Unterhaltung

DKMS Life-Dreamday Kretschmer & Simonetti: Stark für Frauen

dkms-life_krebs-macht-keine-pause_rui-camilo_guido_maria_kretschmer_03_1.jpg

Guido Maria Kretschmer: "DKMS LIFE macht so wahnsinnig viel Sinn!

(Foto: DKMS LIFE/Rui Camilo)

Gerade in Zeiten einer Pandemie muss die Gesellschaft an Risikogruppen denken, etwa an Krebskranke. "Wir müssen einen Weg finden, für die Patienten da zu sein, ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind", sagen Guido Maria Kretschmer und Riccardo Simonetti im Gespräch mit ntv.de.

Guido Maria Kretschmer sieht, wie eigentlich immer, das Gute in einer neuen Situation - so hat er auch neue Möglichkeiten für sich entdeckt, mit der Corona-Krise umzugehen: "Weniger ist das neue Mehr", so könnte man es vielleicht zusammenfassen. Was ihm aber wirklich am Herzen liegt, dafür setzt er sich auch weiterhin ein, mit voller Kraft. Wie zum Beispiel für den DKMS LIFE-Dreamday. Zusammen mit Entertainer Riccardo Simonetti erzählt er ntv.de, warum er sich für DKMS LIFE stark macht. "Wenn wir alle zusammenhalten und wenn wir alle noch ein bisschen mehr aufpassen würden, dann könnte vieles noch besser laufen", glaubt Kretschmer. Und Simonetti ergänzt: "Es ist wichtig, dieses Thema in die Mitte der Gesellschaft zu bringen."

Covid-19 stellt unsere Gesellschaft - die Welt - vor enorme Herausforderungen, es gibt eine absolute, weltweite Ausnahmesituation. Die aktuelle Lage verlangt jedem viel ab - manchen aber noch mehr. Jeder hat Angst davor, krank zu werden und davor, was die momentanen Umstände für die Zukunft bedeuten, aber vor allem trifft es momentan die, die bereits krank sind. Menschen mit Krebs zum Beispiel. Und deswegen betont Kretschmer: "Für DKMS LIFE setze ich mich schon seit einigen Jahren ein. Und hoffentlich noch viele weitere Jahre! Diese Organisation macht so wahnsinnig viel Sinn." Für Frauen bricht oft eine Welt zusammen, wenn sie Krebs haben. "Für jeden, klar", so der Designer, "aber ich habe nun mal überwiegend mit Frauen zu tun".

Auch Riccardo Simonetti hat persönliche Gründe: "Ich bin dabei, weil ich helfen will. In meinem Bekanntenkreis sind schon mehrere Frauen an Krebs erkrankt und ich wollte unbedingt etwas tun. Ich habe vor allem durch meine Freundin Sylvie Meis, die als Schirmherrin für die jährliche Spendengala von DKMS LIFE tätig ist, gesehen, was die Organisation alles leistet." Für ihn und für Kretschmer sei es wichtig, sich für etwas einzusetzen, mit dem sich ihre überwiegend weiblichen Fans identifizieren können. Simonetti: "Wenn ich also durch meine Arbeit auf das Thema aufmerksam machen kann, und auch darauf, dass Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind, dann mache ich das gerne."

Manchmal verliert man alles

dkms-life_krebs-macht-keine-pause_rui-camilo_riccardo_simonetti_01_1.jpg

Riscardo Simonetti: "Als schwuler Mann in den Medien sehe ich eine Verantwortung darin, auch an andere Themen zu erinnern, etwa, dass 'anders sein' nichts Schlimmes ist und dass die Sichtbarkeit der LGBTQ-Gemeinschaft erhalten bleibt."

(Foto: DKMS LIFE/ Rui Camilo)

Vieles hat sich in Zeiten von Corona verändert - Krebs nicht. Nach wie vor erkranken jährlich rund 230.000 Mädchen und Frauen an Krebs. Sie müssen weiterhin zur Chemotherapie und Bestrahlung, sie verlieren immer noch ihre Haare, Wimpern und Augenbrauen. Kretschmer: "Wer jemals gesehen hat, wie eine Frau - obwohl sie keine Wimpern und keine Augenbrauen mehr hat aufgrund einer Chemotherapie - leuchtet, wenn sie geschminkt ist und aussieht wie früher, der vergisst das nie." Er schluckt und fügt hinzu: "Man verliert nicht nur seine Wimpern, sondern alles, was man kannte, unter Umständen alle seine Pläne, seinen Job."

Krebskranke sehen in vielen Fällen jeden Tag im Spiegel ihre lebensbedrohende Krankheit; die Zeit der sozialen Isolation durch Covid-19 bedeutet für die Patienten eine zusätzliche Belastung. Es fehlt an Unterstützung. "Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele sogenannte Freunde sich vom Acker machen, wenn sie hören, dass jemand Krebs hat", weiß Kretschmer, der selbst schon einige Freunde und Freundinnen an die Krankheit verloren hat, "weil sie mit der Verantwortung nicht zurechtkommen".

