Leben

"The Sustainable City" Dubai kann auch nachhaltig

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Auf allen Häusern befinden sich Sonnenkollektoren.

(Foto: The Sustainable City, Dubai)

Wolkenkratzer, Luxushotels, Freizeitparks: Dubai bringen die meisten Menschen wohl erst einmal nicht mit Umwelt- und Klimaschutz in Verbindung. Doch ein neues Viertel zeigt, dass die Metropole durchaus Wert auf Nachhaltigkeit legt - und zwar im großen Stil.

Die Öl- und Gaserlöse sind für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die größte Einnahmequelle. Und natürlich wurden diese Energieressourcen bisher auch im eigenen Land großzügig genutzt. Doch mittlerweile setzt die Regierung der VAE zunehmend auf Umwelt- und Klimaschutz. Bis 2050 sollen demnach die Energiequellen Dubais zu 75 Prozent aus nachhaltigen Ressourcen stammen. Damit hätte die Stadt den geringsten CO2-Fußabdruck weltweit.

Ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit ist bereits die circa 25 Kilometer von Dubais Zentrum entfernte "The Sustainable City". Es handelt sich dabei um ein Nullenergie-Projekt der Immobiliengesellschaft Diamond Developers. Die Öko-Siedlung hat mittlerweile 2700 Bewohner und zeigt, dass Dubai auch in Sachen Klimaschutz, Elektromobilität und smarte Technologie so einiges auf dem Kasten hat.

Das clevere Nachhaltigkeitskonzept

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Bei allen Häusern wurde auf eine umweltfreundliche Bauweise mit nachhaltigen Materialien geachtet.

(Foto: The Sustainable City, Dubai)

Wer in "The Sustainable City" lebt, reduziert seinen CO2-Fußabdruck um mindestens 60 Prozent. Das liegt vor allem am innovativen Nachhaltigkeitskonzept der fünf Millionen Quadratmeter großen Stadt. In der ersten Bauphase ab 2015 wurden 500 Wohnvillen, 89 Wohnhäuser, 11 Kuppelgewächshäuser, 32.300 Quadratmeter Bauernhöfe sowie 1,16 Millionen Quadratmeter Büro- und Einzelhandelsfläche errichtet. In der zweiten Bauphase ging es um die Erschaffung spezieller innovativer Gebäude. Dazu gehören unter anderem ein Wissenschaftsmuseum, eine Schule, eine Moschee und das Hotel Indigo, welches mit 100 Prozent Sonnenenergie betrieben wird, sowie alles an aufkommenden Abfällen und Abwasser recycelt.

Besonders umweltfreundliche Baumaterialien und -methoden, sowie energieeffiziente Wohneinrichtungen: Das macht "The Sustainable City" zu einem ambitionierten und zukunftsweisenden Stadtentwicklungsprojekt. Bereits bei der Bebauung wurden vorgefertigte Wandpaneele eingesetzt, um den Bauschutt zu reduzieren. Weiterhin achtete man darauf, ausschließlich hochwertige – und damit langlebige – Baumaterialien zu verwenden. Zudem kamen vermehrt recycelte Materialien wie Krümelgummi aus alten Reifen und Laternenpfähle aus Brettschichtholz zum Einsatz. Alle Häuser haben Solarzellen auf dem Dach, die dafür sorgen, dass im Winter oft überhaupt keine Kosten für Strom anfallen. Das liegt daran, dass die Solarproduktion hier höher als, ist als der Stromverbrauch. Durch die Ausstattung der Häuser mit ausschließlich energieeffizienten Geräten reduzieren sich die Kosten für Strom und Wasser insgesamt um 60 Prozent im Vergleich zu anderen umweltfreundlichen Bauten Dubais. Dazu tragen auch stark isolierte Wände und mehrfach verglaste Fenster bei. Sonnensegel sowie Windtürme sorgen zusätzlich dafür, dass die engen Straßen gut verschattet und gekühlt sind.

Wie lebt man in „The Sustainable City“?

Das Herz der Stadt ist die "Central Green Spine" mit Spielplätzen, Pools, Gewächshäusern und Wasserflächen für die Einwohner. Ein besonderes Highlight ist sicher auch das 15.000 Quadratmeter große Plaza. Es beherbergt fünf Blöcke mit Geschäften, Restaurants, Cafés, Büros und Wohnungen, die gemietet werden können. Doch das Leben in dieser Vorreiterstadt in Sachen Nachhaltigkeit muss man sich erst einmal leisten können. Wer ein Haus kaufen möchte, muss mindestens eine Million US-Dollar hinblättern. 1800 Menschen haben dies bereits getan. 900 leben zur Miete.

Viel Wert legt die Stadt auf Müllreduzierung, weshalb die Bewohner angehalten sind, so wenig wie möglich Plastikmüll zu produzieren. Um das zu fördern, ist die Benutzung von Einwegkunststoff im Besucherzentrum, in Einkaufszentren, sowie in den Verwaltungsgebäuden bereits verboten. In Einkaufszentren wird darum gebeten, stets Stoffbeutel anstelle von Plastiktüten zum Tragen der Einkäufe zu verwenden. Restaurants verkaufen zudem keine Plastikflaschen. Wer unterwegs etwas trinken möchte, kann sich an den Wasserfontänen und den montierten Wasserspendern bedienen, welche die Plastikflaschenwasserspender ersetzen.

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Die Einwohner von "The Sustainable City" haben sich längst an ein Leben ohne Autos im Stadtinneren gewöhnt.

(Foto: The Sustainable City, Dubai)

Autos sind in den meisten der 16 Stadtteile verboten, weshalb die Bewohner ihre Fahrzeuge außerhalb dieser unter Carports parken. Für Mobilität innerhalb von "The Sustainable City" sorgen stattdessen neben herkömmlichen Fahrrädern vor allem Elektroroller und -fahrräder. Zudem können die Bewohner mit Smart Cars oder von Pferden gezogenen Buggys unterwegs sein. Ein großer Park mit 2.500 Bäumen trägt zur Reduzierung der Luftverschmutzung bei. Die Stadt recycelt jegliches Abwasser vollständig. Neben den Fahrradwegen verläuft deshalb auch ein Bio-Pfad, der dazu dient, das Regenwasser aufzufangen, zu filtern, aufzubereiten und es anschließend wieder dem Grundwasser hinzuzufügen. In "The Sustainable City" gibt es auch zwei künstlich angelegte Seen mit ausschließlich recyceltem Wasser.

Besonders gefördert wird auch die städtische Landwirtschaft. Elf Biodome-Gewächshäuser mit temperierten Biokuppeln ermöglichen es den Bewohnern, selbst Obst- und Gemüsesorten anzubauen. Zum Putzen verwendet man in "The Sustainable City" natürlich auch keine herkömmlichen Putzmittel, sondern ausschließlich ökologische ohne Schadstoffe. Für das umweltfreundliche Putzmittel "Aqueous Ozone" müssen die Einwohner nichts bezahlen.

Ansonsten hält diese klimafreundliche Stadt viele Freizeit-, Einzelhandels- und Bildungseinrichtungen bereit, sodass man hier auf rein gar nichts verzichten muss. Hundeparks, Sportplätze, Fitnessstudios, Musik- und Sportveranstaltungen, Reit- und Gärtnerkurse und viele weitere Angebote lassen keine Langeweile aufkommen. Die Zufriedenheit der Bewohner steht im Mittelpunkt. Kein Wunder also, dass "The Sustainable City" bereits zweimal den Preis für "Die glücklichste Gemeinde" erhalten hat.

Quelle: ntv.de, imi