Leben
Die Kichererbsen- Kurkuma-Suppe bringt Farbe und Kraft.
Die Kichererbsen- Kurkuma-Suppe bringt Farbe und Kraft.(Foto: ©Sibylle Sturm)
Sonntag, 01. Juli 2018

Die neue Ess-Klasse: Es kommt die Zeit ...

Von Heidi Driesner

Jünger ist noch keiner geworden, da sind wir uns alle einig. Die zweite Lebenshälfte rückt also unaufhaltsam näher, ob man will oder nicht. Und plötzlich scheint jede Kalorie auf der Hüfte festgetackert zu sein.

Früher war alles anders. Kleine Urlaubs- oder andere Sünden, nicht die, die neun Monate später Hand und Fuß haben, sondern jene, die sich erinnerungshalber gern auf den Hüften niederließen, waren doch immer schnell verschwunden, wenn man erst wieder im Stress steckte. Aber dann kam der 40. Geburtstag...  Und nun beginnt die Welt, sich irgendwie langsamer zu drehen. Es scheint, als ob die Erdanziehungskraft stärker geworden ist. Die "Schwimmgürtel" verweigern die schnellstmögliche Auflösung, komische Dellen machen sich auf den Oberschenkeln breit, in der rechten Augenbraue sprießt ein weißes (!!!) Härchen, dito im linken Nasenloch. Die Friseurin fragt: "Wolln wa nich ma färben?" und meint natürlich das Haupthaar. Spätestens bei der Erkenntnis, dass die Fältchen um die Augen nicht nur vom Lachen kommen, gewinnt der Mensch in der Mitte seines Lebens die Gewissheit: Nun ist sie da, meine zweite Lebenshälfte.

"Die neue Ess-Klasse" spricht mit Inhalt und Aufmachung Genießer in den besten Jahren an.
"Die neue Ess-Klasse" spricht mit Inhalt und Aufmachung Genießer in den besten Jahren an.(Foto: ©Ars Vivendi Verlag)

Alles nicht so schlimm, da kann man nämlich eine Menge draus machen aus dieser Lebenshälfte. Blöd nur, dass Essen und Trinken noch genauso gut schmecken wie vor 20 Jahren, doch jede Kalorie scheinbar auf einmal doppelt zählt. Verzicht und Entsagung aber wollen wir nicht, denn unsere Ansprüche sind auch beim Essen höher als vor 20 Jahren; wir fahren schließlich auch nicht mehr zelten, sondern ins Vier-Sterne-Wellness-Hotel. Recht so, denn wir haben ihn uns verdient, den exklusiven Genuss. Dafür, die Balance zu finden zwischen unbedenklichem Genuss, anspruchsvollen Gerichten und gesundem Wohlbefinden, hat Sibylle Sturm "Die neue Ess-Klasse" geschrieben. Die Autorin, Bloggerin und Fotografin hat nicht nur die durchdachten Rezeptideen, sondern auch die erklärenden Texte und die schönen farbigen Food-Fotos geliefert. Eine immense Arbeit, die ernährungswissenschaftlich von Diplom-Oecotrophologin Dr. Bettina Dörr begleitet wurde, die auch ein Vorwort geschrieben hat. Das Buch mit dem Untertitel "Energie für die besten Jahre" ist bei Ars Vivendi erschienen, und wie gewohnt von diesem Verlag in sehr schöner Aufmachung in Hardcover mit Halbleinen. Es hat 240 Seiten und kostet 30,00 Euro.

