Essen und Trinken

Preußischer Stoßseufzer Diese verflixten Knödel!

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Die leckeren Tiroler Speckknödel eignen sich sehr gut auch als Suppeneinlage.

(Foto: ©Mona Lorenz)

Meine ersten Versuche waren grauenhaft. Ist lange her, aber ich erinnere mich noch gut an die Blamage. Und die fieberhafte Suche nach einem Plan B. Ich hatte leider keinen.

Eigentlich sollte es Klöße geben. Meine Freunde kamen (und kommen immer noch) gerne zu mir essen, denn ich habe stets eine Überraschung für sie. Damals sollten es meine ersten selbst fabrizierten Grünen Klöße sein. Einen guten Plan B hatte ich nicht, denn was sollte schon schief gehen? Alles! Jedenfalls, was die Klöße betraf. Der ganzen misslungenen Matscherei waren nicht alle Kartoffeln anheimgefallen, so tischte ich meinen Gästen poplige Salzkartoffeln statt der versprochenen Grünen Klöße auf. Blamage statt Küchenwunder! Meine Freunde haben das längst vergessen, ich nicht...

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Mein Misserfolg ließ mir keine Ruhe. Ich versuchte alles: Meine Grünen Klöße konnten durchaus mit Stonehenge  konkurrieren, die Halbseidenen bemühten sich um Auflösung im Kochwasser und die Serviettenknödel erinnerten an angetrocknete Weißbrotscheiben. Einzig mit Hefeklößen konnte ich punkten, aber nur deshalb, weil mir Hefeteig einfach immer gelingt. Aber wer will schon ständig Hefeklöße mit Blaubeeren essen?

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Ich liebe Kaspressknödel! Allerdings lasse ich mich lieber dazu einladen...

(Foto: ©Reinhold Zötsch)

Das ist viele Jahre her, ich habe immer wieder geübt und stelle mich inzwischen nicht mehr so dusslig an. Doch ich muss gestehen, wenn von mir Klöße erwartet werden, steht mir auch heute der Angstschweiß auf der Stirn. Mitunter lasse ich feige Nuss mir ein anderes Menü einfallen: "Überraschung!". Sicher ist sicher... Ich muss dann selbst in den sauren Apfel beißen, denn Klöße gehören auch zu meinen Lieblingsspeisen, vor allem Grüne Klöße und Semmelknödel bzw. Speckknödel, obwohl ich sie nicht gerne mache. Das kann man durchaus als Dilemma bezeichnen. Klammheimlich habe ich inzwischen einen Plan B, nämlich einen zweiten Topf mit Klößen aus Fertigteig (Bitte nicht petzen!), falls mal wieder alles daneben geht. Die Supermarkt-Angebote sind bei Qualität und Geschmack sehr unterschiedlich, da muss sich jeder selbst durchfitzen. Ich habe mich durchprobiert und eine Sorte gefunden, mit der ich leben kann. Allerdings betrifft das nur Thüringer (Grüne) Klöße. Ansonsten bleibt nur learning by doing – und falls es Ihnen ähnlich geht wie mir, hätte ich jetzt eine gute Gebrauchsanweisung.

"Alles Knödel!"

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Alles Knödel!: Österreichs 100 beste Rezepte von klassisch bis modern
16,90 €
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Das ist der Titel eines nicht allzu dicken Kochbuchs, das dennoch Österreichs 100 beste Knödel-Rezepte beinhaltet. Wer, wenn nicht die Österreicher, könnten mir das "Knödeln" beibringen? Liebe Bayern, liebe Thüringer, liebe Sachsen und andere Knödelnationen – ihr natürlich auch. Aber ich bin nun mal Fan der österreichischen Küche und futtere mich dort stets durch die vielfältigen Knödelvarianten. "Alles Knödel! Österreichs 100 beste Rezepte von klassisch bis modern" ist im Leopold Stocker Verlag erschienen. Auf nur 120 Seiten wird geknödelt, was das Zeug hält. Eine nette Übersetzungshilfe Österreichisch - Hochdeutsch gibt’s sicherheitshalber auch.

Hier kommen alle Liebhaber der kugelrunden Köstlichkeiten voll auf ihre Kosten. Von gebackenen Speckknödeln über Kokos-Hühner-Bällchen bis hin zu Kräuter-, Lamm- oder Linsenknödeln bietet das Buch jede Menge Abwechslung. Verschiedenste Beilagenknödel komplettieren so manches Hauptgericht. So ein Knödel kann natürlich mehr als Beilage – er hat es verdient, Hauptspeise zu sein. Oder köstliches Dessert: Naschkatzen werden begeistert sein.

