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Mollys erstes Kind ist ein programmierter Roboter. Das Zweite wird ein Alien.
Mollys erstes Kind ist ein programmierter Roboter. Das Zweite wird ein Alien.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Donnerstag, 18. September 2014

"Extant" züchtet Alienbaby: Halle Berry wird im Weltraum schwanger

Von Anna Meinecke

Steven Spielberg, Halle Berry, Roboter und Aliens: Das ist der Stoff, aus dem spannende Blockbuster gemacht sind - Blockbuster, aber eben keine Fernsehserien. Mit seiner Version einer intergalaktischen Schwangerschaft enttäuscht "Extant".

Nachdem sie dreizehn Monate lang auf Solo-Mission im All war, kehrt Astronautin Molly Woods (Halle Berry) auf die Erde zurück. Zu Hause muss sie feststellen, dass sie auf unerklärliche Weise im Weltraum schwanger geworden ist. Wirklich unerklärlich? Nun ja. Als während eines Störfalls im System einmal sämtliche Computer an Bord ihres Raumschiffs ausfallen, erscheint ihr der lang tot geglaubte Freund von einst. Vielleicht liegt es an dessen schwarzen, fixierenden Augen, vielleicht ist es der Schock - jedenfalls lässt sich Molly auf irgendeine galaktische Weise befruchten.

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Zurück bei Ehemann John (Goran Visnjic) und dem von diesem programmierten Roboter-Sohn Ethan (bester Schauspieler am Set, Pierce Gagnon) - ach ja, wir befinden uns in der Zukunft - tauchen kornkreisartige Gebilde auf Mollys Bauch auf. Das Alienbaby meldet sich. Und als ob das nicht schon verwirrend genug wäre, hat es auch noch die Raumfahrtbehörde, für die Molly arbeitet, auf den außerirdischen Nachwuchs abgesehen. Der ist aufs Reizvollste gefährlich - vielleicht droht er auch ganz nebenbei die gesamte Menschheit zu vernichten.

Kaputte Familien, künstliche Intelligenz

Mit Steven Spielberg als Produzent der Serie "Extant" hat der Sender CBS ein echtes Sci-Fi-Schwergewicht verpflichtet. Wie bei dessen Filmen "E.T." oder "A.I." prägen neben der Raumfahrt gestörte Familiendynamiken und künstliche Intelligenz die Handlung der Show. Die Erwartungen waren hoch, die Einschaltquoten schlecht. An den Erfolg der Steven King Adaption "Under the Dome" vom vergangenen Sommer - ebenfalls ein CBS-Format - konnten die Zuschauerzahlen von "Extant" nicht heranreichen. Halle Berry jedenfalls ist bereits für eine neue Medizinserie beim Sender eingeplant. In der vergangenen Nacht lief in den USA zunächst jedoch das Finale der ersten und womöglich letzten Staffel von "Extant".

Im Weltraum geschwängert kehrt Molly zurück zur Erde.
Im Weltraum geschwängert kehrt Molly zurück zur Erde.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In der Hauptrolle der Molly soll Berry Zentrum eines großen Mysteriums werden und faktisch wird sie das natürlich auch. Allerdings bekommt Berry die Zuschauer einfach nicht auf ihre Seite. War die schöne Oscar-Preisträgerin eigentlich schon immer so eine wahnsinnig miese Schauspielerin? Nach einer Staffel "Extant" hat die Welt jedenfalls erst mal genug von ihrer Interpretation von Weltrettung, Mutterinstinkt und Unterleibsschmerzen.

TV-Publikum ist Besseres gewohnt

Ungeduldig treibt "Extant" eine Handlung voran, die nie so richtig stimmig werden will. Verschiedene Erzählstränge wirken, als hielten sie die jeweils anderen auf: einzeln spannend, vereint irgendwie stümperhaft. Bei "Extant" geht viel daneben, jedoch ist die Show ein großartiger Beweis für die Emanzipation des Seriengenres von der großen Mutter Film. "Extant" scheitert an den Erwartungen eines Publikums, das die feine, langfristig angelegte Entwicklung schwieriger Charaktere schätzt und das von den Machern einer Show Geduld erwartet, wenn es darum gehen soll, eine völlig neue Welt zu erschaffen.

"Extant" hat alles: einen A-Klasse-Lead, einen A-Klasse-Produzenten und durchsichtige Über-Bildschirme. Alles, was ein Film braucht, um es in den Kinokassen klingeln zu lassen. Es ist eine schöne Erkenntnis, dass die Erfolgsmischung dem Fernsehpublikum nicht mehr genügt. "Homeland" zieht schließlich auch nicht, weil Claire Danes neben "Romeo" Leonardo DiCaprio in den 90ern mal so eine süße "Juliet" war. Und man darf wohl behaupten, dass es nicht Bryan Cranstons sechs Jahre bei "Malcom mittendrin" waren, die "Breaking Bad" zum vielleicht beliebtesten und eventuell auch besten TV-Format der letzten Jahre machten.

Wenn Berrys Molly zum Staffelfinale also ins All zurückkehrt, um die Welt zu retten, ist sie dort sicherlich auch ganz gut aufgehoben. Da oben kann sie es dann gern mit den intergalaktischen Mandalas sämtlicher Alienkinder aufnehmen. Gegen Ende des Jahres wird die erste Staffel "Extant" auf DVD veröffentlicht. Vielleicht bekommt die Show dann an einem dunklen Wochenende auf der Couch eine zweite Chance.

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Quelle: n-tv.de