Essen und Trinken

Für dicke Dicke und dicke Dünne Es ist an der Zeit, die Dinge zu ändern

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Asiatisch angehaucht: Su Vössings Spitzkohl mit Rindfleisch aus dem Wok.

(Foto: ©Hubertus Schüler)

Für alle, die sich über die Jahre dick gehungert haben, und für jene, die sich mit der Identität der Dicken oder der freudlos Frustrierten abgefunden haben, gibt es möglicherweise einen Ausweg.

Nee, nicht schon wieder ein Diät-Buch! In die Nase zieht der Geruch imaginärer, aber dennoch müffelnder Kohlsuppenplörren und vor dem geistigen Auge entstehen Bilder schleimiger Getränke, die schmecken sollen, es aber nicht tun. Irgendwo in den grauen Zellen sind die Vorher-Nachher-Fotos von den Werbeflyern eingebrannt und man fragt sich erneut: Warum lässt das Zeug nicht auch bei mir die überflüssigen Pfunde von der Hüfte ballern, als würden Mistkäfer flink ihre Kugeln davonrollen? Doch da ist der Wunsch Mutter des Gedanken und hat mit der rauen Wirklichkeit wenig zu tun. Und deshalb verursacht allein schon das Wort D-i-ä-t schlechte Laune. Jedenfalls mir geht es so.

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Und es kommt noch schlimmer: Augenblicklich formiert sich in meinem Körper organischer Widerstand - ich muss essen, egal was. Und irgendwas ist ja immer da, was schmeckt, aber nicht dünn macht. Bei mir stellt sich der Jojo-Effekt sozusagen schon ein, bevor ich überhaupt diätet habe. Aber da ich ein netter Mensch bin, mache ich mich trotz des inneren Schweinehunds an die Rezension von "Schlank! und gesund mit der Doc Fleck Methode". Um es gleich vorweg zu sagen: Das Buch animierte mich keineswegs, als Widerständler zum Kühlschrank zu rennen und in den Vorräten zu wühlen. Im Gegenteil: Ich kam mächtig ins Grübeln. Mit anderen Worten: kein Werbe-Flyer mit Davor- und Danach-Fotos und der traumhaften Aussicht, in einem Monat das wieder hinzubiegen, was ein Ess-Leben lang schief lief.

Das Buch ist umfangreich und zeigt schon allein dadurch die immense Aufgabe, die vor dem willigen Abnehmling steht. Für die 304 Seiten muss man sich Zeit nehmen, denn Frau Dr. med. Anne Fleck berücksichtigt den Menschen als Ganzes, und da gibt es ja einiges zu sagen. Sie geht ins Detail, lässt nichts aus - auch Rückschläge nicht, räumt mit weitverbreiteten Mythen auf und will mit ihrem Wissen und ihrer Methode helfen, das Ruder herumzureißen.

Appetit ist heilig - auch beim Abnehmen

Auch die Rezepte in diesem Buch sind nach dem neuesten Stand der Ernährungswissenschaft entwickelt worden, können aber den eigenen Verträglichkeiten oder Bedürfnissen angepasst werden. Sie stammen von Sterneköchin Su Vössing; und da fehlt eigentlich nichts: Die Rezepte reichen von pikant bis süß (natürlich ohne Zuckerzusatz), bieten Hauptmahlzeiten mit Fisch oder Fleisch oder ohne, Suppen und Saucen, Brote (sehr kernig-körnig) und Brotaufstriche, Salate und Knabberspaß.

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Wer Gebackenes liebt, dem dürften Pfannen-Frittata (oben) und Muffin-Frittata (unten) schmecken.

(Foto: ©Hubertus Schüler)

Praktische Einkaufslisten helfen bei der Umsetzung. Hilfreich sind auch Vorlagen für ein Tages- und ein Monatsprotokoll, die kann man im Drucker vervielfältigen. Und da selbst der abnehmwilligste Mensch nur ein Mensch ist, gibt es in den Protokollen auch "Cheat Days", Scheiß-Tage, wenn Sie so wollen, an denen man die Schlank!-Regeln in die Wüste schickt. Wörtlich übersetzt und daher netter sind das "Betrüger-Tage". Im Monatsdiagramm fehlen sogar ein paar Plus-Kilos über dem Startgewicht nicht - sehr vorausschauend!

