.

Aktien werden attraktiver

Für risikobewusstere Privatinvestoren gewinnen Aktien an Attraktivität. Im internationalen Vergleich sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse besonders im Euroland niedrig. Die 30 Unternehmen im deutschen Leitindex DAX werden heute rund 15 Prozent niedriger bewertetet als im Mittel der letzten zehn Jahre. Zusätzlich lockt eine Reihe substanzstarker Firmen mit attraktiven Dividendenrenditen. Die Rendite der Münchener Rückversicherung liegt zum Beispiel bei mehr als sechs Prozent. Die Erfahrung lehrt, dass bei einem gut gemischten Aktiendepot die Hälfte des Gewinns aus der Kursentwicklung resultiert, die andere aus den Dividendenzahlungen.

Kunstmarkt mit Tücken

Als materielle Vermögenswerte bieten Kunstinvestitionen eine ganz eigene Sicherheit gegen die kalte Enteignung. In einem inflationären Umfeld erzielen Sie erfahrungsgemäß höhere Erträge als Aktien. Aus diesem Grund erlebt der Kunstmarkt derzeit einen regelrechten Nachfrageboom. Für ein Unternehmen können Kunstobjekte doppelt reizvoll sein, wenn diese als Aushängeschild ihren repräsentativen Platz in den Geschäftsräumen finden. Allerdings müssen sich Anleger des hohen Risikos bewusst sein. Bei Kunst handelt es sich um einen oft wenig durchschaubaren Nischenmarkt. Man benötigt hohes Fachwissen, um den Wert eines Kunstgegenstandes richtig zu einzuschätzen und später einen Käufer zu finden. Dazu kommen hohe Transaktions- und laufende Kosten.

Rohstoffe profitieren vom Wachstum

Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold zählen schließlich zu den klassischen Anlagemöglichkeiten, die ein Vermögen vor Inflation schützen und real erhalten können. Sie profitieren ähnlich wie Aktien von den aktuellen Niedrigzinsen und einem moderatem Wachstum. Die Weltbevölkerung wächst. Agrarrohstoffe und Öl werden knapp, die Preise steigen. Wie wichtig Rohstoffe für deutsche Unternehmen wie BASF, ThyssenKrupp oder BMW sind, zeigt die Gründung der Rohstoffallianz der deutschen Industrie. Das Bündnis soll die langfristige Versorgung mit Rohstoffen wie "Seltenen Erden" gewährleisten und steht weiteren Firmen offen. In Niedrigzinsphasen steigt auch der Goldpreis. Befeuert wird dieser Trend unter anderem durch die anhaltende Staatsschuldenkrise und das Gelddrucken der Notenbanken.

Fazit

Egal welchen Weg der Anleger wählt, um sein Vermögen gemessen an der tatsächlichen Kaufkraft langfristig zu erhalten, entscheidend ist die Diversifikation. Investoren begegnen Niedrigzinsphasen am besten, indem sie ihr Vermögen auf viele unterschiedliche Anlageformen aufteilen. Mit einer breiten Mischung aus substanzstarken und niedrig bewerteten Aktien mit hoher Dividendenrendite, festverzinslichen Unternehmensanleihen, Rentenpapieren mit integriertem Inflationsschutz, physischem Gold sowie ausgewählten Rohstoffen kann der kalten Enteignung erfolgreich begegnet werden.

Der Autor Mirko Albert ist Mitglied des Vorstandes der Value Experts Vermögensverwaltung AG in Münster und einer der Experten des n-tv Geldanlage-Checks 2012: Lassen Sie Ihr Vermögen von unabhängigen Vermögensverwaltern überprüfen und bei Bedarf optimieren. Machen Sie mehr aus Ihrem Vermögen und schützen Sie es vor Verlusten - mit dem kostenlosen n-tv Geldanlage-Check! Weitere Infos und Anmeldung unter: www.n-tv.de/Geldanlagecheck

 

Quelle: n-tv.de