Aber damit allein umgehen zu müssen, ist schrecklich und macht einsam. Leider können viele Hilfsangebote aktuell nicht in gewohnter Form stattfinden, obwohl sie dringend benötigt werden. "Und deswegen ist es besonders wichtig, dass man die Stimme erhebt, dass wir mit unserem 'look good feel better'-Patientenprogramm der DKMS LIFE ein bisschen Normalität zurückbringen, Frauen zeigen, wie sie wieder selbstbewusster werden können." Simonetti fügt an: "Ich habe im Lockdown versucht, die Leute mit meinen Videos zu entertainen, um anderen das Leben leichter zu machen, aber ehrlich gesagt musste ich das auch für mich tun! Und für kranke Menschen erst recht!" Den Weg muss tatsächlich jeder allein gehen", sagt Kretschmer, "aber wir geben Support, Lebensfreude und den Frauen wieder ein Stück Normalität in ihrem Alltag".

Spenden sind jetzt das A und O

Seit 25 Jahren unterstützt DKMS LIFE Krebspatientinnen in Therapie. Zum Schutz der Patientinnen muss die gemeinnützige Organisation zurzeit natürlich ihre Kosmetikseminare für Krebspatientinnen, die regulär in mehr als 320 medizinischen Einrichtungen stattfinden würden, pausieren lassen. Stattdessen wurden Online-Kosmetikseminare für sie ins Leben gerufen. Verschiedene Aktionen, wie zum Beispiel auch der seit 15 Jahren jährlich stattfindende "Dreamball", spenden ihre Erträge normalerweise der DKMS LIFE. Aufgrund der aktuellen Situation sind die Maßnahmen und Möglichkeiten jedoch sehr eingeschränkt - die so dringend benötigten Spendengelder bleiben aus. Kretschmer: "Drei Dinge sind momentan besonders wichtig: Weiterhin zur Vorsorge gehen, auf die achten, die eine schwere Zeit durchmachen und sich solidarisch zeigen. Und wenn man keine Zeit hat, dann bitte einfach etwas spenden! Jeder kleine Betrag hilft!" Und dann fügt er noch einen vierten Punkt an: "Sich bewusst machen, dass es jedem passieren kann!"

Apropos niemanden ausgrenzen: Wie kann man Männern helfen, die auch ihre Haare, ihre Wimpern, ihre Augenbrauen verlieren? "Viele Männer kennen es ja, dass auch Haare ausfallen und gehen mit dem Thema anders um", mutmaßt Kretschmer. "Aber ich bin immer dabei, wenn es darum geht, wie man auch Männern zeigen kann, wie sie wieder ein bisschen Frische ins Gesicht bekommen." Weil gut und gesund aussehen Erfolg bedeutet? "Natürlich. Viele Männer machen diese Themen mit sich selbst aus, sie wollen nicht darüber reden - das macht es schwerer, ihnen zu helfen. Weil sie einfach keine Schwäche zeigen wollen. Weil sie denken, dass sie das nicht dürfen. Was natürlich Quatsch ist", so Kretschmer. Findet auch Simonetti: "Bis jetzt ging es darum, Frauen das Selbstbewusstsein zurückzugeben, das sie mit ihren ausfallenden Haaren verloren haben. Auch darum, ihnen während eines Kosmetikseminars eine unbeschwerte Zeit zu ermöglichen. Etwas Ähnliches sollte auch für Männer möglich sein."

Bei den "look good feel better"-Seminaren geht es schließlich nicht nur um dekorative Kosmetik oder das Schminken - es geht auch um Ablenkung. "Und auch darum, sich zu schützen, denn die Haut wird während einer Chemotherapie sehr empfindlich. Das gilt auch für Männer", sagt Simonetti. "Bei jüngeren Männern ändert sich zum Glück das Weltbild", freut sich Kretschmer. Man kann lernen, die neuen Herausforderungen zu meistern: Häufig fällt das Barthaar ja nicht aus und plötzlich sind es die einzigen Haare, die man noch hat. Vielleicht kultivieren Männer ihren Bartwuchs dann einfach mal mehr! Übrigens mit oder ohne Maske finden beide: "Wir müssen schauen, wie das Gegenüber tickt und Rücksicht auf die Schwächeren nehmen." Mit Kretschmer, Simonetti und den anderen Unterstützern des DKMS LIFE dürfte das - zumindest für einen Augenblick - gelingen.

Übrigens: Ende des Jahres beginnt eine von Guido Maria Kretschmer moderierte Show auf Vox zum Thema: "Bei einer solchen Sendung mit Herz und Verstand - da bin ich natürlich dabei! Anderen Mut machen und sagen, dass es auch ein Leben nach der Diagnose gibt! Und vor allem, dass man sich nicht schämen muss!"

Quelle: ntv.de