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Vip Vip, Hurra! Das Gewaltmuster des Jérôme Boateng

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Schuldig gesprochen, seine Ex-Freundin attackiert zu haben: Jérôme Boateng.

(Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

Dass Jérôme Boatengs Umgang mit Frauen alles andere als vorbildlich war, ist nicht erst seit dem Suizid seiner Ex-Freundin Kasia Lenhardt bekannt. Nun ist der Star-Kicker wegen Körperverletzung verurteilt worden. Frauenschläger haben im Fußball nichts zu suchen!

Sie hinterziehen Steuern, pinkeln in Hotellobbys, geraten in Schlägereien und bauen besoffen Autounfälle. Manchmal müssen sie sich für ihre Taten verantworten, aber in vielen Fällen kommen sie glimpflich davon: Fußballer, so scheint es zumindest, haben in diesem Land eine gewisse Narrenfreiheit. Sie verdienen Millionen, haben eine ganze Armada an Beratern, Assistenten und Anwälten und dann sind da ja auch immer noch die vielen Fans, die Fehlverhalten sehr oft verzeihen, weil das Idol ja wieder so ein tolles Tor geschossen hat.

Sie werden hofiert, führen dank ihrer Gagen ein Leben in Saus und Braus und tüten zusätzlich Unsummen mit lukrativen Werbedeals ein. Es ist an Heuchelei nicht zu toppen, wenn Werbefirmen so tun, als seien ihnen Gleichberechtigung und Mitmenschlichkeit wichtig, während sich ihre Testimonials hinter den Kulissen wie die Axt im Walde benehmen. Aber solange der Rubel rollt und beide Seiten kräftig absahnen, muss man etwaiges Fehlverhalten - so der allgemeine Konsens - nicht unnötig an die große Glocke hängen.

Einer der sogenannten Bad Boys, der mit seinem Verhalten viel zu lange durchkam, ist der Fußball-Weltmeister von 2014, Jérôme Boateng, seit dieser Woche vorbestraft, weil er seine damalige Partnerin Shirin S., Mutter seiner Kinder, geschlagen hat. Der Richter sah es im Berufungsprozess als erwiesen an, dass Boateng seine Ex-Freundin in einem gemeinsamen Karibik-Urlaub nicht nur beleidigt habe. Von Tritten ist die Rede, von blauen Flecken. Das Urteil: schuldig der zweifachen Körperverletzung.

"Die Spitze des Eisbergs"

All diese Ereignisse waren, und das ist das zusätzlich Traurige, im Jahre 2018! Und es war innerhalb der Kreise, in denen sich der Fußball-Star bewegt und die ihn beschützen, kein Geheimnis. Im Gegenteil! Die Staatsanwaltschaft sagte sogar, bei diesem öffentlich gewordenen Vorfall handele es sich nur um "die Spitze des Eisbergs". Die Beziehung sei eine gewesen, die stets von Gewalt geprägt war. Und auch hier heißt es sofort wieder verteidigend, man müsse das Talent des Fußballers vom Mann, der nun ein verurteilter Frauenschläger sei, der laut Nebenklage "ein pathologisches Gewaltmuster" offenbare, trennen.

Bei Boateng handele es sich um einen Weltklasse-Spieler. Diese Argumentation ist natürlich Murks, denn Fußball-Stars stehen nicht über dem Gesetz und haben eine gewisse Vorbildfunktion inne. Poster ihrer Konterfeis hängen in unzähligen Jugendzimmern. Was ist das für ein Zeichen an die Jugend, wenn es heißt: Okay, das ist zwar einer, der Frauen beleidigt, schlägt und einschüchtert, aber auf dem Rasen ist er ein Genie.

Aber was ist mit den Frauen?

Von einem immensen Imageschaden ist die Rede, davon, dass Boatengs Sponsoren abgesprungen seien und seine Karriere durch dieses Urteil einen herben Schlag erleide. Aber was ist mit den Frauen? Was ist mit der Mutter seiner Kinder, über die gesagt wurde, sie wolle nur "schmutzige Wäsche waschen"? Was ist mit den Einschüchterungen, den Drohungen und dem Netz an Leuten, die dafür gesorgt haben, dass die Stimmen der Frauen viel zu lange ungehört blieben? All diese Menschen, sie haben sich mitschuldig gemacht! Denn das Aggressionsproblem des Fußballprofis war bekannt! Und dennoch ließ man eine weitere Partnerin, Kasia Lenhardt, die sich nach ihrer Beziehung mit Boateng das Leben nahm, buchstäblich ins offene Messer laufen. Keine Hilfe für sie. Keinen Schutz. Stattdessen Hass im Netz, eine Schmutzkampagne und Lügen, gegen die sie zu schwach war, sich zu wehren.

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Die Nebenklage sprach in diesem Zusammenhang von einem "David-gegen-Goliath-Kampf". Hier die Frau, die in den meisten Fällen finanziell abhängig ist, da der Mann, der Star-Kicker mit einem ganzen Netzwerk an Helfern. Wie ohnmächtig sich diese Frauen gefühlt haben müssen!

Nun kommt ans Licht: Wie Jérôme Boateng mit seiner Ex-Freundin Shirin S., aber auch mit Kasia Lenhardt umging, sei in der Fußballerszene "kein Einzelfall, sondern strukturell bezeichnend". Etliche Frauen berühmter Kicker erleben häusliche Gewalt. Sie alle schweigen - aus Angst. Sie erdulden Schläge, Drohungen und Einschüchterungen. Und sie unterschreiben Verschwiegenheitserklärungen, während ihre Männer auf dem Spielfeld von Millionen Fans bejubelt werden.

Quelle: ntv.de

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