Leben

Trends im Kinderzimmer "Spielbedürfnisse ändern sich nicht"

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Fidget Spinner war 2017 eines der Trend-Spielzeuge.

(Foto: picture alliance / Silas Stein/d)

Es gibt echte Spieleklassiker wie Uno oder Neuentwicklungen wie Fidget Spinner. Wie und warum ein Produkt zum Liebling der Kinder wird, wissen selbst Marktforscher kaum. Doch ein paar gesellschaftliche Megatrends spiegeln sich auch bei neuen Spielzeugen wider. Marktforscher Axel Dammler erklärt im Gespräch mit ntv.de, was in den kommenden Monaten im Trend liegen wird.

ntv.de: Inwiefern verändern sich Spieletrends?

Axel Dammler: Die grundsätzlichen Spielbedürfnisse der Kinder ändern sich nicht und dadurch bleibt die Auswahl der Spielwaren auch recht gleich. Es gibt Konstruktionsspiele, Rollenspiele und Bewegungsspiele und es gibt nach wie vor Puppen, Legosteine, kleine Autos und Bastelprodukte. Das Rad wird nicht neu erfunden, sondern es findet eher eine Evolution statt.

Wonach richtet sich diese Evolution?

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Axel Dammler ist Marktforscher und Geschäftsführer von iconkids & youth.

Die Evolution wird ganz klar durch den technischen Fortschritt getrieben. Wenn eine bestimmte Technologie plötzlich deutlich günstiger wird, taucht sie relativ stark auf der Spielwarenmesse auf. Das war zum Beispiel bei den Spiel-Drohnen so. Ein anderes Beispiel sind Sensoren, die Bewegungen, Geräusche und Farben erkennen. Sie stecken beispielsweise in kleinen Robotern. Ein drittes Beispiel sind die lernenden Spielzeuge mit Sprachaufzeichnung. Babypuppen gab es zwar schon immer, aber nun stecken diverse Technologien drin.

Birgt das nicht manchmal auch eine Gefahr? Es gab vor einiger Zeit eine Mattel-Barbiepuppe, die ans Internet gekoppelt war und Gespräche mithörte.

Diese besagte Puppe von Mattel war vernetzt und führte zu einem großen Skandal. Da waren die Eltern ziemlich wachsam. In diesem Fall hat es sogar einen technischen Rückschritt gegeben, weil man so etwas nicht im Kinderzimmer haben wollte. Nun entwickelt man Systeme, die offline funktionieren.

In vielen Bereichen spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Gibt es diese Entwicklung auch in der Spielbranche?

Ja, Nachhaltigkeit ist ein riesiger Trend. Es gibt zwar schon seit vielen Jahren Spielzeug aus besonders nachhaltigen Materialien wie Holz oder Bambus, aber in den meisten Fällen waren sie viel zu teuer und hatten im Massenmarkt keine Chance. Die Branche denkt da um. Die Unternehmen arbeiten an der Langlebigkeit der Produkte, an neuen Materialien und an der Reduktion von Verpackungsmüll. Der Konsument ist in den meisten Fällen noch nicht so weit. Er findet Nachhaltigkeit zwar gut, möchte allerdings nicht mehr Geld für ein anderes Spielzeug ausgeben. Außerdem möchte man beim Spielzeugkauf, dass das Geschenk toll aussieht und manche Plastikbox macht dann optisch mehr her als ein Karton. Nachhaltiges Verhalten fällt uns deshalb schwer.

Wie kommen denn die Spieltrends sonst zustande?

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Wenn ich das selbst wüsste, würde ich in der Südsee leben. Es gibt da keinen goldenen Schlüssel zum Erfolg. Man fragt sich oft, was ein bestimmtes Produkt für einen Sinn hat. Da gibt es zum Beispiel L.O.L. Suprise. Das ist ein rosa Ei mit einer Figur drin. Das ist voller Plastik, es produziert sehr viel Verpackungsmüll und es ist teuer. Noch dazu hat es einen minimalen Spielwert. Ein anderes Beispiel ist der Fidget Spinner. Der Erfolg hat in diesem Fall allerdings nur wenige Monate gehalten und auch da hätte niemand vorhersagen können, dass dieses Produkt funktioniert. Das sind Dinge, die einfach auf dem Schulhof passieren. Es ist sehr schwierig, so einen Hype zu kreieren.

Und was macht die echten Klassiker aus, so wie Lego?

Bei Marken wie Lego und Playmobil hat es auch einen Grund, warum sie so lange erfolgreich sind. Sie haben einfach eine Produktrezeptur, die passt. Es ist die richtige Spielfunktion und das richtige Produktdesign. Natürlich steckt da auch einiges an Marketing dahinter. Aber auch diese Unternehmen haben immer wieder den Zwang, etwas nachzulegen. 

Vor einigen Jahren gab es eine große Gender-Debatte über Spielzeug. Hat sich da etwas getan?

Es gibt viele Eltern, die diese strikte Geschlechtereinteilung nicht gut finden und darauf auch bei der Kleidung achten. Doch im Kindergarten wollen die Kinder sich ihren Gruppen anpassen. Sie schauen auf den Code, der eine Gruppe bestimmt und auch ein bestimmtes Spielzeug kann ein Code sein. Das führt dann manchmal zum Kauf von stereotypen Produkten, Farben und Mustern. Selbst wenn es die Eltern verhindern wollen, ist der Druck der Kinder oft zu groß. Denn die Kinder wollen sich ihren Freunden und ihrer Gruppe zugehörig fühlen. Wir sehen einen Wandel, allerdings nur langsam. Man muss Industrie und Handel schon vorwerfen, dass sie es sich leicht machen und zum Beispiel gerne zu stereotypen Farbcodes greifen.

Wie steht das Brettspiel in Zeiten der Digitalisierung da?

Wir Menschen sind soziale Wesen und freuen uns, wenn wir mit anderen Menschen interagieren können. Das ist genau das, was diese Brettspiele ausmacht. Wir haben dann ein gemeinsames Thema, mit dem wir uns beschäftigen und uns austauschen können. So ein Spiel ist sozusagen ein Schmiermittel der sozialen Interaktion.

Welche Spiele werden sich Ihrer Meinung nach in der kommenden Zeit durchsetzen?

Ein Megatrend sind die Lizenzspielzeuge, die auf Serien, Filmen und Fernsehen basieren. Da gibt es beispielsweise "Star Wars" oder "Dragons". Das basiert alles auf Medien und treibt den Markt auch stark an. Die Abhängigkeit von solchen Themen wird größer. Außerdem wird es eine schleichende Veränderung bei den Materialien geben. Denn es fehlt noch ein Bindeglied zwischen dem vielseitigen Plastik und Holz.

Mit Axel Dammler sprach Sonja Gurris

Quelle: ntv.de