Presseschau im Epstein-SkandalAndrews Festnahme "erhöht Druck auf Trump und Bondi"

Der wegen Verstrickungen in den Epstein-Skandal festgenommene ehemalige Prinz Andrew ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Großbritannien bleibt in Aufruhr. Die Presse sieht die Monarchie in einer historischen Krise. Eine Zeitung warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen.
Die Londoner Tageszeitung "The Times" schreibt: "Andrew Mountbatten-Windsor wurde gestern Morgen auf dem königlichen Familiensitz Sandringham festgenommen - und löste die größte Krise für die Monarchie seit der Abdankung (König Edward Vlll. 1936) aus."
"Niedergang. Erschöpft wirkend, beschämt und verfolgt: Andrew wird elf Stunden nach seiner Festnahme aus dem Polizeigewahrsam entlassen - nachdem seine Verhaftung die moderne Monarchie in ihre größte Not gestürzt hatte", kommentiert die Boulevardzeitung "Daily Mail" die Entwicklung im Fall Epstein.
Gar einen historischen Vergleich zieht "The Sun": "Jetzt schwitzt er. Erstes Mitglied des Königshauses in Haft seit Charles I., 1647. Elf Stunden im Polizeigewahrsam .. am Geburtstag. Der König sagt: "Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen", schreibt die britische Boulevardzeitung.
Anfang 1647 wurde König Charles l. während des Englischen Bürgerkrieges von den Schotten, bei denen er Zuflucht gesucht hatte, an das Londoner Parlament ausgeliefert und verhaftet. Zwei Jahre später wurde er enthauptet. Auslöser des Bürgerkrieges waren Charles' Versuche gewesen, absolutistisch zu regieren. Dies führte zu einem Machtkampf zwischen dem König und dem Parlament. Der Bürgerkrieg endete 1649 mit dem Sieg der Parlamentarier. Die Monarchie wurde vorübergehend abgeschafft.
Die norwegische Boulevardzeitung "Dagbladet" lobt das strikte Vorgehen der britischen Behörden gegen Andrew, das US-Präsident Trump in einem schlechten Licht dastehen lasse. "Die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor erhöht den Druck auf (US-Präsident Donald) Trump und Justizministerin Pam Bondi. Wenn die Briten in der Lage sind, Vorwürfen gegen einen ehemaligen Royal nachzugehen, ist es für die USA geradezu peinlich, dass die Behörden offenbar ihre Spitzenpolitiker schützen.
Der Fall Epstein wird nicht im Sande verlaufen. Ohne eine glaubwürdige Aufarbeitung der Missbräuche und anderer Straftaten wird das Vertrauen in die Behörden der betroffenen Länder geschwächt. Die Aufarbeitung muss sowohl politisch als auch rechtlich erfolgen, soweit dafür eine Grundlage besteht. Ausgehend von den bisherigen Reaktionen scheint Norwegen auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Lasst uns dort bleiben".
Die Tageszeitung "Daily Mirror" meint: "König: "Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen". Der beschämte Andrew Mountbatten-Windsor versteckt sein Gesicht, während er nach einer Befragung durch die Polizei an seinem 66. Geburtstag zusammengesunken in einem Auto sitzt".
Auch der "Guardian" zitiert König Charles lll.: "König sagt nach Andrews Festnahme: "Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen". (...) nachdem sein Bruder Andrew Mountbatten-Windsor in einem beispiellosen Schritt wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt festgenommen wurde".
"Andrew festgenommen. Er verließ die Polizeistation bei Einbruch der Dunkelheit. Zusammengesunken auf dem Rücksitz eines Autos, mit müdem Blick und erschöpft, wirkte Andrew Mountbatten-Windsor wie ein Mann, der die ganze Last seiner Vergangenheit und Zukunft auf den Schultern trägt", schrieb "The Daily Telegraph".