Knödelkochen als Kinderspiel

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Die Mürbteig-Mandel-Knödel sind mit köstlichem Mango-Fruchtfleisch gefüllt.

(Foto: ©Mona Lorenz)

"Alles Knödel!" liefert all das, von pikant bis süß. Selbstverständlich fehlen Klößchen in der Suppe nicht. So manche Knödel eignen sich sowohl als Suppeneinlage als auch als Hauptgericht, zum Beispiel Speckknödel oder Kaspressknödel. Und so ist auch das vorliegende Kochbuch gegliedert: Suppeneinlagen, Hauptspeisen, Beilagen, süße Knödel. Ich habe über die Vielfalt der hier aufgeführten Knödel-Hauptgerichte gestaunt: 47 Rezepte allein in diesem Kapitel! Da geht es mit Mozzarella oder Salsicca, Kokos oder Chutney oder gar geräuchertem Tofu durchaus italienisch, indisch oder asiatisch zu. Viele Gerichte sind darüber hinaus vegetarisch. 

Jedes Rezept ist verständlich erklärt, hat ausführliche Nährwertangaben und ist bebildert. Ferner gibt es eine Menge Tipps, zum Beispiel zum Einfrieren der Knödel oder zu Austauschmöglichkeiten einzelner Bestandteile. Zahlreiche Schritt-für-Schritt-Fotos und einige per QR-Code abrufbare Anleitungsvideos geben tolle Unterstützung für alle, die Knödel lieben, aber nicht so richtig können (wie ich). Eingangs verraten einige Kniffe, wie Knödelfreunde zu Knödelfreude kommen können. Der Satz "Für so manchen bedeutet das Knödelkochen eine Herausforderung" hat mich sehr getröstet. Ob Knödelkochen dann wirklich zum Kinderspiel wird, wie im Buch behauptet – das müssen Sie selbst herausfinden. Hier kommen drei Rezepte aus "Alles Knödel!" für den Start ins Abenteuer: 

Germknödel mit Garnelen-Sprossen-Fülle und Limetten-Paradeiser-Dressing

Zutaten (für 8 Stück):

Teig
250 g glattes Weizenmehl (Type 405 oder 550, fein gemahlen)
125 ml Milch
10 g Germ (Hefe)
1 EL Zucker
1 Eidotter (Eigelb)
25 g Butter
1 Prise Salz
Fülle
2 Schalotten
1 Knoblauchzehe
100 g Sojasprossen
200 g Garnelen
Saft von 1 Zitrone
Salz und Pfeffer
etwas Olivenöl
Dressing
4 Limetten
100 g Kirschparadeiser (Kirschtomaten)
2 Jungzwiebeln
100 ml Olivenöl
Salz und Pfeffer

Zubereitung (ca. 70 Minuten ohne Warte- und Garzeit):

Für den Teig Mehl in eine Schüssel sieben und eine Mulde formen, die Milch leicht erwärmen, Germ und Zucker darin auflösen und in die Mulde gießen, das Dampfl mit etwas Mehl bestauben und an einem warmen Ort 20 Minuten gehen lassen. Danach den Eidotter zugeben, die zerlassene Butter hinzufügen und salzen, den Teig gut verkneten und 30 Minuten gehen lassen.

Für die Fülle Schalotten und Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden, Sojasprossen waschen und klein hacken, die Garnelen in kleine Würfel schneiden, Schalotten und Knoblauch in etwas Olivenöl glasig anschwitzen, Garnelen und Sojasprossen daruntermischen, mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken.

Auf dem Backblech: Den Teig auf einer bemehlten Fläche zu einer Rolle formen und diese in 8 (oder 4) Stücke teilen, diese flach drücken, mit der Garnelenmasse füllen und zu Knödeln formen, auf ein bemehltes Backblech setzen, den Backofen auf ca. 50 °C vorheizen, dann ausschalten und die Knödel darin nochmals ca. 20 Minuten gehen lassen.

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Germknödel mit Garnelen: Darüber dürften Gäste staunen.

(Foto: ©Wolfgang Hummer)

Im Kochtopf: Etwa 150 ml Salzwasser aufkochen, 4 kleine oder 2 große Knödel nebeneinander in den Siebeinsatz setzen und zugedeckt bei schwacher bis mittlerer Hitze ca. 20 Minuten garen. Die fertigen Knödel herausnehmen und mit einer Nadel einige Male einstechen (damit sie nicht zusammenfallen!), auf einem befetteten Backblech warm stellen und die restlichen Knödel ebenso garen.

