Leben

Der Denglische Patient That Smoking becomes you!

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Deutsch, Französisch, Englisch - für den Meister war das kein Problem.

(Foto: imago stock&people)

Fashion und Englisch gehören zusammen wie Karl und Lagerfeld. Gerne erinnert sich unser Kolumnist an den Modeenglischunterricht des sprachbegabten Lagerfeld. Er beurteilte die Modewelt stets danach, was "in" ist und … Sie wissen schon: "passé"!

Karl for ever! Ob Karl Lagerfeld dieses Motto gefallen hätte, obwohl er stets gesagt hatte, dass alles Französische sein Fall sei? Im Februar ist er gestorben und am Donnerstagabend feierten ihn die drei Mode-Labels Fendi, Chanel und KL noch einmal im Grand Palais in Paris mit der Gala "Karl for ever". Die altmodische Schreibweise "for ever" war das eine. Der englischsprachige Titel das andere - vielleicht hatte man sich schlicht aus der nüchternen Erkenntnis heraus dafür entschieden, dass Lagerfeld niemals "der" oder "the Karl Lagerfeld" geworden wäre, wenn er wirklich nur Französisch gesprochen hätte.

Karl Lagerfeld war ein mustergültiger EU-Bürger, gemessen an seinen Sprachkenntnissen. Mustergültig deshalb, weil es das offizielle Ziel der Europäischen Union ist, dass jeder mindestens drei Sprachen spricht. Der in Hamburg geborene Lagerfeld beherrschte vier und er war nicht nur für eine wasserfallartige Art zu sprechen berühmt, sondern auch dafür, in 24 Stunden keine Sprache auszulassen.

Er verstand es sogar, sie synchron einzusetzen: Französisch mit den "Mädchen", die ihn umgaben, Italienisch mit den Stoffherstellern, die ihn umgarnten, Englisch mit den Journalisten, die ihm so lästig wie teuer waren. Und Deutsch? Wenn er sich richtig ärgerte - zum Beispiel über Journalisten.

Passé oder in vogue

Einmal hatte ich selbst die Ehre, Karl Lagerfeld während eines Interviews in englischer Sprache zu erleben. Um genau zu sein: Ich durfte ihn beobachten, denn als Hospitant im Studio der ARD in Paris führte ich das Gespräch nicht selbst. Dafür konnte ich umso mehr zuhören - und staunen. Jetzt, wo der Zar selig ist und sich nicht mehr ärgern kann, möchte ich davon berichten, was mich damals im Sommer 1998 als junger denglischer Patient besonders gewundert hat. Es war ein Wörtchen, das er so laut durch den Raum lispelte, das ich es noch heute hören kann:

Your style is … passé.
Your shoes are … passé.
Shoulder pads are … passé.

Immer wenn ich das Wort "out" aus Lagerfelds Mund erwartete, sagte er "passé". Ich hielt es für eine affige frankophone Allüre – aber in Wahrheit sprach es für seine Kenntnisse der englischen Sprache. Wer es englisch formulieren möchte, sagt "out of fashion" oder "outmoded" - solange es nicht zu "out" verkürzt wird. Denn so englisch es uns auch erscheinen mag, irgendetwas als modisch "out" zu bezeichnen, so Denglish ist es! Ich habe es damals gelernt - indirekt und doch ganz persönlich von Karl Lagerfeld. Merci!

Anders verhält es sich übrigens mit dem Wörtchen und der modischen Bewertung "in". Sie ist erlaubt:

That style is in.

Wer es wieder länger mag, sagt "in fashion" oder "fashionable". Und wer auch hier Franglais bevorzugt, sagt: "Your dress is in vogue."

Astreines Modeenglisch

Es gab noch eine andere modeenglische Formulierung, die ich damals aufgeschnappt habe und die ich anfangs nicht recht glauben konnte. Sie erschien mir wie handgeschneidert für denglische Patienten, weil sie nach einer typischen Falle klingt, in die wir tappen, wenn wir zum Beispiel einen Haarschnitt, ein Paar Schuhe oder auch nur ein Wasser bekommen wollen. Mit Sätzen wie

Can I become a haircut?
Can I become a pair of shoes?
Can I become a water?

erregen denglische Patienten wahrscheinlich jeden Tag Aufmerksamkeit - ganz egal, ob sie sich in oder außerhalb der Modewelt befinden. Es liegt daran, dass Deutsch und Englisch oft ähnlich klingen, aber nicht dasselbe bedeuten. Trotzdem sind die Muster unserer Muttersprache so mächtig, dass wir gerne versuchen, unsere Bedeutung zu erzwingen. Nicht so Karl Lagerfeld, der gerne Sätze wie diesen sagte:

That dress becomes you.

Das ist astreines Modeenglisch - und auch das habe ich mir gemerkt. Der Satz mag zwar so verboten klingen wie unser pseudoenglischer "Partnerlook" oder der "Smoking", den nur deutschsprachige Männer tragen. Doch am Ende ist "that dress becomes you" so gängig und fesch, wie es - in den Augen von Karl Lagerfeld - "Matching outfits" und vor allem "Tuxedos", "Black Ties" und "Dinner Jackets" waren.

Quelle: n-tv.de