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Menschenhandel in Deutschland Jedes fünfte Opfer minderjährig

Immer mehr junge Frauen aus Osteuropa und Afrika werden von Menschenhändlern nach Deutschland gebracht und hier sexuell ausgebeutet. Laut Bundeskriminalamt gehen die Täter äußerst brutal vor.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels und Zwangsprostitution steigt weiter. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) 534 Verfahren und damit elf Prozent mehr als im Vorjahr abgeschlossen. Die Zahl der registrierten Opfer stieg um fünf Prozent auf 710, etwa die Hälfte davon kam aus Osteuropa.

"Die Täter gehen zum Teil äußerst brutal vor", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke bei der Vorstellung der Statistik in Berlin. "Bekanntgeworden sind Fälle von Mehrfachvergewaltigungen, brutaler körperlicher Gewalt und Todesdrohungen, um die Betroffenen zur Prostitution zu zwingen."

Die Zahl der Ermittlungsverfahren ist seit 2005 kontinuierlich gestiegen. Ein Viertel der Opfer kommt aus Deutschland, jeweils knapp 20 Prozent kommen aus Rumänien und Bulgarien. Zwei Drittel der Opfer waren jünger als 21 Jahre. Inzwischen ist jedes fünfte Opfer minderjährig, die Zahl der entdeckten Kinder verdoppelte sich 2009 gegenüber dem Vorjahr auf 41.

Brutale Gewalt der Täter

Die Opfer werden von den Tätern massiv und teilweise brutal unter Druck gesetzt. Ziercke berichtete von einem Fall, in dem das Kind eines Opfers im Heimatland entführt wurde, um die nach Deutschland verschleppte Mutter zu erpressen. Frauen, denen die Flucht zurück in die Heimatländer gelingt, werden dort teilweise verfolgt und bedroht.

Die Verfolgung der Täter gestaltet sich nach wie vor schwierig. "Eine Vielzahl der Verfahren wird eingestellt, weil die Opfer nicht als Zeugen zur Verfügung stehen", sagte Ziercke. Nur 18 Prozent der Tatverdächtigen würden in Deutschland verurteilt. "Wir gehen daher von einem erheblichen Dunkelfeld aus", sagte Ziercke.

Dem BKA zufolge wurden auch Menschenhändler aus Nigeria immer aktiver. Viele Frauen aus Afrika seien aber nicht bereit, mit der Polizei zu kooperieren, weil ihnen die Täter durch Vodoo-Rituale Schweigegelübde auferlegt hätten. Weitere Gründe, warum sich sexuell ausgebeutete Frauen auch aus Osteuropa nicht an die Polizei wandten, seien Gewalt der Täter und der Wunsch, sich durch Migration einen besseren Lebensunterhalt verdienen zu können.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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