Andrew sei eine tickende Zeitbombe, glaubt die italienische Zeitung "Corriere della Sera". "Nach dem Sexskandal um (Jeffrey) Epstein, der Andrew alle Titel kostete, sind inzwischen auch seine lockeren Geschäftsgebaren ins Rampenlicht geraten. Laut seinem Biografen hat Andrew während seiner Reisen als britischer Handelsgesandter weltweit bereitwillig Millionenschmiergelder angenommen, oft von korrupten Regimen. Das würde erklären, wie der Ex-Prinz stets einen luxuriösen Lebensstil führen konnte, weit über seine offiziellen Möglichkeiten hinaus.
Über Andrew sollen umfangreiche Dossiers, auch mit Fotos, in den Händen feindlich gesinnter Regime liegen - von Russland bis China -, die sowohl seine sexuellen Eskapaden als auch seine Habgier dokumentieren. Der ehemalige Prinz wäre damit erpressbar - eine tickende Zeitbombe für die Monarchie. Ein schwarzes Schaf, das sich nicht mehr weißwaschen lässt."
Die spanische Zeitung "El Mundo" spricht von einem "historischen Schlag" für die britische Monarchie. "Die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor (...) hat der britischen Monarchie einen historischen Schlag versetzt (...). Nach der Freigabe der jüngsten Dokumente im Fall Jeffrey Epstein hegen die Behörden den Verdacht, dass der ehemalige Prinz (...) sensible Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter weitergegeben hat. (...) Sollten sich diese (...) Anschuldigungen als wahr erweisen, würde dies bedeuten, dass ein Mitglied der königlichen Familie sein Land durch eine Beziehung verraten hat, die an sich schon einen Skandal darstellt (...). Die Reaktion von König Charles III. war, wie die des britischen Premierministers Keir Starmer, einem Rechtsstaat angemessen.
Beide forderten ein konsequentes und unabhängiges Vorgehen der Justiz. Der Imageschaden für die Monarchie ist jedoch unermesslich. Zu der ohnehin schon zweifelhaften Biografie des ehemaligen Prinzen Andrew (...) kommt nun ein mögliches Verbrechen hinzu, das das Herz der Nation und der sie repräsentierenden Krone erschüttern würde. Die Aufgabe, vor der sein 77-jähriger Bruder nun steht, ist es, das Vertrauen in eine Institution wiederherzustellen, ohne die das Vereinigte Königreich nicht zu verstehen ist."
Die australische Zeitung "The Age" aus Melbourne will trotz Andrews Festnahme keine "voreiligen Schlüsse über den Niedergang der Monarchie" ziehen. "Für Mountbatten-Windsor gibt es kein Mitgefühl. Seine Festnahme am Donnerstag erfolgte Jahre nach den Enthüllungen über seine Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und Jahre nach der Veröffentlichung des berüchtigten Fotos, das ihn mit der Hand an der Taille von Virginia Roberts Giuffre zeigt, die ihn der sexuellen Nötigung beschuldigte. In privilegierte Verhältnisse hineingeboren, ist er nun ein Ausgestoßener. (...)
Mountbatten-Windsor wirkte sichtlich perplex von der kalten Realität des Polizeigewahrsams, als er nach über elf Stunden Haft entlassen wurde. Er kauerte auf dem Rücksitz eines Wagens, um nicht fotografiert zu werden, als er von einer Polizeiwache in Norfolk weggefahren wurde. (...) Die lange Dauer des Gewahrsams am Donnerstag lässt vermuten, dass die Polizei viele Fragen hatte. (...) Doch niemand sollte voreilige Schlüsse über den Niedergang der Monarchie ziehen.
Ja, die Öffentlichkeit hat sich von Andrew abgewandt. Laut dem Meinungsforschungsinstitut YouGov ist er bei 76 Prozent der britischen Wähler unbeliebt. Er hat jedoch keine königlichen Pflichten mehr, und seine Titel wurden ihm aberkannt. Und Charles erfreut sich weiterhin immenser Beliebtheit. (...) Die britische Öffentlichkeit kann den Mann, den sie einst als Prinz Andrew kannte, verurteilen und gleichzeitig den König und die Monarchie unterstützen."