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Geoffrey Rush und Sylvia Hoeks auf der Berlinale 2013.
Geoffrey Rush und Sylvia Hoeks auf der Berlinale 2013.(Foto: Reuters)
Montag, 09. April 2018

Er streitet alles ab: Verhielt sich Geoffrey Rush "unangebracht"?

Nach den Belästigungsvorwürfen, bereits aus dem letzten Jahr, schließt sich Geoffrey Rush zu Hause ein. Wie zuletzt so häufig steht auch im Fall Geoffrey Rush Aussage gegen Aussage. Die Belästigungsvorwürfe sollen dem Mimen stark zusetzen.

Die Tatsache, dass auch gegen Geoffrey Rush Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben wurden, setzt dem Schauspieler offenbar noch immer zu. Nachdem der "Daily Telegraph" aus Sydney bereits Ende 2017 berichtet hatte, dass Rush im Jahr 2015 gegenüber einer Schauspielerin "unangebrachtes Verhalten" an den Tag gelegt habe, vermeide der 66-Jährige es inzwischen, sein Haus zu verlassen. Auch psychisch gehe es ihm deswegen nicht gut, er habe jedweden Appetit verloren, berichtet die britische Seite "The Guardian".

Wegen seiner Aussage nach der falschen Berichterstattung befindet sich Rush schon seit dem Erscheinen des Artikels im Rechtsstreit. Im März dieses Jahres gelang ihm ein erster Teilerfolg, das Gericht erkannte laut "ABC" einige vermeintliche Beweise des "Daily Telegraph" nicht an.

2011 mit Penelope Cruz und Johnny Depp bei der Premiere von "Piraten der Karibik".
2011 mit Penelope Cruz und Johnny Depp bei der Premiere von "Piraten der Karibik".(Foto: REUTERS)

Nichtsdestotrotz hätten die Anschuldigungen Spuren hinterlassen, von "immensen emotionalen und sozialen Beschwerden" ist im Bericht von "The Guardian" die Rede. Rush sieht sich durch den Artikel als Perverser gebrandmarkt, und verklagte daraufhin den Journalisten Jonathon Moran und die Zeitung. Die wiederum führt an, keinerlei Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben zu haben - lediglich von einem Fehlverhalten sei die Rede gewesen.

Am kommenden Freitag soll eine weitere Anhörung stattfinden, ein Ende des Gerichtsverfahrens wird nicht vor Dezember vermutet.

"Ich auch" in Deutschland

Ja, da ist was im Gange. Manche sehen das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in Gefahr - fürchten, dass beide Geschlechter nicht mehr locker miteinander umgehen können - ist gar eine neue Prüderie im Anmarsch? Was darf man noch sagen - und was nicht?

Dieter Wedel mit Ingrid Steeger
Dieter Wedel mit Ingrid Steeger(Foto: imago/United Archives)

Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU) findet, dass die MeToo-Debatte teilweise übers Ziel hinausschießt und versucht, "jegliche Äußerung von Anziehung zwischen den Geschlechtern zu tilgen". "Flapsige Bemerkungen" oder "tumbe Komplimente" hält sie zwar für unangemessen, wie sie dem Berliner "Tagesspiegel" sagte. Sie glaube aber nicht, dass es "unser Land lebenswerter machen würde", Grenzen noch weiter zu verschieben.

Anders sieht der Schauspieler Sebastian Schipper die Debatte um Sexismus. "Was für eine Art von schützenswertem Flirt soll es sein, bei dem sich die andere Person mies fühlt?", fragt er im Gespräch mit "Spiegel Online". Dass sein Geschlecht durch MeToo etwas zu verlieren hat, findet er nicht. "Ein paar dumme alte Säcke werden es nicht mehr lernen", resümiert er.

Einigen stößt auf, dass mutmaßliche Opfer sexueller Gewalt sich erst Jahre später zu Wort melden. Das Wort "Hexenjagd" fällt. Schließlich könne nach so langer Zeit meist niemand mehr beweisen, was war - und was nicht. Aussage gegen Aussage. Es gilt die Unschuldsvermutung. Eine falsche Verdächtigung kann Existenzen zerstören. Keine Frage, auch für Medien ist das Thema kein einfaches. Wann genießt das Persönlichkeitsrecht eines mutmaßlichen Täters größeren Schutz als Interesse an umfassender Berichterstattung? Immer wieder eine Gratwanderung.

Und die Frauen, die nun "Ich auch" sagen - sie müssen sich auch diese Fragen gefallen lassen: "Warum seid ihr damals nicht zur Polizei gegangen?" oder: "Wieso habt ihr solange geschwiegen?" Til Schweiger erinnerte daher bereits in einer Sendung bei "Markus Lanz" an die "wahnsinnige Macht", die Wedel früher gehabt habe. Ein "Fernsehgott" sei er gewesen. "Wo soll diese Frau, die sowieso schon traumatisiert ist durch das, was man ihr angetan hat, wo soll sie den Mut hernehmen und gegen diesen Übermenschen auszusagen oder vorzugehen?" verteidigt er eine der Schauspielerinnen, die heute Vorwürfe erhebt. Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen versteht hingegen nicht, warum die Frauen den Fall nicht angezeigt haben. "Dann wäre Schluss gewesen2, sagt sie.

Eine EU-weite Studie aus dem Jahr 2014 kommt zu dem Ergebnis, dass nur ein Bruchteil der Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, überhaupt zur Polizei geht oder sich bei anderen Organisation Hilfe sucht. Ein Grund dafür ist Scham. Andere Opfer glauben, schon selbst oder mit der Hilfe von Freunden oder Familie mit dem Vorfall fertig zu werden.

Wie wird man in 10 oder 20 Jahren auf diese Zeit zurückblicken? Als Deutschland darüber diskutierte, ob das denn wirklich alles sein müsse: die weibliche Anrede auf dem Sparkassen-Formular. Das dritte Geschlecht. Die Ehe für Alle. Das Gendersternchen in der Sprache ("Lehrer*innen"), damit sich alle gemeint fühlt. Vieles wurde in der Diskussion um MeToo in einen Topf geworden. Was davon bleiben wird, könnte einmal Stoff für Doktorarbeiten werden.

Hoffen wir auf jeden Fall, dass die Anschuldigungen gegne Geoffrey Rush nicht stimmen und dass er wieder aus dem Haus kommen kann.

Quelle: n-tv.de