"Die neue Ess-Klasse" punktet zudem mit jeder Menge Rezepte, die eigentlich alles abdecken, was der Mensch so braucht – angefangen vom Frühstück über den Lunch-to-go und leichte Tagesgerichte bis hin zu unkomplizierten Gerichten für den Feierabend und süßen Sachen ohne Reue. Damit nicht genug: Mehrere Kapitel befassen sich mit speziellen Themen und liefern natürlich die entsprechenden Rezepte sowie Tipps mit. So gibt es eine 3-Tage-Basen-Kur, um den Körper im Frühjahr "zu putzen", oder Anregungen für eine eiweißreiche Ernährung. Ein Kapitel erklärt, warum Kollagen so wichtig ist für eine schöne Haut, ein anderes, was es außer Kaffee sonst noch so als Stimmungsmacher für Herz und Hirn gibt. Mal geht es um Hitzewallungen und mal um den Darm, an anderen Stellen um gefährliche Verlockungen durch Zucker oder wie "Best Ager" Energie tanken und Seelenhygiene betreiben können, um zur Bestform aufzulaufen. Der Leser erfährt, wie wichtig welche Mineralien sind oder wie man eine gute Nährstoffbilanz erzielen kann – auch ohne große Disziplin und ein Studium der Ernährungswissenschaften. Mein Fazit: Gesund und zugleich anspruchsvoll essen ist möglich. Wer mehr von Sibylle Sturm über gutes Essen und alles, was das Leben schöner macht, erfahren will, der wird in ihrem Blog "Billas Welt" fündig.

Neu denken und neu essen

Sibylle Sturm setzt mit ihrem Kochbuch neue Maßstäbe.
Sibylle Sturm setzt mit ihrem Kochbuch neue Maßstäbe.(Foto: ©Tarik Calgici)

Sibylle Sturm, Jahrgang 1961, lebt mit ihrer Familie in Darmstadt. Sie ernährt sich seit fünf Jahren aus ethischen und gesundheitlichen Gründen überwiegend vegan – also nicht wundern, wenn "Die neue Ess-Klasse" ganz ohne Fleisch auskommt. Die Rezepte in dem Buch sind aber nicht vegan, sondern vorwiegend vegetarisch und mitunter optional und/oder glutenfrei, "weil eine Pause von zu viel Fleisch und Weißmehlprodukten dem Körper einfach guttut", wie Sturm schreibt. Dennoch ist ihr neuestes Kochbuch kein Diätbuch, denn dem Thema "Kochen für die besten Jahre" stellt sie sich vor allem im Hinblick auf möglichst wenig Verbote und Verzicht, denn der Genuss steht stets im Vordergrund. Daher sind die Rezepte alltagstauglich, aber dennoch anspruchsvoll, was die Zutaten betrifft. Man muss sich darauf einlassen und gewillt sein, alte Zöpfe abzuschneiden. So muss als erstes der Vorratsschrank "entstaubt" und mit neuen – vor allem völlig anderen – Nahrungsmitteln gefüllt werden: Reis- und Mandelmilch, Agavendicksaft (statt Zucker) und Carobpulver (statt Kakao), Quinoa und Hanfsamen, Kichererbsenmehl, glutenfreie Haferflocken usw.

Gemüsepasta mit Limettensauce: Kalorienarm nur mit wenig Sauce.
Gemüsepasta mit Limettensauce: Kalorienarm nur mit wenig Sauce.(Foto: ©Sibylle Sturm)

