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Nachhaltige Investments Wird die Autobranche grün?

Roman Limacher, Direktor der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG

Roman Limacher, Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Höller Vermögensverwaltung

Das Thema Ökologie beschäftigt die Automobilbranche spätestens, seitdem die Medien intensiv über den Klimawandel und die Erderwärmung berichten. Tatsächlich trägt derzeit der Verkehrssektor mit ungefähr 13% zu den weltweiten Treibhausgas-Emissionen bei. Dieser Prozentsatz wächst, weil der CO-Ausstoß durch Straßenverkehr und Luftfahrt doppelt so schnell zulegt wie die CO-Emissionen insgesamt.

Um ca. 100 kg Mensch und Gepäck von Punkt A nach Punkt B zu transportieren, bewegen wir durchschnittlich ca. 1,3 Tonnen Fahrzeug. Der wertvolle Rohstoff für den Antrieb wird dabei aber in einem völlig ineffizienten System verbrannt: 75% vom Energiegehalt des Öls bzw. Benzins und Diesels verpuffen nutzlos als Abwärme. Nur rund 25% werden in mechanische Energie umgewandelt. Von diesen 25% werden wiederum nur ca. 20% in Bewegungsenergie umgesetzt. Der Rest geht wiederum ohne jeglichen Nutzen durch Luftwiderstand oder Reibung verloren. Vom Gesamtenergiebestand des Rohstoffs nutzen wir also lediglich ca. 5%. Spätestens unsere Enkelkinder werden uns einmal fragen, wie wir den wertvollen und vor allem endlichen Rohstoff Öl so ineffizient verbrennen konnten.

Effizientere Antriebe gefordert

Insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern wird das Mobilitätsbedürfnis weiter zunehmen. Das ist völlig legitim. Allerdings wird sich der steigende Bewegungsdrang der Weltbevölkerung nicht durch den schwerpunktmäßigen Einsatz von Verbrennungsmotoren befriedigen lassen. Vor allem die Umweltverschmutzung und die Begrenztheit von Rohöl sprechen gegen die fast nostalgisch anmutende Antriebsart, die von der Automobilindustrie immer noch als Spitzentechnologie gepriesen wird.

Zu lange haben die großen Automobilkonzerne einem überholten Mobilitätsmodell nachgelebt. Erst jetzt fangen sie an, ernsthaft an neuen Antriebsarten wie Hybrid- und reinen Elektromotoren zu arbeiten. Es wird spannend zu beobachten sein, welche Unternehmen den technologischen Wandel bewältigen und welche an ihm scheitern werden.

Wer ergreift die Chance?

Die großen Probleme hinsichtlich Ladezeiten, Reichweiten und Infrastruktur sind längst noch nicht gelöst. Es wird noch Jahre dauern, bis die Fahrzeugflotten der Automobilkonzerne über einen nennenswerten Anteil von Wagen mit innovativen Antriebskonzepten verfügen.

Zu einer ökologisch unbedenklichen Branche wird sich die Automobil-Industrie auf absehbare Zeit nicht wandeln. Dieser Sachverhalt hat das Ethik-Komitee der Dr. Höller Prime Value Fonds dazu bewogen, vorerst nicht in Automobil-Unternehmen zu investieren. Als Ausnahme wurde die Toyota Motor Corporation in das Anlageuniversum der Ethik-Fonds aufgenommen. Die Firma bietet als Vorreiterin bereits seit vielen Jahren in großem Stil alternative Antriebskonzepte an und hat die Messlatte erst einmal gesetzt. Vor kurzem gab das Unternehmen zudem bekannt, aus der Formel 1-Rennserie auszusteigen. Vielleicht stehen den Ingenieure dadurch künftig mehr Mittel zur Verfügung, um nachhaltige Konzepte voranzutreiben.

Interessante Investment-Themen sehen wir derzeit vielmehr im Bereich der Zulieferer. So sind die Entwicklung und Produktion von neuen Materialien interessant. Diese sorgen gerade im Transportbereich für signifikante Effizienzsteigerungen. Aber auch im Bereich der Energiespeicherung finden sich spannende Anlageideen.

Das Ethik-Research der Dr. Höller Vermögensverwaltung stuft u.a. folgende Aktien als nachhaltige Investments ein:

Johnson Controls (ISIN US 478 366 107 1). Das US-Industrieunternehmen bietet eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen an, die in der Automobilindustrie und im Immobiliensektor der Optimierung des Energieverbrauchs dienen. Neben Innenraumsystemen (Sitze, Elektronik u.a.) liefert JCI gemeinsam mit der französischen Saft weltweit Autobatterien (konventionell und Lithium-Ionen-Technologie), u.a. an BMW, Mercedes-Benz und Ford. Nachhaltigkeit ist in der Geschäftspolitik verankert und zeigt klare Auswirkungen auch im Produktbereich.

Umicore (ISIN BE 000 388 404 7) Der belgische Material-Technologie-Konzern ist weltweit führend in der Produktion und im Recycling von Spezialwerkstoffen und –metallen. Neben der Herstellung von Katalysatoren für Fahrzeuge und Komponenten für Brennstoffzellen betätigt sich Umicore auch bei der Produktion von Silizium für Solarzellen. Die Firma ist um ein Ressourcen schonendes Produzieren bemüht.

Johnson Matthey (ISIN GB 000 476 407 1) Das britische Chemieunternehmen stellt u.a. Autokatalysatoren und Komponenten für Brennstoffzellen her. Das Unternehmen integriert seit Jahren ökologische Aspekte in seine Unternehmenstätigkeit und will diese zukünftig vermehrt ausbauen.

Toyota Motor Corporation (ISIN JP 363 340 000 1) Der japanische Automobilhersteller entwickelte sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem der weltweit erfolgreichsten Autokonzerne. Dank ökologisch-innovatorischen Ansätzen weist die Firma ein vorbildliches Verhalten für die gesamte Automobilbranche vor. Unter den großen Automobilherstellern weist Toyota 2008 bei ihren Produkten die geringsten durchschnittlichen Emissionswerte aus.

Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung dar. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Roman Limacher ist Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Höller Vermögensverwaltung, einer 100%igen Tochter der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. Das Unternehmen legte 1995 den ersten Ethikfonds Kontinentaleuropas auf und gilt als Pionier bei nachhaltigen Investments.

Quelle: n-tv.de

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