Leben
Gemeinsam auslöffeln hilft bei so manchem Problem.
Gemeinsam auslöffeln hilft bei so manchem Problem.(Foto: imago/Steinach)
Samstag, 06. Januar 2018

Auslöffeln hilft: The same procedure as every year

Von Heidi Driesner

Alle Jahre wieder beginnt das neue Jahr mit Altbekanntem. Kfz-Versicherungen werden teurer, Gans und Pralinen haben auf der Hüfte Platz genommen. Doch 2018 startet außer mit Böllern noch mit einem Paukenschlag.

Das wäre wieder mal geschafft! Einkaufs- und Geschenkeorgie, fette Gans und Schoki-Berge, Familienfrieden oder auch nicht. Dann ein kurzes Luftholen zwischen den Jahren. Aber nur, um ungebremst die nächste Sause anzusteuern und mehr oder weniger alkoholisiert über die Jahresschwelle zu stolpern. Glück haben jene, die das ohne Knalltrauma oder angesengte Hosenbeine geschafft haben, deren Auto auf dem Parkplatz die Knallerei überlebt hat und bei denen der Briefkasten nicht gesprengt wurde. Und wenn nicht? Dann ist das doch alles Kinderkacke gegenüber dem wirklichen Supergau des noch taufrischen Jahres 2018. Denn 2018 fing dermaßen besch... an wie nie ein anderes neues Jahr zuvor. Und da gab’s ja nun schon einige. Nein, der Neujahrskater war nicht dicker als all die anderen Kater, die wir kennen, und liegt außerdem längst wieder friedlich auf der Fensterbank. Der Vorrat an diversen Verdauungshilfen hat auch diesmal gereicht. Die wirkliche nationale Katastrophe brach aus der Glotze über uns herein: Beatrice ist von Bord gegangen! DAS ist verdammt schwere Kost und muss erst mal verdaut werden.

Sollte man wissen: was wo 'rein kommt.
Sollte man wissen: was wo 'rein kommt.(Foto: imago stock&people)

Haben Sie sich einigermaßen von diesem "Traumschiff"-Schock erholt, denn schließlich muss the show go on, können Sie sich den üblichen postweihnacht- und silvesterlichen Problemen zuwenden, die da sind: Nach ausgiebigem Reste-Essen möglichst viel der dann noch übriggebliebenen Fressalien einfrieren; den nadelnden Nadelbaum entschmücken und zum Straßenrand schleppen (zur Freude der Stadtreinigung natürlich zu den Abholterminen); die Batterien leerer Flaschen zum Altglascontainer bringen, selbstverständlich sortenrein weiß, braun, grün! Herrje – und die blauen Prosecco-Pullen? Kleiner Tipp der Glasrecycler: Blau gehört zu Grün, weil Grünglas mit anderen Glasfarben vermischt werden kann, ohne dass die Farbe beeinträchtigt wird. Grün bleibt also immer Grün, auch wenn Sie rote, blaue oder quietschgelbe Flaschen einwerfen. Bei Weiß- und Braunglas klappt das nicht; schon eine einzige grüne Flasche kann 500 Kilo Weißglas einfärben.

Anders als bei Papier bekommt man die Farbe aus dem Glas nicht mehr heraus. Das Aktionsforum Glasverpackung versichert auch, dass sich auf den Lkw tatsächlich drei Kammern befinden, in die die weißen, brauen und grünen Scherben getrennt gekippt werden. Weil das von außen nicht sichtbar ist, hält sich hartnäckig das Gerücht, das Trennen nach Farben sei sinnlos, weil sowieso alles zusammengekippt werde. In einigen Kommunen werden deshalb die Lkw inzwischen von außen dreifarbig angestrichen.

Die andere Seite vom Silvesterspaß

Hunderttausende feiern - und wie viele räumen auf?
Hunderttausende feiern - und wie viele räumen auf?(Foto: picture alliance / dpa)