Nicht alles an Ratschlägen lässt sich meiner Meinung nach problemlos in den Alltag integrieren, so die empfohlene Regelmäßigkeit, was zwar außerordentlich gesund, aber eben nicht immer und für jeden machbar ist. "Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen..." Das können nicht mal Hausfrauen und Rentner! Nicht nur ich habe mein ganzes Berufsleben lang in einem Drei- bzw. Zwei-Schicht-System gearbeitet, da gibt es außer Journalisten noch jede Menge Menschen in anderen Jobs, in denen das absolut nötig ist. Man muss auch nicht zu Konserven greifen (in dem Buch zum Beispiel weiße Bohnen, Kichererbsen und Tomatensauce), wenn man großen Wert auf unverarbeitete Lebensmittel legt. Wenn’s mal schnell gehen muss – okay. Mir persönlich sind weiße Bohnen aus Konserven meist viel zu weich, mitunter schon fast matschig. Ich verwende Hülsenfrüchte; und brauche ich Bohnen oder Kichererbsen sehr weich zum Pürieren, dann köcheln sie halt etwas länger. Auch habe ich bisher noch keine Tomatensauce wie die empfohlenen Arrabiata oder Picante gefunden, die richtig gut geschmeckt hätte, egal ob Bio oder nicht Bio. Sie sind entweder gezuckert oder fade. Wo man meistens nicht drumherum kommt, will man Tomatensauce selbst kochen, sind Tomaten in Konserven, denn das Angebot an frischen vollreifen Früchten ist ja zeitlich begrenzt. Doch da gibt es in den Supermärkten richtig gute Konserven ohne Zusätze – einfach mal beim Einkauf das Kleingedruckte lesen. Gilt auch für Tomatenmark in Tuben oder Döschen. Ich koche von meiner Lieblings-Tomatensauce immer mehr als benötigt und friere ein paar Portionen ein. Eine prima Reserve!

Doch das Buch ist ja kein Dogma, sondern will Wissen und Anregungen vermitteln, wie man manches im Essverhalten besser machen kann. Und dafür gibt es jede Menge machbare Tipps. "Die neue Ess-Klasse" ist vielleicht mehr eine Anregung für Genuss-Esser und weniger für jene unter uns, die Essen nur als Nahrungsaufnahme zum Überleben betrachten; also nicht für jedermann, aber "Jedermann" fährt ja auch kein S-Klasse-Modell. "Tatsächlich gibt es beim Thema 'Essen und Wohlfühlen' weder richtig und falsch noch allgemeingültige Ratschläge – hier sind Kreativität und Individualität mitunter die besseren Berater", schreibt Dr. Bettina Dörr in ihrem Vorwort zu dem Buch von Sibylle Sturm, aus dem die folgenden zwei Rezepte stammen:

Gemüsepasta mit Limettensauce

Zubereitungszeit: 25 Minuten
Zubereitungs-, Koch- & Quellzeit: 30 Minuten
glutenfrei

Zubereitung:

Zutaten (2 Portionen):

150 g Zucchini
350 g möglichst dicke Karotten
2 Datteltomaten
Limettensauce:
70 g Sonnenblumenkerne
½ Knoblauchzehe
1 TL Tomatenmark
½ TL Apfelessig
je ½ TL gemahlene Kurkuma und Cumin (Kreuzkümmel)
3 Prisen Chilipulver
Saft von 1 Limette
½ TL Agavendicksaft (oder anderes flüssiges Süßungsmittel)
100 ml Sonnenblumenöl
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Topping:
1 Handvoll frisches Basilikum
50 g geriebener Parmesan
Zubehör:
Spiralizer

Zucchini waschen, Karotten schälen, Enden abschneiden und beides mit dem Spiralizer zu "Spaghetti" schneiden, Tomaten waschen und vierteln. Das Gemüse mit 3 EL Wasser in einer großen Pfanne bei mittlerer Hitze 3-4 Minuten dünsten.

Für die Sauce alle Zutaten 3-4 Minuten im Mixer fein pürieren, bis eine cremige Masse entsteht. Ist die Konsistenz zu fest, noch etwas Wasser hinzugeben.

Gemüsepasta auf zwei Teller aufteilen und mit 3 EL Sauce vermengen.

Basilikum waschen, trocken schütteln und klein zupfen. Zusammen mit dem Parmesan über die Nudeln streuen. Gegebenenfalls noch mit etwas Salz und Pfeffer nachwürzen.

Tipp: Wie viel Sauce es bei einem kalorienarmen Gericht sein darf, ist letztendlich eine Ermessenssache. Die Sauce hält sich im Kühlschrank und lässt sich auch als Dip für Snackbällchen (in dem Buch auf S. 66) verwenden.

