Unterhaltung

"Wetten, dass…?"-Weihnachtssendung Die Luftnummer von Boris Becker

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"Du machst das wirklich toll!", muntert Ex-Moderatorin Hunziker Markus Lanz auf.

(Foto: dpa)

Keine allzu großen Stars, keine allzu spektakulären Wetten. "Wetten, dass…?" bleibt bis auf das Gast-Comeback von Michelle Hunziker eher langweilig. Auch weil Boris Beckers Auftritt zur Farce wird.

Dass man Boris Becker mal herbeisehnen würde, hätte man ja jetzt auch nicht erwartet. Aber mit seiner Ankündigung im Vorfeld der Weihnachtsausgabe von "Wetten, dass…?" hatte er Spannung geschürt. Spannung, die der Sendung sonst eher fehlte, aber dazu später mehr. "Vielleicht gibt's ja wieder eine #news, wie beim letzten Mal #wettendass", hatte Becker nämlich einige Tage vor der Sendung getwittert und damit natürlich nicht nur Klatschmagazine zu Spekulationen angereizt. Das letzte Mal, als Boris zu Gast in der ZDF-Sendung war, verkündete er, dass Lilly und er heiraten würden – da lag doch nahe, dass man diesmal eine Schwangerschaft ankündigen würde. Oder, so wurde natürlich gewitzelt, eine Scheidung, ha ha, dabei ist für die schlechten Sprüche doch eigentlich Moderator Markus Lanz zuständig.

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Schwanger- ja oder nein? Lilly und Boris Beckers Auftritt wurde mit Spannung erwartet.

(Foto: dpa)

Denn ja, ein paar davon musste man bis zum Auftritt von Boris und Lilly Becker durchaus ertragen. "Es geht um sechs Italienerinnen, nicht um Sex mit Italienerinnen", so etwas in der Art gab es zu hören, in einer Sendung, die so vor sich hindümpelte, ohne allzu große Stars, allzu große Höhepunkte oder allzu spektakuläre Wetten. Dabei fing alles durchaus hübsch an: Der Sänger Michael Bublé eröffnet die Sendung mit dem Weihnachtslied "Winter Wonderland", an seiner Seite eine Frau, die auch singt, manchmal etwas schief, aber dafür umso freudiger. Als sie ihren blauen Nikolausmantel ablegt, erkennt man Michelle Hunziker, die in einem raffinierten weißen Kleid zeigt, wie gut sie seit der Geburt ihrer Tochter Sole vor zwei Monaten schon wieder in Form ist.

Endlich lacht mal jemand

Auch für Markus Lanz muss es gar wundervoll sein, Michelle, die mit einer einmaligen Show-Rückkehr eine Wettschuld einlöst, an diesem Abend an seiner Seite zu haben. Endlich ist da mal jemand, der das alles toll findet, der über seine Sprüche lacht und fast möchte man manchmal mit Michelle mitlachen. Fast. Denn Ossi- und Trabbi-Witze hat man zu oft gehört, um auch nur schmunzeln zu können. Auch der erste Gast, Schauspieler Wolfgang Stumph, empfiehlt sich mit Einlagen wie "Kennst du den Witz mit Schade?" "Nein." "Schade!" nicht gerade als Entertainer.

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Ein Hollywood-Star nahm auf dem weißen "Wetten dass...?"-Sofa dieses Mal nicht Platz.

(Foto: dpa)

Bei der Stadtwette griff man auch diesmal auf den naheliegendsten Gedanken zurück: Sendung aus Augsburg? Augsburger Puppenkiste! Die Augsburger sollten sich also als Lokomotivführer Lukas und Jim Knopf verkleiden. Auf Twitter kochte mit dieser Ansage ein klein wenig Empörung hoch - soll man sich hier etwa das Gesicht schwarz anmalen und ist das alles nicht rassistisch? Lanz und das ZDF fanden das nicht und die Twitterwelt hatte auch schnell einen neuen Grund zum Sich-Empören: Wettkandidat Friedrich Kühne, der mit der Zugluft beim Balancieren auf einer Slackline Kerzen auspustete, schien seine Wette nicht ganz in der Zeit gewonnen zu haben. Markus Lanz aber betonte mehrmals, es sei "in der letzten Sekunde" noch gelungen – einen Videobeweis blieb man schuldig, dem Kandidat war sein Sieg aber auf jeden Fall zu gönnen.

