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Wenn selbst Sex langweilig ist Der Tatort, ein einziges "Todesspiel"

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Der Tatort "Todesspiel" hält nicht das, was er verspricht.

Ein junger Mann erschießt sich beim russischen Roulette. Die Clique sieht dabei zu. Die Schwester will Vergeltung. Das ist eigentlich der Stoff, aus dem gute Krimis sind. Eigentlich, denn dieser Tatort scheitert komplett an der Umsetzung.

Sex sells - von daher kein schlechter Ansatz, mit einer Liebesszene den Tatort "Todesspiel" zu beginnen, so zumindest die Theorie. Die Umsetzung ist dann allerdings völlig enttäuschend. Der Mann zückt die Handschellen, die Frau wehrt sich. Das war vielleicht vor 20 Jahren skandalös, heute wirkt diese Szene völlig überholt.

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Kommissarin Klara Blum leitet zwar die Ermittlungen, doch auch sie bringt keine Spannung in den Tatort.

Zweite Chance: Noch einmal keimt zu Beginn ein Hoffungsschimmer auf, dieser Krimi könnte einen 88 Minuten lang unterhalten. Auf dem Tisch liegt ein Revolver mit fünf Patronen. Alles spricht für eine Partie russischen Roulettes. Das hätte spannend werden können - hätte, denn das Spiel wird nicht gespielt. Stattdessen setzen die Filmemacher auf Altbewährtes, die typische Tatort-Leiche am nächsten Morgen, die Fragen stellende Kommissarin - gähn. Viel Potenzial, den Tatort endlich mal extremer, zeitgemäßer und vor allem anders anzupacken, wird einfach verschenkt. Stattdessen beginnen die monotonen Befragungen der Clique. Dass es sich dabei allerdings um Mordverhöre handelt, wird überhaupt nicht ersichtlich. Das Büro wirkt kalt und leer. Der Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) fehlt jegliche Spitzzüngigkeit und Schärfe in der Stimme. Eine Frau ohne Ecken und Kanten, ein netter, leider sehr langweiliger Ruhepol. Immer wieder tanzen ihr die Verdächtigen auf der Nase herum, verlassen den Raum, beenden Gespräche. Dass sie eigentlich die Ermittlungen in diesem Mordfall leitet, weiß man zwar, aber es wird nicht gelebt. Wo ist die kluge Detektivin, die wir als Zuschauer sehen und bewundern wollen? Die Kommissarin, die die richtige Spur erahnt, misstrauisch nachfragt, Dinge sieht, die wir nicht sehen. Sie existiert nicht!

Kommissare ohne Autorität

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Auch Kollege Kai Perlmann zeigt keinerlei kriminalistischen Spürsinn.

Noch schlimmer wird das Ganze durch ihren Kollegen Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), der leider ebenfalls nicht die geringste Autorität besitzt. Im Gegenteil, er wirkt nicht nur wie der kleine, tollpatschige Sohn von Blum, sondern auch wie der neue Mitläufer und Spendierhansel der Jugendclique. Seine verdeckten Ermittlungen führen vollkommen ins Leere, auch hier existiert keinerlei kriminalistischer Spürsinn. Stattdessen fragt man sich als Zuschauer, warum man sich diese leeren Dialoge eigentlich anschauen soll. Sie führen zu nichts, außer zu einer 1000 Euro teuren Champagnerrechnung. Die trockenen Neckereien zwischen Kommissarin Blum und Kollege Perlmann reißen einen leider auch nicht mehr vom Hocker - das haben wir jetzt wirklich schon zur Genüge gesehen. Eine Sache aber muss man Perlmann zu Gute halten: Er wirkt authentisch in seiner Rolle und liefert eine gute Schauspielleistung ab. Leider ist er damit einer der wenigen in diesem "todeslangweiligen Spiel".

Karikaturen statt Charaktere

Die zentralen Figuren der Jugendclique, die sich um den ermordeten Benjamin Wolters gescharrt haben, können von Anfang an keine Glaubwürdigkeit aufbauen. Das liegt zum großen Teil auch an schlechten Dialogen. "Kann ich ein, zwei Tage bei dir bleiben? Es ist irgendjemand hinter uns her", erklärt Musiker Daniel Gabler (Daniel Roesner) der hübschen Alisa Adam (Anna Bederke). Er ist auf der Flucht und sieht sich in Todesgefahr. Das wird aber leider überhaupt nicht transportiert, weder durch den hölzernen Dialog, noch durch die steife Körpersprache. Genauso skurril wirkt die Rolle von Alisa. Sie entpuppt sich als Mörderin und sinnt nach Rache für ihren verstorbenen Bruder - ihr Motiv ist Hass, Trauer und Wut, aber sie wirkt so unbeteiligt wie ein Roboter. Die kühle Mörderin - so stand es wahrscheinlich im Drehbuch. Vielleicht sollte das spannend oder geheimnisvoll wirken, das Ergebnis ist aber leider, dass die Charaktere einem fremd bleiben und man emotional nicht erreicht wird.

Authentizität verlieren die Jugendlichen aber auch durch die überzeichneten Rollenbilder. Sie wirken eher wie Karikaturen, überladen mit Klischees, keine Spur von spannenden, widersprüchlichen Charakteren. Jeder von ihnen wird oberflächlich eingeführt und dabei bleibt es dann auch. Da ist zum einen die Frau des Schweizer Geschäftsmannes Nadine Weiss (Alexandra Finder): Ein Modepüppchen mit Brust- und Nasen-OP, die nur Mode, Männer und Aussehen im Kopf hat. Dann gibt es den reichen Hedgefondsmanager mit teuren Uhren und Jachten, der weder Skrupel noch Gewissen hat, und dann ist da noch der Sänger einer Castingshow, den ein paar kreischende Mädchen auf der Straße umringen und der sich sein Geld mittlerweile mit Supermarktauftritten verdient.

Viel verschenktes Potenzial

Nun, hatte der Tatort denn gar nichts Gutes? Doch, eine Szene war zumindest ansatzweise spannend: Nadine ist alleine zu Hause und wird beinahe erschossen. Das war der gefühlte Höhepunkt des Films. Danach flacht die Spannungskurve allerdings drastisch ab und das, obwohl der eigentliche Höhepunkt erst viel später im Film geplant ist. Doch leider wird alles vorweggenommen. Die Spannung verpufft, bevor sie überhaupt entstehen kann: Mörderin Alisa lockt Nadine und Daniel zum Wasserwerk. Beide sollen russisches Roulette spielen - also das "Todesspiel". Doch bereits nach der ersten Runde stehen die Polizisten auf der Matte und beenden alles - schließlich auch den Tatort und lassen den Zuschauer gelangweilt und auch ein bisschen verärgert zurück.

Quelle: n-tv.de

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