Bester Dokumentarfilm "Die Bucht"
08.03.2010, 16:26 Uhr
"Die Bucht" ... hat der Film etwas bewirkt?
(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Blutrot gefärbtes Wasser hinterlässt die Jagd auf Delfine an der japanischen Küste. Diese Spuren des Tötens waren auch bei der Oscar-Verleihung Sonntagnacht in Los Angeles zu sehen. Denn in der Kategorie "Dokumentarfilm" siegte der Film "Die Bucht", in dem Regisseur Louie Psihoyos die Treibjagd auf Delfine im japanischen Küstenort Taiji zeigt. Zunächst wählen Tiertrainer dort die besten Exemplare für ihre Delfinarien aus, dann werden die restlichen mit Speeren und Messern getötet.

Matt Damon, links, posiert mit den Produzenten Fisher Stevens und Ric O'Barry gleich nach der Oscar-Show.
(Foto: AP)
Die aktuelle Jagdsaison geht parallel zu der Auszeichnung im März zu Ende. "Die Fischer schlagen nun Holzpflöcke in die Wunden der Delfine, um die Rotfärbung des Wassers zu vermeiden. Viel mehr hat der Film in Taiji nicht bewirkt", sagt Jürgen Ortmüller, der die Tierschutzorganisation "Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) in Hagen gegründet hat.
Trotzdem freut sich der deutsche Tierschützer über den Oscar für "Die Bucht": "Damit wird der Delfinfang von viel mehr Menschen und Entscheidungsträgern wahrgenommen." Seit zehn Jahren kämpft der Steuerberater für die Meeressäuger. Zum Wal- und Delfinschützer wurde Ortmüller durch ein Treffen mit dem Greenpeace-Mitbegründer Paul Watson und dem Trainer der "Flipper"-Delfine Ric O'Barry, der später zum Gegner des Delfinfangs wurde. "Das sind meine Lehrer", meint Ortmüller, der sich sein Wissen über die Meerestiere selbst angeeignet hat.
Der 56-Jährige will nicht mit spektakulären Aktionen auf dem Wasser oder grausamen Bildern auf die gejagten und gefangenen Tiere aufmerksam machen. Ortmüller sucht das persönliche Gespräch mit Politikern, Reiseveranstaltern, Botschaftern und Zoodirektoren, um den Walen und Delfinen zu helfen. "Ich setze nicht unter der Gürtellinie an, sondern auf Augenhöhe", meint Ortmüller. Als Steuerberater nutzt er seinen juristischen Sachverstand und kämpft um die Einhaltung und Verschärfung der Tierschutzgesetze. "Wenn etwas nicht in Ordnung ist, dann muss man sich einmischen", erklärt Ortmüller seinen Einsatz.
Bei der weltweiten Jagd werden Wale und Delfine nicht nur getötet, sondern auch gefangen und an Delfinarien verkauft. Die Tiere in kleine Betonbecken zu sperren und für Shows zu dressieren, lehnt der WDSF-Gründer ab. "Delfine springen nicht freiwillig über Hindernisse, weil es so etwas auf dem offenen Meer gar nicht gibt", sagt Ortmüller, der mit seinen Kindern früher auch Delfinshows gesehen hat. "Deswegen mache ich den Besuchern auch keinen Vorwurf." In Deutschland gibt es drei Delfinarien in den Zoos von Duisburg, Münster und Nürnberg, für deren Schließlung das WDSF kämpft. "Delfine sind wie Menschen anpassungsfähig und können in Zoos auch vernünftig gehalten werden", meint der Duisburger Zoodirektor Achim Winkler. "Es kann keine Tierart herausgestellt werden, sonst müsste man die Zootierhaltung grundsätzlich infragestellen."
Jedoch gab es in den vergangenen Monate tödliche Zwischenfälle in Delfinarien. Im Loro Park auf Teneriffa und in SeaWorld in Florida wurden zwei Trainer bei der Arbeit mit Orca-Walen getötet. "Das bleiben immer Wildtiere mit einem angeboren Jagdverhalten - ähnlich wie Löwen", erklärt Ortmüller. Im Februar starben vier Delfine im türkischen Freizeitpark Sealanya, für ihr Schicksal macht Ortmüller schlechte hygienische Zustände verantwortlich.
Das "Herzensanliegen" hat sich für den Steuerberater zu einem echten Halbtagsjob entwickelt: "Der Vormittag gehört den Walen und Delfinen, der Nachmittag dem Büro und der Abend meiner Familie", so Ortmüller. Bei der Arbeit für das WDSF wird er von 10 bis 20 Ehrenamtlern in ganz Deutschland unterstützt, denn die Organisation ist kein Verein und hat keine festen Mitglieder.
Quelle: ntv.de, soe/dpa