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Modetipps des Literaturpapstes Andrew Ranicki: "Mein Vater nervte jahrelang"

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Andrew Ranicki trägt als Mathematik-Professor lieber Pullover als Anzüge.

picture alliance / dpa

Zieh dich doch mal ordentlich an! Das sagen gerne Eltern, die mit dem Kleidungsstil ihrer Sprösslinge nicht einverstanden sind. Auch Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gab seinem Sohn ständig Modetipps - aber aus einem besonderen Grund.

Andrew Ranicki, Mathematik-Professor in Edinburgh und Sohn des vestorbenen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, hat unter dem Modeverständnis seines Vaters gelitten. "Mein Vater hatte vielleicht nur einen Fehler: Er wollte immer, dass ich sehr gut angezogen sein soll", sagte er dem "Spiegel". "Aber ich bin Mathematiker!" Da trage man lieber Pullover.

"Aber er hat mich jahrelang genervt: Warum ziehst du dich so schlecht an? Die Erklärung fand ich in seiner Autobiografie: Er meinte, dass man im Warschauer Ghetto vielleicht eine bessere Überlebenschance hatte, wenn man gut angezogen war." Als er das gelesen habe, habe er seinem Vater verziehen, sagte Andrew Ranicki dem "Spiegel".

Marcel Reich-Ranicki war im September 2013 im Alter von 93 Jahren gestorben. Er war wohl der bekannteste Literaturkritiker Deutschlands. Unter anderem leitete er die Literaturredaktion der "FAZ" und wurde durch die Fernsehsendung "Das literarische Quartett" einem breiten Publikum bekannt. Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen und Ehrendoktorwürden geehrt.

Der scharfzüngige Kritiker war wegen seiner jüdischen Herkunft in der Nazizeit verfolgt worden. Er konnte aus dem Warschauer Ghetto fliehen und in einem Versteck gemeinsam mit seiner Frau den Krieg überleben. 1958 zog er nach Deutschland.

Quelle: n-tv.de, hla/dpa

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