Ein knabbernder Mann und Übersetzungs-Fehler

Ansonsten: "Wetten, dass…?"-Routine. Michael Bully Herbig macht Werbung für seinen neuen Film und ist ein bisschen lustiger als Lanz, Ina Müller kommt und ist ein bisschen weniger lustig als sonst, Björn Ulvaeus von Abba kommt und muss Fragen beantworten wie: "Wie fühlt man sich als lebende Legende?" Er berichtet außerdem von einem Treffen mit seinen ehemaligen Band-Kollegen: "Wir haben über eine Wiedervereinigung gesprochen" – hier hätte es einmal an diesem Abend interessant werden können, doch nein, wenn Markus Lanz die Gelegenheit, einen DDR-Spruch zu reißen, auch nur erahnt, ergreift er sie: "Wiedervereinigung, der Fachmann sitzt hier!", unterbricht er und deutet auf Wolfgang Stumph. Ulvaeus darf dann noch fertig erzählen, dass es keine Wiedervereinigung geben wird. Also hier auch nichts Neues oder Spannendes.

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Ein wenig schief, dafür aber umso freudiger: Michelle im Duett mit Michael Bublé.

(Foto: dpa)

Die Wetten sind ähnlich blass, im Gedächtnis bleibt wohl noch die Frau, die ihren Mann dazu brachte, Knäckebrot im Takt von Abba-Liedern zu knabbern. Das mag man romantisch finden oder schlimm  oder irgendwie absurd-lustig. Ein "Aus Abba wird Knabba" muss natürlich auch sein, danach kommt Olivier Martinez, der immerhin mit einem Hollywood-Star, von denen diesmal keiner auf der Couch sitzt, verheiratet ist. Halle Berry und Martinez haben gerade ein gemeinsames Kind bekommen, die Plauderei darüber wird durch ein paar Übersetzungsmissverständnisse leider etwas erschwert. An dieser Stelle wartet man eigentlich nur noch darauf, dass Boris Becker kommt, damit man endlich auch weiß, was dieser denn nun zu berichten hat. Es gibt noch Musik von Michael Bublé und dann ist es soweit: Boris und Lilly betreten die Bühne, ein erster Blick auf ihr körperbetontes schwarzes Outfit lässt eigentlich keine Schwangerschaft vermuten. Aber abwarten und Boris erzählen lassen!

Boris und sein bizarrer Humor

"Meine Twitterhand geht manchmal mit mir durch", fängt der an, und erzählt, dass er gar nichts zu erzählen hat, und überhaupt, in diesem Internet, da geht immer alles so schnell - und schon ist was getwittert und man soll das doch alles nicht immer auf die Goldwaage legen, da auf Twitter! Im Klartext: Irgendwie hat er einen seltsamen Witz gemacht, den keiner verstanden hat (so wie bei Lanz immer), beziehungsweise den alle ernst genommen haben. Die Dummchen.

Lanz muss ihn dann, nachdem sein Gast alle verbleibende Spannung gekillt hat, trotzdem noch irgendwelche Dinge fragen, aber eher Uninteressantes, denn "das ist nicht der Rahmen für private Fragen." Also lieber Fragen, wie "Wie feiert ihr Weihnachten?" Man hat also ganz umsonst gewartet und guckt nun Boris dabei zu, wie er sein Buch rechtfertigt und sich fürs kommende Jahr in Lanz´ Talkshow einlädt, um dort dann aber wirklich etwas anzukündigen. Im Februar, da könne er, Boris, nämlich etwas berichten, wirklich. Eine berufliche Veränderung nämlich - vielleicht hat er ja bald eine eigene Schmuckkollektion?

Wie auch immer. Am Ende will Michelle Markus Lanz dann etwas zu mütterlich aufmuntern: "Und du machst das wirklich toll!" Markus Lanz antwortet darauf nicht. Er sagt, was noch zu sagen ist: "Bleiben Sie gesund. Das ist das Einzige, was am Ende wirklich zählt."

Quelle: ntv.de