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Der Denglische Patient Too much information? Achtung Sprachfalle!

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Wenn man die sprachlichen Unterschiede nicht kennt, kann es peinlich werden.

(Foto: imago/blickwinkel)

Wenn Sie das nächste Mal ein persönliches Gespräch mit ihren englischsprachigen Kollegen führen, passen Sie mit den Wörtern "private" und "personal" auf - und vermeiden Sie unabsichtliche sexuelle Anspielungen.

Das Wörtchen "private" hat seinen ganz besonderen Reiz in der englischsprachigen Welt - und seine kleinen Tücken. Nicht nur, dass wir es aus Kriegsfilmen mit einer Bedeutung kennen, die mit unserem Verständnis von "privat" erst einmal gar nichts zu tun hat. So ging es etwa im Film "Saving Private Ryan" nicht um die Privatsphäre von Ryan, sondern darum, einen Gefreiten namens Ryan zu retten. "Private" ist im Militär ein Hauptwort und steht für den niedrigsten Dienstgrad.

Wenn es nun wirklich privat werden soll, ist das im Englischen auch nicht immer reibungslos. Als Denglischer Patient habe ich in den letzten Jahren gelernt, unnötige Reibereien zu vermeiden. Die gehen damit los, dass wir im Deutschen keinen großen Unterschied zwischen "privat" und "persönlich" machen und deshalb leicht einen Satz sagen wie: "I know Peter privately" - um auszudrücken, dass man diesen Peter nicht nur aus dem Büro, sondern auch privat kennt. Blöd nur, dass es die anderen vielleicht so verstehen, dass man diesen Peter sogar nackt kennt.

Achtung! Peinlichkeiten sind möglich

Wer das vermeiden will, sagt "I know him personally". Wer hingegen über eine sexuelle Affäre mit Peter plaudern möchte, könnte auch "I know him biblically" sagen. Das wäre unmissverständlich und wenigstens ein bisschen poetisch. Apropos Affäre: Ist sie wirklich das, was wir uns hier vorstellen, kann man nicht einfach "affair" sagen. Das ist viel zu allgemein! Wie so oft in der englischen Sprache entscheidet der vorangestellte sogenannte "modifier", um welche Angelegenheit es sich handelt: "state affair", "big affair", "trivial affair" … Nicht einmal "private affair(s)" reicht aus, weil damit alles mögliche Private gemeint sein kann, auch Bankgeschäfte, etwa mit "private equity", also "außerbörslich gehandelten Unternehmensbeteiligungen".

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Love affair oder romance? Manchmal ist das gar nicht so einfach zu sagen.

(Foto: picture alliance / Jörg Carstens)

Wer hingegen über eine Liebesaffäre sprechen will, sagt genau das: "love affair". Oder "fling" (falls kurz) oder "romance" (falls länger). Ein Lied, das mir in dieser Affäre direkt ins Ohr kommt, ist Tina Turners Sehnsucht nach dem "private dancer". (Tatsächlich war sie es selbst!) Mit Sicherheit ging es dabei um mehr als private Tanzstunden. Diese lassen sich übrigens ganz anständig als "private class(es)" oder kurz als "privates" bezeichnen - jedenfalls in den USA. Zugleich muss man mit dem Wort höllisch aufpassen, weil es auch für die "private parts" steht, also die Geschlechtsteile, kurz: das Gemächt. Mit dieser Bedeutung hätte der schon erwähnte Kriegsfilm auch "Saving Ryan's privates" heißen können. Auf jeden Fall wird die Popband Depeche Mode ihre Gründe gehabt haben, nicht vom "Private", sondern vom "Personal Jesus" zu singen, so als wäre er ein "personal assistant", der einem hilft.

Personal oder private?

Was nun den Unterschied zwischen "personal" und "private" betrifft, lässt sich dieser zum Beispiel mit dem englischen Satz verdeutlichen: "My personal data is not strictly private." Häufig übersehen wir, dass das englische "private" stärker als bei uns "vertraulich" und "geheim" bedeutet. Der "Private eye" ist ein Detektiv (oder eine britische Satirezeitschrift). Wird eine Person als "private" beschrieben, ist sie zurückhaltend bis reserviert und geheimniskrämerisch. Und Stephen Barclay, der für den Brexit zuständige Minister, hat mehrfach aus Brüssel berichtet: "I can't reveal the discussions. These are private and confidential." Das sollte nicht bedeuten, dass er Privates mit Donald Tusk oder Jean-Claude Juncker ausgetauscht oder gar getuschelt hat.

Darüber hinaus beschreibt "private" - ähnlich wie bei uns - unternehmerische Aktivität, die weit über das Privatleben hinausgeht. Also im Großen und Ganzen das Treiben der Privatwirtschaft. Allerdings kann es auch einen "exklusiven" Charakter oder "in Eigenregie" bedeuten. So sind "Private labels" oder "private brands" Haus- oder Eigenmarken.

"Personal" ist hingegen an eine Person gebunden, aber sagt weniger über die Art und Qualität einer Sache: Das Privatkonto heißt "personal account", das Privatleben "personal life" – und in beiden Fällen könnte man auch "private" sagen. Und der "personal computer"? Der ist ein Gerät für den eigenen Gebrauch, entweder am Arbeitsplatz im Büro oder privat daheim. Die beste Übersetzung ist deshalb "persönlicher Rechner", "Einzelrechner", "Arbeitsplatz" oder "Privatrechner" (im Unterschied zum anonymen Großrechner). Auf jeden Fall ist es kein "Personalcomputer"! Durch den falschen Freund "personal" (im Englischen "personnel" oder "staff") entsteht eine gänzlich neue Bestimmung für das Gerät, durch die er einem gerade nicht mehr alleine zur Verfügung steht. Würde man von einem "private computer" sprechen, wäre das ein Rechner, den man im Zweifel privat bezahlt hat und der vertrauliche Daten enthält, die im Büro nichts verloren haben.

Bleibt noch die "personal experience", von der man im Büro berichten kann, ohne Rot zu werden: "In my personal experience this is a trustworthy client." Ob die Kollegen allerdings wissen wollen, was sich hinter einer "private experience with the client" verbirgt? Anders verhält es sich mit dem vertraulichen Gespräch unter vier Augen. Wer sich das wünscht, kann fragen: "Can we have a word?" oder "can we talk in private?". Hauptsache, das Gespräch wird nicht "personal", also unsachlich. Zu allem Überfluss gelten diese Unterscheidungen nicht für britische Privatschulen. Je elitärer sie sind, desto mehr legen sie nämlich Wert darauf, "Public Schools" genannt zu werden. Das kann zu verwirrenden Gesprächen wie diesem führen: "Do your children get private education?" "Yes, they attend a public school." Was dort alles abgeht, ist selbstverständlich strictly confidential.

 

Quelle: n-tv.de

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