Sibylle Sturm schreibt zu diesem Rezept: "Ich liebe diese Pasta, die ausschließlich aus viel Gemüse besteht. Hier werden Karotten und Zucchini "spiralized" und kurz gedünstet. Dazu gibt es eine leckere cremige Sauce, und fertig ist das kalorienarme, aber sättigende Gericht."

Nährwerte pro Person:
Kalorien 841 kcal / Fett 75 g / Eiweiß 19 g / Kohlenhydrate 18 g / davon Zucker 13 g / Ballaststoffe 11 g

Meine Anmerkung: Nicht erschrecken angesichts der Kalorien! Ich dachte, es handele sich hier um einen Druck- oder Rechenfehler. Ist aber nicht der Fall. Können Sie sich bei der Sauce nicht bremsen und schlabbern Sie sie bis zum letzten Tröpfchen aus, ergibt sich letzten Endes diese immense Kalorienbombe. Rückfragen bei Frau Sturm ergaben: Bei 3 EL Sauce (ca. 30ml) sind das nur 195 kcal, dazu kommen 75 kcal Gemüse plus 97 kcal Parmesan – und so ergeben sich 367 kcal/Portion. Deshalb auch der Tipp zur "Ermessenssache".

Kichererbsen-Kurkuma-Suppe

Zubereitungszeit: 20 Minuten
Zubereitungs-, Koch- & Quellzeit: 40 Minuten
glutenfrei und vegan

Zubereitung:

Zutaten (4 Portionen):

1 kleine Gemüsezwiebel
1 Knoblauchzeh
1 Stück frischer Ingwer (ca. 1 cm)
1 Süßkartoffel
1 EL Kokosöl
1 TL gemahlene Kurkuma
ca. 1 l Gemüsebrühe
400 ml Kokosmilch
220 g Kichererbsen (aus der Dose)
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Topping:
1 EL Sonnenblumenöl
20 g Mandeln
1 TL Salz
¼ rote Paprikaschote
4-5 Stängel Koriandergrün
Saft von ½ Zitrone

Zwiebel und Knoblauch häuten, Ingwer schälen, alles sehr fein hacken. Süßkartoffel schälen und grob zerteilen. Öl in einem Topf erhitzen. Zwiebel, Knoblauch, Ingwer und Kartoffel hineingeben, mit Kurkuma würzen und unter Rühren kurz andünsten.

Mit ca. 800 ml Gemüsebrühe aufgießen, bis alles bedeckt ist, und die Kartoffel gar kochen.

Kokosmilch und Kichererbsen zufügen und alles mit einem Stabmixer fein pürieren. Je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Gemüsebrühe dazugießen und mit Salz und Pfeffer würzen.

Für das Topping Salzmandeln zubereiten: Dazu Öl in eine kleine Pfanne gießen, Mandeln auf mittlerer Hitze 2-3 Minuten darin rösten, Herd ausschalten. Salz über die Mandeln streuen und gut vermischen. Mandeln auf ein Küchenkrepp geben und kurz abreiben, danach klein hacken. Paprika waschen und klein würfeln, Koriander waschen, trocken schütteln und klein zupfen.

Suppe in vier Schalen geben, Topping darüberstreuen und alles mit Zitronensaft beträufeln.

Sibylle Sturm schreibt zu diesem Rezept: "Hier kommt eine richtige Powersuppe auf den Tisch, besonders wegen der lysinreichen Kichererbsen und Mandeln; die Vitamin- C-Versorgung übernehmen Paprika und Zitrone. Knoblauch, Ingwer, Kurkuma und Kokosmilch runden den Geschmack ab."

Nährwerte pro Person:
Kalorien 501 kcal / Fett 31 g / Eiweiß 10 g / Kohlenhydrate 43 g / davon Zucker 13 g / Ballaststoffe 9 g

Viel Spaß beim Schmökern, Nachkochen und Genießen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Die neue Ess-Klasse - Energie für die besten Jahre
EUR 30,00
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Quelle: n-tv.de