Wie immer bietet der Becker Joest Volk Verlag, in dem "Schlank! und gesund mit der Doc Fleck Methode" erschienen ist, auf seiner Internetseite unter anderem einen kostenlosen Mengenrechner an. Die Appetit machenden Fotos (Appetit ist heilig, auch beim Abnehmen!) lieferte wie so oft Hubertus Schüler.

"Skinny fat": Auch Dünne können dick sein

Die bekannte TV-Ärztin Anne Fleck will, dass ihr Buch zur Initialzündung wird. Den Willen, dass das keine Fehlzündung wird, muss jeder selbst aufbringen. Es geht in ihrem Buch nicht um eine neue Modediät, absurde Figurideale oder rigides Kalorienzählen. Es geht um Gesundheit und Lebensqualität, langfristig und nachhaltig und ohne Selbstkasteiung. Allerdings: Auch hierbei funktioniert es nicht ohne Verzicht oder Einschränkung. Und man braucht einen verdammt langen Atem.

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Spargel mit Bohnensalat ist ein Rezept aus der Phase 2.

(Foto: ©Hubertus Schüler)

Das Buch spricht nicht nur Übergewichtige, sondern auch äußerlich schlanke Menschen an. "Nur die offensichtlich Übergewichtigen ahnen, dass es ein schwerwiegendes Problem gibt, das man anpacken sollte. Ahnungslos, in echter Gefahr sind die TOFIs", schreibt Dr. Fleck. Noch nie gehört? Das sind jene ahnungslosen normalgewichtigen Menschen, die von anderen um die schlanke Taille beneidet werden - "aber als dünne Dicke, im Fachjargon sogenannte TOFIs (Thin Outside, Fat Inside), ein hohes Risiko für Diabetes mellitus, Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfruchtbarkeit, Depression, sogar Krebs und Demenz haben". Im Internet diskutiert man das Thema unter "skinny fat" - schlank, aber fett. Die dicken Dicken haben bekanntermaßen ähnliche Gesundheitsrisiken, sind aber nicht ahnungslos. Meistens jedenfalls. "Die gesundheitlichen Drohszenarien beider Gruppen werden in der Öffentlichkeit und im Gesundheitswesen weder treffend noch angemessen thematisiert, geschweige denn angepackt", kritisiert die Autorin.

Ein Salatblatt kann zur Kalorienfalle werden

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Pasta mal anders: Gemüsenudeln mit pochiertem Ei.

(Foto: ©Hubertus Schüler)

Eingangs vermittelt Dr. Fleck Grundlagenwissen, ohne das geht es nun mal nicht: Stand der Forschung und Irrtümer, das verflixte Gehirn und Hormone als dunkle Mächte im Körper, Schlaf, Bewegung und innerer Stress; was eine Milchmädchenrechnung beim Kalorienzählen von Fetten und Kohlenhydraten ist, und warum ein harmloses Salatblatt zur Kalorienfalle werden kann, wenn unsere Darmbakterien das so wollen. Nein, das muss man nicht hinnehmen, dass bei den beiden Bakteriengroßfamilien im Darm die dickmachenden Firmicutes die viel netteren Bacteroidetes dominieren. Wie man die Darmbakterien in sechs Schritten aufs Schlanksein programmiert, erläutert Dr. Fleck, und das weder langweilig noch wissenschaftlich abgehoben oder unverständlich.

Nur Illusionen sollte man sich nicht hingeben: Eine grundlegende Veränderung des Mikrobioms zum Beispiel dauert eine ganze Weile. Aber es dürfte sich lohnen, denn diese fiese Firmicutes-Gruppe schafft es, bis zu zwei Prozent mehr Energie aus der Nahrung zu quetschen - in 20 Jahren bedeutet das 32 Kilogramm Fett auf den Rippen! "Es liegt nicht am Fett in der Nahrung, es liegt nicht allein an der Aufnahme der Kalorien", schreibt Fleck. "Die wahren Übeltäter sind Nahrungsmittel, die Hormone in Wallung bringen und die Darmflora schädigen." Deshalb gehe es nicht ganz ohne Limitierung - nämlich der stark verarbeiteten und stärkehaltigen Kohlenhydrate. Ich sage nur: Chips!