Im Dampfgarer: Die Knödel auf ein mit Butter bestrichenes Lochgitter legen und bei 100 °C ca. 15 Minuten dämpfen, herausnehmen und einige Male einstechen. Für das Dressing Limetten schälen und Filets herausschneiden, Kirschparadeiser vierteln, Jungzwiebeln in feine Ringe schneiden. Limettenfilets, Kirschparadeiser und Jungzwiebeln mit Olivenöl vermengen, würzen und die fertigen Knödel damit servieren.

Zur Zubereitung pikanter und auch süßer Germknödel empfiehlt sich ein Küchenthermometer. Haben die Knödel eine Kerntemperatur von 70 °C, dann kann man sicher sein, dass die Fülle und der Knödel ausreichend gegart sind.

Pannonische Käseknödel

Zutaten (4 Portionen):

800 g mehlige Erdäpfel (Kartoffeln)
je 1 kleine rote, gelbe und grüne Paprikaschote
1 Zwiebel
2 Rosmarinzweige
50 g Sonnenblumenkerne
1 EL Öl
etwas Salz
etwas Muskat, gemahlen
etwas Paprikapulver
50 g Ziegenkäse
60 g griffiges Weizenmehl (Type 405 oder 550, gröber gemahlen)
60 g Weizengrieß
60 g Kartoffelstärke
1 Ei

Zubereitung (ca. 45 Minuten ohne Warte- und Garzeit):

Die Erdäpfel waschen und bissfest dämpfen, danach schälen und zugedeckt über Nacht auskühlen lassen.

Paprikaschoten waschen, von Kernen und weißen Adern befreien und in kleine Würfel schneiden, Zwiebel schälen und ebenfalls in kleine Würfel schneiden.

Rosmarinnadeln abzupfen, grob hacken und mit den Sonnenblumenkernen in heißem Öl anrösten, Paprika- und Zwiebelwürfel zugeben und 5 Minuten andünsten, mit Salz, Muskatnuss und Paprika würzen und abkühlen lassen. Den Ziegenkäse reiben oder ganz fein schneiden und untermischen.

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So einen Pannonischen Käseknödel finden auch Vegetarier lecker.

(Foto: ©Andriy Sheldunov)

Erdäpfel fein reiben und mit Mehl, Grieß, Stärke, Ei und etwas Salz vermengen, danach kurz rasten lassen, den Teig zu einer Rolle formen und in 12 Scheiben schneiden. Jeweils 1 Löffel der Fülle auf jede Scheibe geben, den Teig um die Fülle schließen und zu Knödeln formen.

Reichlich Salzwasser aufkochen, die Hitze reduzieren, die Knödel einlegen und ca. 15 Minuten ziehen lassen.

Wer möchte, kann die Knödel mit brauner Butter und etwas geriebenem Käse servieren.

Zwetschkenknödel aus Topfenteig

Zutaten (für 12 Knödel):

400 g Zwetschken (Pflaumen)
140 g griffiges Mehl (Type 405 oder 550, gröber gemahlen)
250 g Topfen (Quark, 10 % F. i. T.)
40 g Butter
etwas Salz
1 Dotter (Eigelb)
12 Stück Würfelzucker
60 g Butter
Mohn, gemahlen, und Staubzucker (Puderzucker) zum Bestreuen
Frischhaltefolie

Zubereitung (ca. 45 Minuten ohne Warte- und Garzeit):

Für den Topfenteig Topfen, Mehl, Dotter, weiche Butter und etwas Salz gut vermengen. Danach den Teig in eine Folie wickeln und mindestens 1/2 Stunde im Kühlschrank rasten lassen.

Die Zwetschken entstielen, waschen, trocknen, einschneiden und die Kerne entfernen. In jede Zwetschke 1 Stück Würfelzucker geben.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einer Rolle formen und von dieser Rolle kleine Stücke abschneiden.

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Eine altbekannte Süßspeise modern interpretiert: Zwetschkenknödel aus Topfenteig.

(Foto: © Wilhelm Hufnagl)

Die Zwetschken in jeweils ein Teigstück einhüllen und schöne Knödel formen. In reichlich Salzwasser 6–9 Minuten leicht wallend kochen. Danach die Knödel vorsichtig aus dem Wasser heben und gut abtropfen lassen.

Mohn und Staubzucker vermischen und die Butter zerlassen.

Die Zwetschkenknödel auf geeigneten Tellern anrichten, mit zerlassener Butter begießen und mit dem Mohn-Staubzucker-Gemisch bestreuen.

Anstelle der Zwetschken (Pflaumen) können auch Marillen (Aprikosen)verwendet werden.

Viel Spaß - und vor allem überwältigenden Erfolg - wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de