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Neue Runde im Rechte-Kampf US-Labels gegen Programmierer

Kampf um digitale Urheberrechte geht in neue Runde: Nachdem populäre Musik-Tauschbörsen wie MP3.com und Napster vom Netz genommen worden sind, steht die Musikindustrie vor neuen Herausforderungen. Längst füllen andere Anbieter die Lücke, mit Gnutella, MusicCity oder Grokster neue Umschlagplätze nachgewachsen.

Die dürften der Plattenindustrie noch viel mehr Sorgen bereiten. Die Angebote der neuen Generation brauchen keine großen Server mehr, um den illegalen Handel urheberrechtlich geschützter Songs zu ermöglichen. Sie verteilen lediglich eine Software - alles andere machen die Nutzer selbst. Der Austausch der Daten läuft dann in verteilten Netzen ab, die von den Experten Peer-to-Peer (P2P) genannt werden. Die Urheber illegalen des Tauschhandels dingfest zu machen, wird so zur Sisyphos-Arbeit.

Daher will die Plattenindustrie nun den Software-Herstellern an den Kragen. Auf Initiative des amerikanischen Industrieverbandes (RIAA) wird gegen eine niederländische Softwarefirma geklagt. Das Unternehmen FastTrack stellt eine P2P-Software her. Internet-Nutzer können diese Software kostenlos aus dem Netz laden, ihre Rechner zu einem Netzwerk zusammenschließen und darin Dateien austauschen.

Unter den Namen Morpheus, Kazaa und Grokster hat die Firma nach Ermittlungen des Marktforschungsunternehmens WebNoise allein im August mit rund einer Milliarde getauschter Dateien die Hitliste der Tauschbörsen im Netz angeführt. Im Oktober sei die Zahl der über die Plattformen Kazaa und Grokster sowie MusicCity getauschten Dateien um 20 Prozent von 1,51 auf 1,81 Milliarden gestiegen. Alle Plattformen haben ihre eigenen Marken, nutzen aber im Prinzip die gleiche Software.

Doch selbst wenn alle Firmen per Gerichtsbeschluss geschlossen würden, könnten die Nutzer über das Netzwerk weiterhin ihre Dateien tauschen. Die Firma MusicCity, die ebenfalls wegen Verbreitung von P2P-Software vor Gericht steht, hat unterdessen jedoch prominente Unterstützung erhalten.

Die EFF (Electronic Frontier Foundation), eine in den USA renommierte Variante des deutschen Chaos Computer Clubs (CCC), will den Beklagten mit Rechtsbeistand zur Seite stehen: Ein ganzes Team hochkarätiger Anwälte will zeigen, dass dieses Gerichtsverfahren keineswegs mehr mit dem gegen Napster zu vergleichen ist. Die EFF sieht bei der Klage grundsätzliche Rechte von Software-Händlern und Internet-Nutzern gefährdet. "In diesem Gerichtsverfahren geht es um die Freiheit der Programmierer, technologische Innovationen zu entwickeln, und um das öffentliche Recht zu kommunizieren", sagte Fred von Lohmann, Anwalt und Mitglied der EFF. Die Musikindustrie versuche, eine Technologie zu verbieten, die ganz vielfältig und unabhängig vom illegalen Tauschcopyright-geschützter Musikstücke einsetzbar sei.

Dieses Verfahren erhebe die grundsätzliche Frage nach der Verantwortung von Softwarehändlern. Soll sich ein Programmierer etwa schon strafbar machen können, wenn er eine solche Netzwerk-Software entwickelt oder vertreibt? Die Entwickler beobachten den Ausgang dieses Prozess deshalb mit deutlich mehr Sorge als etwa das Verfahren gegen Napster.

Quelle: n-tv.de