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Demokrat oder Republikaner Wer ist besser für die Börse?

Am Dienstag wird in den USA der neue Präsident gewählt. Umfragewerte und Wettquoten signalisieren einen Sieg der Demokraten. Das könnte sich durchaus positiv auf Aktien auswirken. Denn die weit verbreitete Vorstellung, Aktien würden sich unter republikanischen Präsidenten besser entwickeln, wird durch die historische Kursentwicklung des US-Aktienmarktes nicht bestätigt, stellt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer Analyse fest.

Im Zeitraum von 1928 bis heute gab es drei Vierjahreszeiträume mit negativer Kursentwicklung unter republikanischen Regierungen. Dagegen kam es unter demokratischen Regierungen nur zu einer negativen Vierjahresphase. Der Studie liegt dabei die historische Entwicklung des S&P 500 zugrunde. Die Performanceunterschiede sind aber nicht alleine den politischen Machtverhältnissen zuzuschreiben, sondern gehen vor allem aufs Konto säkularer Trends, die nicht unmittelbar im Einflussbereich politischer Entscheidungsträger liegen. Allein die erste Amtszeit von G.W. Bush wurde durch das Platzen der New Economy Blase, die Anschläge auf das World Trade Center sowie die Bilanzierungsskandale bei Enron und Worldcom überschattet. Man kann G.W. Bush viel Negatives anlasten, aber diese Ereignisse gehen nicht auf sein Konto. Nichts desto trotz, historisch gesehen, haben die Demokraten damit die Nase vorn - zufallsbedingt oder nicht.

Wunschszenario: Demokrat auf Republikaner

Wenn man ein engeres Zeitfenster daraufhin betrachtet, welche Aktien besser gelaufen sind, nämlich nur neun Monate vor und zwölf Monate nach der Wahl, ist festzustellen, dass die US-Börsen am besten liefen, wenn ein Demokrat einen Republikaner ablöste.

Am schlechtesten schnitten Aktien dagegen ab, wenn ein demokratischer Präsident von einem Republikaner abgelöst wurde. Auch dieser Punkt geht also an die Demokraten und lässt vielleicht den einen oder anderen eingefleischten Börsianer hoffen.

Bei der US-Wahl 2008 hat sich bei Umfragen übrigens herausgestellt, dass der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama besonders in den Bereichen Wirtschaft und Haushaltskonsolidierung punktet. Traditionell wird zwar den Republikanern mehr Expertise in Wirtschaftsfragen nachgesagt. Historisch gesehen ist das aber nicht fundiert. Demokratische Präsidenten haben geschichtlich gesehen - entgegen der allgemeinen Überzeugung - sogar eine positive Bilanz vorzuweisen. Das Wirtschaftswachstum lag während der Amtszeiten von Demokraten deutlich höher als unter Republikanern. Dieses höhere Wirtschaftswachstum schlug sich erfreulicherweise auch immer in einer deutlich besseren Arbeitsmarktbilanz der Demokraten nieder. Außerdem wurden unter demokratischen Präsidenten im Durchschnitt Haushaltsdefizite abgebaut bzw. Überschüsse aufgebaut, während sich unter Republikaner die Staatsfinanzen eher verschlechterten.

Wahlkampfspenden - eine lohnende Investition

Aber unabhängig davon, ob Demokraten oder Republikaner den Sieg davontragen, wichtig für jede Anlageentscheidung in Aktien ist es, in den kommenden zwölf Monaten die Sektoren im Auge zu behalten, die den Sieger unterstützt haben.

Besonders gut entwickelten sich nämlich immer die Aktienkurse von den Unternehmen, die eindeutig auf den späteren Wahlsieger gesetzt haben. Ein gleichmäßiges Aufteilen der Spenden auf Demokraten und Republikaner zahlte sich dagegen der Studie zufolge für den jeweiligen Aktienkurs nicht aus. Das heißt, es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Parteispenden und der anschließenden Outperformance bestimmter Sektoren. Spenden sind also durchaus als "Investition in eine vorteilhafte Regulierung" zu verstehen, stellt die Helaba in ihrer Studie fest.

Die Positionierung der Sektoren sieht traditionell folgendermaßen aus: Firmen aus dem Sektor Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) setzen mehrheitlich auf die Demokraten. Unternehmen aus den Bereichen Agrar, Bau, Energie und Transport bevorzugen dagegen die Republikaner. Dieser Wahlkampf war aber auch für einige Überraschungen gut. Eine Reihe von Sektoren, die klassischerweise dem Republikaner-Lager zugeordnet werden, haben sich jetzt auf die Seite der Demokraten geschlagen. Neben TMT finden sich im Demokraten-Portfolio diesmal auch Pharma, Rüstung und Finanzen.

Den Volkswirten der Helaba zufolge war es beim Wahlkampf 1992 Bush vs. Clinton und beim Wahlkampf 1996 Clinton vs. Dole so, dass sich das "Demokraten-Portfolio" besser entwickelte als der Gesamtmarkt, während das Portfolio aus den Sektoren, die auf Republikaner gesetzt hatten, sich schwächer als der Gesamtmarkt entwickelten. Dagegen war es nach dem Wahlkampf 2000 Al Gore vs. Bush umgekehrt, das "Republikaner-Portfolio" entwickelte sich besser. Auch 2004 Bush vs. Kerry zeigte sich zwölf Monate nach der Wahl, dass das "Republikaner-Portfolio" besser lief als das der Demokraten.

Die Untersuchung der vergangenen vier US-Präsidentschaftswahlen ergibt somit ganz klar: das "Sieger-Potfolio" toppt das "Verlierer-Portfolio". Für Anleger wird es sich auf jeden Fall lohnen, in die die Sektoren zu investieren, die sich auf die Seite des siegreichen Kandidaten geschlagen haben. Setzt sich der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama durch, gilt es also auch Pharma, Rüstung und Finanzen im Auge zu behalten.

Quelle: n-tv.de