Und wenn dann noch alle Knall- und Böller-Fans die Überreste ihrer Feuerwerkskörper und Sektflaschen-Abschussrampen nicht dort lassen, wo sie herumliegen, aber nicht hingehören, sondern wieder mitnehmen – dann wäre die Freude am neuen Jahr kaum noch auszuhalten. Da dem aber nicht so ist, beginnt jedes neue Jahr immer mit jeder Menge Dreck. Der Grünstreifen in der Mitte von Karl-Marx- sowie Frankfurter Allee in Berlin zum Beispiel war ziemlich wenig grün, was nicht am Wetter, sondern an den Hinterlassenschaften ansässiger Pyromanen lag. Bis zum Freitagmorgen hatten es die fleißigen Frauen und Männer in BSR-Orange geschafft, den schlimmsten Dreck zu beseitigen. Auf dem Strausberger Platz waren die Sammler noch zugange, um aus dem Saustall wieder das zu machen, was er eigentlich ist: einer der schönsten Plätze Berlins. Auf den Gehwegen und Parkplätzen laufen die Menschen zum Teil immer noch im Zickzack oder hüpfen eigenartig. Denn ob das durch den Regen schleimig gewordene Häufchen oder Würstchen ein hündischer Verdauungsrest ist oder nur eine ehemalige Raketenpapphülse wird einem erst klar, wenn man voll drin steht.

Aber Disziplin soll ja steigerbar sein. Es würde sich lohnen, immerhin ist jeder vierte Deutsche ein Knaller. Ein Fünftel der Deutschen ist allerdings genervt von den Krachern. 137 Millionen Euro, so schätzt der Verband der pyrotechnischen Industrie, haben wir an diesem Jahreswechsel in die Luft gejagt. Einfach so, aus Spaß an der allzu kurzen Freude. Rechnen Sie das mal in Bier um! Da hätten Sie an diesem Jahreswechsel noch ein Schnäppchen gemacht, denn mehrere große Brauer haben bereits Preiserhöhungen für ihre Flaschenbiere zum 15. Januar, 1. Februar bzw. 1. März angekündigt. Pech gehabt, wenn Sie lieber geknallt haben! Dabei ist Bier in Maßen viel gesünder als Böller in Massen. 

Ist nun der Müll mehr oder weniger beseitigt, geht’s an die eigenen Herzensangelegenheiten: Die von der Omma geschenkte Feinripp-Unterwäsche muss gegen sexy String-Tanga eingetauscht und all die nicht mit Weihnachts- und Neujahrskarten beglückten Verwandten und Bekannten müssen zwecks Entschuldigung angerufen werden. Ist eh‘ klüger, denn am Telefon ist es Wurscht, wie’s neue Jahr geschrieben wird, nämlich klein und nicht groß. So outen Sie sich nicht als Rechtschreibunkundiger. Den Blick auf den Kontostand sollte man allerdings meiden. Weihnachten und Silvester lassen wir uns nämlich nicht lumpen: Jeder Zweite hat für das Fest der Liebe 250 Euro locker gemacht, jeder Fünfte sogar mehr als 500. Statistisch gesehen – das heißt vom Hosenscheißer bis zum Hundertjährigen. Nicht alle Weihnachtsausgaben gehen für sinnige und unsinnige Geschenke drauf, immerhin wird ein Drittel verfuttert und vertrunken. Und für Silvester/Neujahr greifen die meisten dann noch mal tief in den schon schlappen Geldbeutel; knapp 200 Euro von Böller und Outfit bis Karpfen und Schampus gehen statistisch dafür drauf. Pro Person!

Und darauf einen Teller Suppe!

Auch bei einer Suppe gilt: gewusst wie.
Auch bei einer Suppe gilt: gewusst wie.(Foto: imago stock&people)

Dann ist die erste Woche um und nichts, aber auch gar nichts mehr hat man herumzuwerkeln, um den schwersten Gang im neuen Jahr noch ein wenig hinausschieben zu können: den Tritt auf die Waage. Und wie am Beginn eines jeden neuen Jahrs staunt man, wie doch so ein Gänsekeulchen, ein Schokoladen-Riegelchen und ein bisschen Käse-Fondue zu Pfunden oder gar  Kilos mutiert sind. Was für den Müll gilt, gilt auch fürs Gewicht: Wer sich die Suppe eingebrockt hat, muss sie auch auslöffeln. Das kann sogar ziemlich schmackhaft sein, sieht man mal von dieser elendigen Abnehm-Kohlsuppen-Plörre ab.

Figurbewusste wissen schon lange, dass Suppe als Hungerkiller beim Abspecken hilft. Nicht die Cremesuppen mit verführerischen Namen wie Basilikumschaumsüppchen an, über oder unter X, Y, Z. Die meisten davon entpuppen sich nämlich als wahre Fettbomben. Klare Brühen ohne Einlagen wiederum machen nicht lange satt, sie passieren den Magen zu schnell. Der Casus knacksus sind die sogenannten Suppeneinlagen, also all das, was in der Suppe herumschwimmt. Und dabei kommt es nun wieder auf die Größe an, wobei die Vernunft den Ausmaßen Grenzen setzt: Ganzer Kürbis geht nicht und ganze Kartoffeln sind Quatsch.

