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Cindy Reston, Patti Robinson und Jane Hollander arbeiten gemeinsam in der Nachrichtenredaktion von "News of the Week".
Cindy Reston, Patti Robinson und Jane Hollander arbeiten gemeinsam in der Nachrichtenredaktion von "News of the Week".(Foto: Amazon Video)
Donnerstag, 27. Oktober 2016

"Good Girls Revolt" auf Amazon: Redaktionsalltag unter Chauvis

Von Juliane Kipper

Recherchieren, telefonieren, Termine machen: In den 60er Jahren haben Frauen in Redaktionen nicht besonders viel zu melden. Schreiben, das tun die Männer. Doch in der neuen Amazon-Serie "Good Girls Revolt" wollen die Frauen mehr.

Nachrichtenredaktionen sind Ende der 1960er Jahre eine klare Männerdomäne. Frauen dürfen vielleicht bei der Recherche helfen oder Kaffee kochen, doch Anerkennung und Lob bekommen am Ende immer nur ihre männlichen Kollegen. Die Namen der Frauen tauchen in den Magazinen nie auf.

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Auch in der Amazon-Serie "Good Girls Revolt" sind alle Redakteursposten des New Yorker Nachrichten-Magazins "News of the Week" ausschließlich mit Männern besetzt. Sie schreiben die spannenden Geschichten und lassen sich dabei von den "braven Mädchen" zuarbeiten. Als eine Rechercheurin den Artikel ihres Kollegen komplett umschreibt, bleibt niemandem verborgen, wie viel besser er dadurch geworden ist - von ihrem Chefredakteur bekommt sie trotzdem keine Anerkennung für ihre Arbeit. Ganz im Gegenteil. Die Frauen in der Redaktion beschließen, eine Revolution anzuzetteln. Sie sind es endgültig leid, lediglich als Aushilfskräfte angesehen zu werden.

Im Zentrum der Handlung der neuen Serie stehen drei Frauen, die anfangs nicht viel mehr miteinander verbindet als ihr Arbeitgeber. Patti Robinson (Genevieve Angelson) lebt für ihren Beruf. Die 24-Jährige arbeitet zusammen mit dem Journalisten Douglas Rhodes (Hunter Parrish) ehrgeizig an immer neuen Geschichten. Doch als stumme Helferin sieht sie sich zu keinem Zeitpunkt, immer sucht sie die Konfrontation mit ihrem Kollegen und ist bereit für ihre Standpunkte einzustehen. Als Hippie und Abenteurerin verkörpert sie den Lifestyle der späten 1960er Jahre.

Geschlechterrollen prägen Arbeitsalltag

Cindy Reston (Erin Darke) gehört wie Patti zu den jungen Frauen in der Redaktion, die für ihre männlichen Kollegen Hintergründe recherchieren, Telefonate führen und am Ende doch nicht namentlich unter den Artikeln erwähnt werden. Im Gegensatz zu Patti ist Cindy bereits verheiratet. Auch ihr bedeutet der Job bei "News of the Week" viel. Für sie ist er Bestimmung und Zufluchtsort aus einer unglücklichen Ehe zugleich. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, toleriert Cindy es anfangs, lieber von ihren männlichen Kollegen schlecht behandelt zu werden, als sich der Revolution in der Redaktion anzuschließen.

Sie wollen mehr als nur Kaffee kochen.
Sie wollen mehr als nur Kaffee kochen.(Foto: Amazon Video)

Privat hat Cindy schon das erreicht, worauf Jane Hollander (Anna Camp) noch wartet. Seit zwei Jahren hofft sie darauf, dass ihr Freund ihr endlich einen Heiratsantrag macht. Jane ist fest in den Geschlechterrollen der 1960er Jahre gefangen. Ihren Job bei "News of the Week" sieht sie lediglich als Zwischenstopp an. Eine Karriere als Journalistin plant sie nicht.

Die Produzentinnen der Serie Dana Calvo und Lynda Obst haben sich thematisch von Autorin Lynn Povich inspirieren lassen. Ihr Buch "The Good Girls: How the Women of Newsweek sued their Bosses and changed the Workplace" beruht auf wahren Ereignissen. Lynch war im Jahr 1970 eine derjenigen Frauen, die die Zeitung "Newsweek" verklagten, um für die Gleichstellung von Frauen innerhalb ihrer Redaktion zu kämpfen - mit Erfolg. Lynch schlossen sich 46 weitere Frauen an. Fünf Jahre später stieg sie als erste Frau zur leitenden Redakteurin auf.

Brave Mädchen entdecken ihre Unabhängigkeit

Ähnlich wie "Mad Men" funktioniert "Good Girls Revolt" auch deswegen so gut, weil die sozialen und kulturellen Umstände der 1960er Jahre bis ins kleinste Detail umgesetzt worden sind. Umstände, die nicht nur das Privatleben von Frauen bestimmt, sondern sie auch aktiv in ihrem Job benachteiligt haben.

Die Männer sitzen in der Redaktion von "News of the Week" auf einer erhöhten Plattform, während sich die Frauen eine halbe Treppe weiter unten drängen. Dort, wo all der Klatsch und Tratsch ausgetauscht wird, festigen sich auch alte Geschlechterhierarchien. Ausstattung, Kostüme und Atmosphäre versetzen den Zuschauer glaubhaft zurück in eine Zeit, in der Frauen in der Arbeitswelt nichts zu sagen hatten - ohne dabei gekünstelt rüber zu kommen.

Der Zuschauer - und noch mehr die Zuschauerin - will die "Good Girls" beständig anfeuern: Steht für eure Rechte ein! Lasst euch nicht länger unterbuttern! Ihr habt viel mehr auf dem Kasten als eure aufgeblasenen Kollegen! Umso befriedigender ist es, mitanzusehen, wie sich die Frauen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Weltanschauungen zusammenschließen und ihre Unabhängigkeit entdecken.

"Good Girls Revolt" ist ab dem 28. Oktober in der englischen Originalfassung über Amazon Video abrufbar.

 

Quelle: n-tv.de