Infografik

Daten, Karten, Infografiken Coronavirus-Epidemie gewinnt an Tempo

Was genau rollt da auf das deutsche Gesundheitssystem zu? Hierzulande, heißt es, wurden die ersten Coronavirus-Infektionen frühzeitig entdeckt. Doch eine Analyse der Epidemie-Daten zeigt: Die Fallzahlen stiegen zeitweise schneller als in Italien.

Wie schwer wird der Coronavirus-Ausbruch Deutschland treffen? Eine Analyse der Ausbreitungsraten in China, Südkorea und China deuteten - mit Stand 21. März - auf einen möglicherweise schwereren Verlauf des Ansteckungsgeschehens in Deutschland hin.

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Ausgewertet wurde die Entwicklung der Fallzahlen in den jeweiligen Ländern im Zeitverlauf, gerechnet ab dem Stichtag, an dem dort die Schwelle von 100 Fällen erreicht oder überschritten wurde. Um die Entwicklung zu vergleichen, wurden anschließend die Verlaufslinien der steigenden Fallzahlen aus betroffenen Staaten übereinander gelegt: Der Startpunkt der einzelnen Linien ist jeweils der Stichtag Null.

In Deutschland war dieser Stichtag am 1. März erreicht, als hierzulande erstmals mehr als 100 Sars-CoV-2-Infektionen nachgewiesen wurden. Für China liegt dieser Tag 0 sehr viel weiter zurück: Dort war dieser Zeitpunkt bereits Mitte Januar erreicht. Italien ist Deutschland demnach rund acht Tage voraus.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde überarbeitet, missverständliche Formulierungen wurden korrigiert.

In der ntv.de-Infografik ist zu erkennen, wie rasch die Epidemie in den Vergleichsländern an Fahrt aufnimmt: In Südkorea (gelbe Linie) steigen die Fallzahlen in der Anfangsphase in einem Tempo, das einer täglichen Verdopplung der Infizierten entspricht, bevor sich die Ausbreitung ab Tag 9 deutlich verlangsamt.

Zum besseren Verständnis: Die horizontale Achse zeigt den Verlauf nach Tagen ab dem Nullpunkt, in der Senkrechten springen die Markierungen der Skala mit der exponentiellen Entwicklung nach oben: von 100 zu 1000 zu 10.000 bis zu 100.000 Fällen. Hilfslinien markieren die Geraden, die sich im Fall konstanter Zuwachsraten abzeichnen würden: also eine tägliche Verdoppelung der Fallzahlen, eine Verdoppelung jede Woche oder eine Verdoppelung von Monat zu Monat.

Keine Entspannung in Sicht

Was heißt das für Deutschland? Bisher bewegen sich die deutschen Fallzahlen in Bereichen einer Fallverdopplung alle zwei bis drei Tage. Anzeichen für eine Abschwächung waren bis Tag 20 nicht zu erkennen. Dabei befindet sich die Bundesrepublik bereits 20 Tage in der Epidemie-Entwicklung. Wenn sich das Tempo der Ausbreitung nicht schnell verringert, könnte die Gesamtzahl der Infizierten, wie von Experten befürchtet, schon bald deutlich höher ausfallen. Ein Umstand, der auch in der Diskussion um weiträumige Ausgangsbeschränkungen in Deutschland zur Verbesserung des Social Distancing und der damit verbundenen Abflachung der Infektionskurve großes Gewicht haben dürfte.

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Zum Vergleich: Die Daten aus China zeigen anfangs eine etwas schwächere Dynamik: Die blaue Linie steilt sich erst ab Tag 5 weiter auf, bevor sich die Wachstumsrate ab Tag 12 abschwächt. Die deutsche Rate steigt zwar deutlich langsamer an. Doch der Direktvergleich insbesondere mit der Entwicklung in Italien gibt zu denken: Ab Tag 18 liegt Deutschland bei den Fallzahlen gleichauf. Und ab Tag 19 des Ansteckungsgeschehens lag die deutsche Ausbreitungsrate zeitweise sogar höher als in Italien.

Bei der Betrachtung der Wachstumsraten gilt es wichtige Einschränkungen zu beachten: In der Praxis lassen sich die Daten aus den verschiedenen Ländern nur bedingt miteinander vergleichen. Regional gibt es große Unterschiede etwa bei der Anzahl der auf das Virus getesteten Personen. Die Wachstumsraten erlauben damit nur eine grobe Orientierung.

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Wenn es jedoch nicht gelingt, die Ausbreitung des Virus in seiner bisherigen Geschwindigkeit abzubremsen, dann könnte sich Deutschland schon bald zum nächsten großen Brennpunkt der Coronavirus-Epidemie entwickeln. Die oben stehende Grafik zeigt, wie sich Fallzahlen - in einem stark vereinfachten Modell - bei verschiedenen konstanten Wachstumsraten in den nächsten 100 Tagen entwickeln.

Wichtig: Bei dieser Betrachtung handelt sich ausdrücklich nur um ein Rechenbeispiel, die eine exponentielle Entwicklung bei verschiedenen Verdopplungsraten wiedergibt. In der Realität kommen bei der weiteren Ausbreitung des Erregers sehr viel mehr Einflussfaktoren zum Tragen - darunter auch so einfache Maßnahmen wie die Kontaktreduzierung, das gründliche Händewaschen oder die anwachsende Zahl immunisierter Personen.

Quelle: ntv.de