Fakt ist aber, dass eine Suppe mit gröberen Gemüse- oder Fleischstücken richtig gut und für längere Zeit satt macht. Französische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eine Suppe mit Gemüsestücken länger sättigt als die gleiche Menge von gekochtem Gemüse plus ein Glas Wasser oder als passierte Variante. In allen Fällen ist die Kalorienmenge gleich, der Sättigungseffekt aber nicht: Die gröberen Stücke dehnen den Magen mehr aus und die Brühe verzögert die Entleerung. Je langsamer der Magen sich entleert, desto länger hat man kein Hungergefühl. Verantwortlich dafür sind Dehnungsfühler in der Magenwand, die die Produktion des Hungerhormons Ghrelin steuern. Ist der Magen voll, wird wenig davon produziert. Wer Wert auf fettarme Suppen legt, was ja auch wichtig beim Abspecken ist, nimmt statt Suppenhuhn ein Hähnchen und entfernt außerdem die Haut. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Suppe genügend fettarm ist, halten Sie sich an einen Spruch meiner Oma: Wenn mehr Augen reingucken in den Suppentopf als raus, ist die Brühe fettarm.

Omas Nudelsuppe

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers):

1 Hähnchen
2 Zwiebeln
2 + 2 Stangen Staudensellerie
1 + 3 Möhren
1 Stange Lauch
½ Knollensellerie
½ Blumenkohl
2 Petersilienwurzeln
180 g Vollkornnudeln
5 Pimentkörner
2 kleine Lorbeerblätter
1 TL schwarze Pfefferkörner
1 EL Salz, gestrichen
½ TL Muskatnuss, frisch gerieben
1 Bd. Petersilie, gehackt

Das Hähnchen säubern, zerteilen und in einem Topf mit ca. 2,5 bis 3 Liter Wasser bedeckt langsam bis knapp unter den Siedepunkt erhitzen. Gelegentlich aufsteigenden Schaum abnehmen.

Die Zwiebeln ungeschält halbieren und in einer Pfanne ohne Öl auf den Schnittflächen bei starker Hitze kräftig rösten. Alles Gemüse waschen und putzen. 2 Stangen Staudensellerie vierteln, das Grüne von der Lauchstange sowie 1 Möhre der Länge nach halbieren. Dieses Gemüse sowie die Gewürze nach 30 Minuten Garzeit zum Hähnchen in den Topf geben. Alles zusammen weitere 30 Minuten garen, bis das Fleisch zart ist. Das kann eventuell auch etwas länger dauern.

Die fertig gegarten Hähnchenteile aus dem Topf nehmen und die Brühe durch ein Sieb in einen anderen Topf abgießen.

Das restliche geputzte Gemüse – 2 Stangen Staudensellerie, ½ Knollensellerie, 3 Möhren, 2 Petersilienwurzeln und das Weiße vom Lauch – grob würfeln. Dieses Gemüse in die Brühe geben und ohne Deckel 15 Minuten köcheln lassen. Den Blumenkohl in nicht zu kleine Röschen teilen, nach 10 Minuten zugeben und die restlichen 5 Minuten ebenfalls garen lassen.

In der Zwischenzeit die Nudeln in Salzwasser bissfest kochen, abgießen und mit kaltem Wasser abschrecken. Das Fleisch von den Knochen lösen und enthäuten. In etwa 2 cm große Würfel schneiden. Nudeln und Fleischstücke zum fertig gegarten Gemüse in den Topf geben. Nochmals erhitzen, aber nicht mehr kochen. Mit frisch geriebener Muskatnuss abschmecken und gegebenenfalls nachsalzen. Auf Suppenteller verteilen und mit der Petersilie bestreuen.

Tipps: Statt Hähnchen kann auch ein Suppenhuhn verwendet werden. Dann ist das Essen allerdings weniger zum Abnehmen geeignet, bringt einen aber nach einer Erkältung wieder auf die Beine. Die Brühe gegebenenfalls entfetten.

Als Fleischeinsatz eignen sich natürlich auch sehr gut Gänse- oder Entenklein, das ergibt aromatische Brühen; allerdings auch kalorienreichere.

Viel Erfolg beim Kochen und überhaupt im neuen Jahr wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de