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Hypnotiseur Jan Becker beobachtet seine gefügigen Gäste Walter Freiwald, Christian Polanc, Jörg Krusche, Thomas Rupprath und Michaela Schaffrath.
Hypnotiseur Jan Becker beobachtet seine gefügigen Gäste Walter Freiwald, Christian Polanc, Jörg Krusche, Thomas Rupprath und Michaela Schaffrath.
Sonntag, 05. Juni 2016

"Promis unter Hypnose": "Wir sind alle manipulierbar"

Von Verena Maria Dittrich

Joey glaubt plötzlich nackt zu sein, Profitänzer Polanc mimt den Wischmopp und ein Autohändler setzt sich einen Schlüpfer auf den Kopf. Promis unter Hypnose - Mentalist Jan Becker vollbringt Erstaunliches.

"Tiefer und tiefer, fester und fester. Tiefer, ganz tief, sehr schön", sagt Jan Becker so oft, dass man es langsam mit der Angst bekommt, der Fernseher könnte zu laut sein und die Nachbarn würden sich ihren Teil denken. Der Mann mit der vorzüglich polierten Glatze und der markanten Moritz-Strähne ist Deutschlands bekanntester Hypnotiseur. Reihenweise schlummern die Leute ein, wenn er es ihnen sagt.

In der Event-Show "Schau mir in die Augen - Promis unter Hypnose" will der Meister des Unterbewusstseins beweisen, dass der tief entspannte Wachzustand kein Fake oder gar Humbug ist. Zehn Kandidaten mimen das Versuchskaninchen und machen sich in illustren Spielchen freiwillig zum Affen, denn Hypnose ist, spätestens seit Uri Geller, nicht nur aus therapeutischer Sicht interessant.

Der Herausforderung, mehrere Spielrunden im Trancezustand durchzustehen, stellen sich unter anderem der Profitänzer Christian Polanc, der Dschungelkönig von 2013, Joey Heindle, Rolfe, "RTL-Urgestein" Maxi Biewer, Michaela Schaffrath, die unglaublich erschlankte Patricia Blanco sowie der zukünftige Bundespräsident und Gauck-Nachfolger Walter Freiwald.

"Alles ganz schön spooky"

Patricia Blanco im Entspannungsmodus.
Patricia Blanco im Entspannungsmodus.

Natürlich muss man sich auf die Chose einlassen. Hypnose funktioniert nicht bei jedem, obschon Becker sagt, dass "alles möglich ist, wenn man dafür offen ist". Dennoch haben die Promis zuerst Bedenken. Schaffrath findet die Angelegenheit "spooky", Joey glaubt, da ist "Geistermagie mit dabei" und Christian befürchtet "zu verkopft zu sein". Doch Becker, der "schon mit 12 seine Kumpels hypnotisiert hat", versetzt alle Promis binnen weniger Sekunden in Trance. Da liegen sie nun, leicht rammdösig und halb knülle, als hätten sie ein paar Bierchen zu viel weggezwitschert und machen unter Hypnose teils lustige, teils fremdschämige Mätzchen.

Ein Promi, den keiner kennt, der dafür aber einen sehr dicken Bauch hat, setzt sich einen Schlüppi auf den Kopf, Flachzange Heindle rennt über imaginäre heiße Kohlen und Robertos sexy Tochter lässt sich von Rolfe begrabbeln. Wenn Becker aber in die Hände klatscht, ist der meditative Zustand schlagartig vorbei.

"Das Ganze ist zwar schweinelustig, aber man muss auch verantwortungsvoll damit umgehen", merkt der Hypnotiseur an und ergänzt: "Wir sind alle manipulierbar, aber wir sollten damit anfangen, uns in die richtige Richtung zu manipulieren."

"Hilfe, ich bin nackt!"

Thomas Rupprath klettert in eine Wanne mit Eiswasser.
Thomas Rupprath klettert in eine Wanne mit Eiswasser.

In mehreren Spielrunden versieht Becker die Promi-Kandidaten individuell mit sogenannten "Triggern", die das jeweilige Spiel erschweren sollen. Im Spiel "Bauklötze" denkt Autohändler Krusche unter Hypnose, er sei ein 3-Jähriger, der lieber mit einem Bagger spielt, statt Türmchen zu bauen, Joey telefoniert mit einem Bauklotz am Ohr und der Bundespräsident der Herzen ist so getriggert, dass er ständig seine Kompagnons umarmt. Nachdem Becker den Satz: "Jede Suggestion ist wieder von dir genommen" sagt, wachen alle auf und können sich an nichts mehr erinnern.

Im Spiel Limbo soll, wie der Name schon sagt, Limbo getanzt werden. Polanc denkt in seinem Zustand, er sei eine Bohnermaschine, Maxi Biewer fuchtelt ausgelassen mit einer Fliegenklatsche herum und Heindle, der glaubt nackt zu sein, dreht vor Scham fast durch. "Ich habe keinen Bock, dass Deutschland meinen Pimmel sieht", ruft er ängstlich, während Schwimmer Thomas Rupprath lasziv eine Plastepalme antanzt.

Das Problem der Show: Sie ist mit mehr als drei Stunden zu lang, zu wuchtig, zu vollgepackt. Die vielen Hypnose-Spiele hätten locker in zwei oder drei Sendungen gepasst. Doch Mentalist Becker scheint die Promis in der Hand zu haben. Freiwillig klettert Rupprath in eine Wanne mit Eiswasser und schwärmt von der angenehmen Wärme auf seiner von der Kälte krebsroten Haut. Rolfe lässt der Hypnotiseur glauben, eine Vagina zu malen, Polanc, dass seine Hose kneift und Pat Blanco aka "The New Body", auf einer Blumenwiese zu relaxen.

Fake oder alles echt?

Ist das alles wirklich echt? Unumstritten ist, dass man sich mit Hilfe der Hypnose das Rauchen abgewöhnen oder sich von Phobien befreien kann. Wieso soll man dann nicht auch Moonwalk tanzen können oder glauben, man sei ein Staubsauger? "Man muss sich drauf einlassen, das ist der springende Punkt", so der Moritzsträhnchen-Mentalist. Alles liegt an "der Kraft der Suggestion".

Dass Becker kein Laberhans ist, wurde übrigens belegt. Unter der Leitung eines Neurowissenschaftlers wurde entdeckt, dass sein Talent, menschliches Verhalten vorherzusagen, einer Besonderheit seines Gehirns zuzuschreiben ist. Wenn er sich in andere hineinversetzt, arbeiten seine Spiegelneuronen auf Hochtouren. Sein aktuelles Buch ist seit Wochen in der Spiegel-Bestseller-Liste vertreten.

"Wir haben unsere Wirklichkeit im Griff und das ist Hypnose", so Becker. Darauf Moderator Oliver Geissen: "Ich hab nächste Woche ein Interview mit Shakira, könntest du da mitkommen?"

Quelle: n-tv.de