Ist man theoretisch auf der Wissenshöhe, geht Dr. Fleck mit den Lesern gemeinsam die ganze Sache praktisch an: "10 Tage, die Ihr Leben verändern", heißt die Vorbereitungsphase. Da bestimmt man zum Beispiel, welcher Hungertyp man ist. Ganze zehn Minuten dauert eine Bauchmassage zur Stärkung des Verdauungssystems (wird detailliert beschrieben); was sind To-dos und No-gos im Schlafzimmer, was muss den Kühlschrank, den Nachttisch und das Auto-Handschuhfach verlassen, wie müssen gedankliche Stoppschilder und Rituale formuliert werden. Es folgen die entscheidende Phase eins, gekennzeichnet vor allem durch den Zuckerentzug, und die Phase zwei, bei der es darum geht, wie man die Ziele im Auge behalten kann.

Auch wichtig: Wie überlebt man in Kantinen, Restaurants, auf Partys und unterwegs? Und abschließend: Wie bleibt man schlank? Neben allen gesunden Regeln gilt nämlich: Gesundheit hat auch immer mit Lebensfreude zu tun. "Wer es schafft, zwei Jahre schlank zu bleiben, hat gute Chancen, dass der Körper sich an das neue Gewicht angepasst hat und nicht mehr versucht, das alte Gewicht wiederherzustellen", heißt es in dem Buch.

Die Rezepte in "Schlank! und gesund mit der Doc Fleck Methode" sind ebenfalls in zwei Phasen unterteilt. Jene von Phase eins passen aber auch in Phase zwei und darüber hinaus. Die Rezepte lassen sich nach Belieben jederzeit in die Kochroutine integrieren. Es gibt Einkaufslisten für beide Phasen, eine Übersicht über Notfallsnacks, Durchhaltetipps, eine kleine Warenkunde, eine Lebensmittelliste nach glykämischen Werten (GLYX-Tabelle) und natürlich jede Menge Rezepte mit Angaben zu Kalorien, Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten.

Spitzkohl mit Rindfleisch und Petersilie aus dem Wok (Phase eins)

Zubereitungszeit: 20-22 Minuten. Pro Person 302 kcal, EW 38 g, F 8 g, KH 12 g. Laktosefrei, glutenfrei, einfach

Zubereitung:

Zutaten (2 Personen):

200 g Rinderfilet
60 g Sojasauce
2 Knoblauchzehen
2 frische rote Chilischoten, entkernt und fein gewürfelt
40 g Ingwerwurzel, geschält und fein gewürfelt
½ TL Sesamöl (nach Belieben)
650 g Spitzkohl
2-3 EL Erdnussöl
1 Bund Petersilie, gehackt

Das Rinderfilet wie für Geschnetzeltes schräg in schöne Streifen schneiden. Das Fleisch in eine Schüssel geben, die Sojasauce zugießen und den Knoblauch durch die Knoblauchpresse hineindrücken. Chili, Ingwer und nach Belieben Sesamöl zugeben und alles gut vermengen. Den Spitzkohl waschen, längs vierteln, den Strunk herausschneiden und in feine Streifen schneiden.

Das Fleisch in ein Sieb geben und die Marinade in einer Schüssel auffangen. Einen Wok auf hoher Stufe erhitzen. 1 EL Erdnussöl zugießen und heiß werden lassen. Das abgetropfte Fleisch in den Wok geben, 1 Minute anbraten und dann unter gelegentlichem Rühren eine weitere Minute braten. Das Fleisch mit einem Schaumlöffel aus dem Wok nehmen und in die Schüssel mit der Marinade geben.

Das restliche Erdnussöl in den Wok gießen, heiß werden lassen und den Spitzkohl darin 3 Minuten anbraten, dabei zwischendurch gut umrühren. Das Fleisch mit der Marinade zugeben und alles 1 Minute garen. Zum Schluss die Petersilie unterrühren. Den Spitzkohl mit Rindfleisch und Petersilie auf zwei Teller verteilen und heiß servieren.

Optional für Phase 2: Dazu passen Süßkartoffeln aus dem Ofen: 180 g Süßkartoffeln schälen und in Spalten schneiden, dann salzen, pfeffern, mit 2 EL Olivenöl beträufeln und vermengen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und im auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen 35-40 Minuten backen.

(pro Person dann 459 kcal, EW 39 g, F 14 g, KH 35 g).


Tipp: Kaufen Sie für dieses Gericht ruhig die Spitze des Rinderfilets, die preislich etwas günstiger ist.

Gemüsenudeln mit pochiertem Ei (Phase 2)

Zubereitungszeit: 15 Minuten. Pro Person 465 kcal, EW 19 g, F 36 g, KH 13 g. Glutenfrei, vegetarisch

Zubereitung:

Zutaten (2 Personen):

Für das Gemüse:
150 g Karotten, geputzt
250 g Staudensellerie (am besten äußere, dicke Stangen), geputzt
Meersalz
2 EL Olivenöl zum Braten
60 g rote Paprikaschoten, Haut mit einem Sparschäler dünn geschält, Fruchtfleisch fein gewürfelt
frische Kräuter nach Wahl zum Garnieren
Für die Sauce:
125 g Sahne oder Crème fraîche
1 EL Honigsenf
Meersalz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Eier:
1 EL Essig
4 Eier (Größe L)

Für das Gemüse Karotten und Selleriestangen mit einem Sparschäler in dünne, lange Streifen schneiden. Leicht gesalzenes Wasser in einem Topf zum Kochen bringen und eine Schüssel mit Eiswasser bereithalten. Die Gemüsestreifen im kochenden Salzwasser 1 Minute blanchieren. Dann in ein Sieb abgießen und 2 Minuten ins Eiswasser geben. Wieder abgießen und gut abtropfen lassen.

Für die Sauce die Sahne mit Senf und etwas Salz und Pfeffer in einen Topf geben und aufkochen - fertig! Vom Herd nehmen. Für die Eier Wasser in einen flachen, breiten Topf füllen, den Essig zugießen und zum Kochen bringen. Auf niedrige Hitze stellen und die Eier einzeln in Schälchen oder Tassen aufschlagen. Durch Rühren einen leichten Wirbel im kochenden Wasser erzeugen, die Eier nacheinander hineingeben und 3-4 Minuten ziehen lassen. Mit einer Schaumkelle herausnehmen und auf einem mit Küchenpapier ausgelegten Teller abtropfen lassen.

Parallel zur Eiergarzeit das Olivenöl in eine kalte Pfanne geben und auf mittlerer Stufe erhitzen. Die Gemüsestreifen zugeben, mit zwei Gabeln vermengen und 1-2 Minuten garen, dabei ein- bis zweimal wenden. Die Gemüsenudeln auf zwei Teller verteilen und die pochierten Eier darauf anrichten. Das Gericht mit der Senfsauce beträufeln, die Paprikawürfel darüberstreuen und mit Kräutern garniert servieren.

So weit die Rezeptauswahl. Ich habe als Erstes das Spitzkohl-Rindfleisch-Rezept ausprobiert. Bisher sah das Verhältnis zwischen Fleisch und Gemüse bei mir immer anders aus. Es war dennoch köstlich! Ich fürchte nur, ich habe zu viel davon gegessen. Das mit der Disziplin muss ich wohl noch üben.

Viel Spaß beim Studium und bei der Umsetzung - und natürlich Erfolg beim gesunden Abnehmen wünscht Ihnen Heidi Driesner. (Ich gehe jetzt zu meinen Vorräten und sperre die Nudeln ein. Und die Schokoladen-Ostereier ...)

Quelle: n-tv.de

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